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Reiseführer Rom


Campo Verano

Wie seine offizielle Bezeichnung Cimitero Monumentale del Verano verrät, hat Roms Hauptfriedhof riesige Ausmaße, die sogar auf vorgeschriebenen Routen mit dem Auto bewältigt werden dürfen. Gleichwohl ist der „Verano“ vielen Römern zu einem Ort der Ruhe und Entspannung geworden, wo ein frisches Lüftchen weht wie etwa auf dem Pincetto-Hügelchen gleich links vom Eingang im Schatten der Basilika San Lorenzo. Viel Schatten im heißen römischen Sommer bieten auch die anderen Sektoren dank ihrer üppigen Bepflanzung und es gibt viel Raum mit breiten Wegen und Bänken, die zu einem ausgiebigen Schwätzchen einladen, das lautes Gelächter begleiten wird, denn man hat es auf römischen Friedhöfen nicht so mit der weihevollen Stille und dem getragenen Ernst.

Campo Verano

Nicht, dass es keine Probleme gäbe: Ein Plätzchen für die Ewigkeit auf dem ohnehin überfüllten Verano ist für die meisten unbezahlbar geworden. Nur noch ein glücklicher Zufall, viel Geld oder die richtige Kontaktperson im Friedhofsamt können da Abhilfe schaffen. Und schön und irgendwie standesgemäß soll die letzte Ruhestätte schon sein und keinesfalls anonym. So ist manch Aufschlussreiches, Belangloses und Kitschiges an den im historisierenden Stil errichteten Familiengrabhäusern und Travertinmauern in großen Buchstaben verewigt worden und nicht selten umrahmen lebensgroße Abbilder der Verstorbenen oder dramatisch dahin sinkende Engel die letzte Ruhestätte.

Früher hatte man in Rom seine Toten innerhalb der Stadtmauern auf den Kirchhöfen oder in den Kirchen beigesetzt, bis die rasch wachsende Bevölkerungszahl nach einer anderen Lösung verlangte. 1809 wurde die bisherige Bestattungspraxis generell untersagt und die Anlage eines Zentralfriedhofs beschlossen, doch wie bei so vielen römischen Bauprojekten verzögerten sich die Arbeiten aus Mangel an Geld. Bis die ersten sechs quadratischen Felder mit zusammen 384 Gräbern fertig waren, vergingen Jahrzehnte. Neue Entwürfe wurden vorgelegt und Erweiterungen des Friedhofsgeländes durch Grundstückskäufe möglich gemacht. Als 1852 der Architekt Virginio Vespigniani die Planung übernahm, ging es zielstrebiger als bisher voran: Ab 1859 wurde nach seinen Entwürfen gebaut, 1860 die Friedhofskapelle Santa Maria della Misericordia geweiht und 1874 – Rom war jetzt Italiens Hauptstadt – die gesamte Anlage vollendet. 1895 wurde als eigener Sektor der Jüdische Friedhof im Nordwesten des Verano (Eingang: Ingresso Israelitici an der Via Tiburtina) eröffnet. Auch die Protestanten bekamen ihren Bereich zugewiesen. Er schließt sich südlich an den jüdischen Friedhof an (Eingang: Ingresso Crociate, Via Tiburtina). Ganz im Norden der Anlage ist die Zona Militare eingerichtet, wo militärische Größen Italiens beigesetzt wurden und Kriegerdenkmäler an die Caduti, die Gefallenen, erinnern.

Campo Verano

Vier monumentale Skulpturen an der Außenseite der Eingangshalle begrüßen die Besucher. Sie sind Personifikationen der Meditation, der Hoffnung, der Barmherzigkeit und der Stille. Nach Durchschreiten der dreitorigen Eingangshalle betritt man den sog. Quadriportico, das sind umlaufende, mit Fresken ausgemalte Säulenhallen, die Grabmonumente beherbergen. Die Säulenhallen bilden einen länglichen Hof, an dessen Ende die frühchristlichen Basiliken nachempfundene Capella di Santa Maria della Misericordia liegt. Hinter der Capella setzt sich der vom Eingang ausgehende Weg fort. Er bildet die Hauptachse der gesamten Friedhofsanlage, links und rechts begleitet von quadratischen Grabfeldern.

Ein Vergleich des Campo Verano mit dem Pariser Prominentenfriedhof Père Lachaise macht keinen Sinn, da die geistliche und politische Elite Roms bis Anfang des 19. Jahrhunderts zumeist in Kirchen beigesetzt wurde und prominente Ausländer auf dem Cimitero Acattolico. Was nicht heißen soll, dass der Verano nicht große Namen aufbieten kann wie Alberto Moravia und Natalia Ginzburg und aus der Welt des Films Roberto Rosselini, Sergio Leone, Marcello Mastroianni, Vittorio de Sica oder die Politiker Giuseppe Garibaldi, Palmiro Togliatti, Pietro Nenni, Ugo La Malfa und nicht zu vergessen Wilma Montesi, die unter ungeklärten Umständen ums Leben kam und Fellini zu „La dolce vita“ inspirierte oder Mussolinis Geliebte Clara („Claretta“) Pettaci, die gemeinsam mit dem Duce erschossen wurde.

(Piazzale del Verano 1)



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