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Berninis Elefant

Es ist schon eine höchst sonderbare Skulptur: der kleine steinerne Elefant, der auf seinem Rücken einen tonnenschweren ägyptischen Obelisken balanciert. Er steht auf einem Podest in Sichtweite des Pantheons vor der Fassade der Kirche Santa Maria sopra Minerva, schwenkt seinen Rüssel und blickt mit wachen Augen auf die Neugierigen hinab, die ihn mit ihren Kameras ins Visier nehmen.

Berninis Elefant

Für die den Spott liebenden Römer war er zunächst Il porcino della Minerva (das Schweinchen der Minerva), daraus wurde später Il pulcino della Minerva, das Küken der Minerva. Kirche und angrenzender Platz erhielten ihren Namen Minerva von einem der Göttin der Weisheit geweihten römischen Tempel. Über den Ruinen des Tempels (daher: sopra Minerva) entstand im 8. Jahrhundert eine Kirche, die nach einem halben Jahrtausend einstürzte und – nun schon im Besitz des Bettelordens der Dominikaner – neu erbaut wurde. Bald kam ein Klosterbau hinzu. Genau hier, im Garten des Klosters, stieß man 1665 auf den Obelisken. Er ist mit 5,47 m der kleinste unter den zahlreichen in Rom als Sichtmarken und Wegweiser verwendeten ägyptischen Steinpfeilern. Zu Zeiten, als im imperialen Rom nahöstliche Kulte in Mode waren, schmückte er einen Isis-Tempel ganz in der Nähe.

Papst Alexander VII. aus dem Adels- und Bankiersgeschlecht der Chigi bestimmte als Standort des Obelisken den Platz vor der Kirche der Dominikaner, jener strengen, unerbittlichen Bruderschaft, die sich als Verteidiger des wahren Glaubens verstand und die dafür gesorgt hatte, dass in Rom wieder die Inquisition eingesetzt wurde. Giordano Bruno, Galileo Galilei, Miguel de Molinos und viele andere wurden im Kloster der „Hunde des Herren“ (domini canes) abgeurteilt.

Wie sollte das Monument aussehen? Von dem Dominikanerpater Domenico Paglia kam ein Vorschlag, den der Papst zurückwies. Ihm war nicht nach Selbstbeweihräucherung zumute, vielmehr wollte er an die ursprüngliche Bedeutung des Ortes als Hort der Weisheit anknüpfen und für diese Aufgabe bot sich nur ein Schwergewicht der römischen Kunstszene an: Gian Lorenzo Bernini. Freilich, so ganz ohne dezenten Hinweis auf die Stifterfamilie der Chigi ging es dann doch nicht: Ihr steinernes Wappen schmückt die Stirnseite des Sockels. An seiner Längsseite verkündet eine Inschrift: Wie der Elefant zeige, bedürfe es eines kräftigen Verstandes, um wahrhaftige Weisheit zu tragen.

Bernini ließ sich zweifellos durch einen Holzschnitt zu seinem Werk anregen, der genau sein Ensemble zeigte, nämlich einen Elefanten als ein Symbol der Weisheit, der einen Obelisken trägt. Das Bild entstammte einem der ersten in Italien gedruckten Bücher (1499) mit dem lateinischen Titel Hypnerotomachia Poliphili (ungefähr: Poliphilus` Liebeskampftraum). Die Planungen kamen gut voran, nur der Streit mit dem eifersüchtigen Pater Paglia, dessen Entwurf der Papst verworfen hatte, zerrte an den Nerven. Dann hatte Bernini eine Idee. Die Körperachse des Elefanten sollte eigentlich parallel zur Kirchenfassade  aufgestellt werden, mit dem Kopf zum Hauptgebäude der Dominikaner ausgerichtet. Nach dem Ärger mit den Ordensleuten entschied sich Bernini jedoch für eine Drehung um 180 Grad. So fällt bis heute der Blick der Dominikaner auf das faltige Hinterteil des Elefanten, der auch noch mit seinem wedelndem Schwanz Pater Paglia und allen anderen, die nach ihm kamen, zuzuwinken scheint.

Bernini konnte sich derartige Bosheiten herausnehmen.

    

 


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