Radreisen
Ausgewählte Fahrradtouren in Deutschland und Europa
Aktivurlaub mit dem Rad erfreut sich ungebrochen einer großen Beliebtheit. In Deutschland und vielen Ländern Europas wachsen das Radwegenetz und die touristische Infrastruktur für Radwanderer. Die immer zahlreicher werdenden offiziellen Radwanderwege sind zumeist bestens ausgeschildert und die Vermieter von Unterkünften an den Strecken haben sich auf die Kurzzeitgäste mit ihren Velos eingerichtet. Auch unsere Autoren waren in Deutschland und Europa auf zwei Rädern unterwegs und berichten über ihre Erfahrungen und geben Tipps.

Deutschland
Zwischen Reichtag und Mauerwerk. Berlin mit dem Fahrrad entdecken
Man muss kein Asphalt-Cowboy mit ausgeprägtem Hang zum Abenteuer sein, um Berlin mit dem Fahrrad zu entdecken. Mehr als 1.200 Kilometer fahrradgeeigneter Wege stehen Radlern laut Senatsverwaltung für Verkehr und Stadtentwicklung zur Verfügung, darunter allein 620 Kilometer an ausgewiesenen Radwegen. Auch ohne die trennende Scheibe eines Stadtrundfahrtbusses können Radfahrer im eigenen Tempo zu den interessantesten und geschichtsträchtigsten Stellen der Spreemetropole vordringen und genießen dabei einen weit größeren Aktionsradius als bei Führungen auf Schusters Rappen.
Mehr zu Berlin lesen Sie in unsrem Reiseführer Berlin.
Mit dem Fahrrad von der Hauptstadt an die „Berliner Badewanne“ - Usedom
Inmitten der Metropole beginnt er, der Radfernweg Berlin – Usedom, und zwar am Berliner Lustgarten neben dem Schloss. Die Stadtgrenze ist schnell erreicht, noch durch den Prenzlauer Berg mit seinen netten Kneipen, eine Weile am Ufer der Panke entlang, und schon ist man in Bernau in Brandenburg. Am Ende locken die schneeweißen Badestrände der Insel an der Ostsee, die auch oft „Badewanne der Berliner“ genannt wird. Also hineingesprungen und abgetaucht oder einfach die frische Brise um die Nase wehen, die müden Waden im Wasser baumeln lassen. Auf dem Rücken im Ostseewasser liegen und gen Himmel starren, sich im Strandkorb verkriechen. Berlin ist weit weg. Das Rad liegt im Sand.
Per Rad durch die Seebäder Döse, Duhnen und Sahlenburg
Leider ist die deutsche Nordseeküste, wenn man von den ost- und nordfriesischen Inseln einmal absieht, von der Natur nicht so reich mit Sandstränden bedacht worden, wie die Anrainerländer Niederlande und besonders Dänemark. Natürlich gibt es auch viele schöne Ecken jenseits der Sandstrände und Sand allein ist nicht alles im Urlaub, aber für viele hat ein Sandstrand eben doch eine große Bedeutung und deshalb steppt in den Sommermonaten in den Seebädern Döse, Duhnen und Sahlenburg vor allem an den Wochenenden der Bär.
Mit dem Fahrrad durch das Münsterland
Insgesamt bietet dieses flache Land großartige Radwander-Bedingungen. Autobahnbrücken und Kirchen bilden oft die einzigen weithin sichtbaren Erhebungen. Nur das Tecklenburger Land – dieser Balkon, der dem Wanderer einen herrlichen Blick hinein in das Münsterland gewährt – eignet sich nicht zum gemütlichen Radeln. Die Baumberge zwischen Billerbeck und Havixbeck sind im Vergleich dazu als eher leichte Berg-Etappe einzustufen. (Foto: © Münsterland-Touristik)
Mehr zum Münsterland lesen Sie in unserem Reiseführer Münsterland.
Von Bierkrügen zu Bocksbeuteln. Radeln und Einkehren auf dem Main-Radweg
Der Main ist nicht immer der Main. Mal heißt er „der Ma“, mal „der Mä“, mal „der Mee“. So ganz normal ist er auch nicht, der Main, denn welcher mitteleuropäische Fluss fließt schon von Osten nach Westen? Manche behaupten auch, er bilde den „Weißwurstäquator“, also eine Art Grenze zwischen „Bayern“ und „Preußen“. So oder so: Etwa 600 Kilometer lang ist dieser Radgenuss, den wir vor uns haben.
Immer am Wasser entlang. Mit dem Fahrrad vom Main zur Rhön
Am Wasser geht es los, am Wasser wird es enden: In der Drei-Flüsse-Stadt Gemünden. Start- und Endpunkt des Radwegs „Vom Main zur Rhön“ liegen hier, wo die Sinn in die Fränkische Saale und diese wiederum in den Main fließt. Meist fährt man auf extra angelegten asphaltierten Radwegen, teils auch auf Feld- oder Wirtschaftswegen oder ruhigen Nebenstraßen. Noch tut sich hier wenig, kaum einen anderen Radfahrer trifft man. Das könnte sich bald ändern. Vier Sterne auch von uns für „Vom Main zur Rhön“!
Wahrzeichen des Bauernlandes. Mit dem Rad durch den Mühlenkreis Minden
Es ist nicht immer so, dass sich bauliche Relikte der Vergangenheit großer Wertschätzung erfreuen. Um sie zu retten, ist Überzeugungsarbeit gefragt. Aber oft sind die vormaligen Abrissfreunde nach dem Erhalt der gebauten Zeitzeugen froh, dass es sie als Träger der Ortsgeschichte noch gibt. So war das auch bei den vielen Mühlen, die rund um die ostwestfälische Stadt Minden nun immer noch das Bild der Landschaft prägen.
Bratwürste, Burgen, Biere. Unterwegs auf dem Altmühltalradweg
Alkmuna nannten die Kelten die Altmühl einst: Stiller heiliger Fluss. Heute meinen manche, sie sei langsam, andere sagen auch lahm oder träge, denn ihr Gefälle beträgt durchschnittlich nur 54 cm auf einen Kilometer. Der Beginn der Tour auf dem Altmühltalradweg liegt im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber. Das Finale folgt der Donau, Altmühl ade, bis Regensburg.
Eine bestens ausgebaute Strecke, immer in Flussnähe, meistens bergab und ohne extreme Steigungen. Also genau das Richtige für eine ganz entspannte Radtour durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft. Wer will, kann die 120 km lange Distanz in lockeren Tagesetappen von 30 bis 40 Kilometern zurücklegen. Mit viel Zeit für ein ausgedehntes Radlerfrühstück am Morgen, für den Besuch eines mittelalterlichen Klosters am Weg, für ein Mittagsschläfchen am plätschernden Fluss oder ein erfrischendes Bad zwischendurch.
Der Havel-Radweg in Brandenburg
Darf bei diesem Fluss überhaupt von fließen die Rede sein? Nur um die 40 Meter Gefälle bringt er auf seinem ca. 300 Kilometer langen Weg hinter sich. Dabei beschreibt er einen weit nach Osten geschwungenen Bogen durchs Land: Quelle und Mündung liegen also nahe beieinander, ein Fluss macht die Biege. Das schönste Stück Havel-Radweg ist das zwischen Fürstenberg und Brandenburg an der Havel und lässt sich bequem in einer Woche mit genügend Zeit für die vielen Besichtigungen abradeln.
Gemächlich fließt sie dahin, die Havel. Und genauso gemächlich rollen wir an ihren Ufern auf dem komplett ausgeschilderten Radweg. Kein Berg weit und breit. Steigung ist auf dieser Route ein Fremdwort.
Dieser Radweg ist sicher kein gemütlicher Flussradweg, sondern hügelig mit teils steilen Anstiegen und rasanten Abfahrten, aber nie bergig. Grandiose Panoramen, interessante Städtchen und Seen satt liegen am Wegesrand. Vom südwestlichsten zum südöstlichsten See, vom Bodensee zum Königssee führte die Reise immer am Alpenhang lang. Nun geht’s nur noch per Schiff weiter: Nach St. Bartholomä und zum weltberühmten Königssee-Echo. Finale! Darf man vor Freude jodeln? Man muss. Und wer es nicht kann, besuche schnellstens einen Kursus oder lasse das jodelnde Murmeltier singen.
Europa
Frankreich
Limousin - Lust auf Langsamkeit. Frankreichs Mitte per Rad erfahren
Das Limousin ist das Herz und eine der am dünnsten besiedelten Regionen Frankreichs. Flüsse und Seen, Grün und Natur sind vorherrschend. Eine waldige, eine bäuerliche und beschauliche Gegend mit jeder Menge kulturellen und kulinarischen Genüssen. La France profonde ist nicht spektakulär, aber liebenswert. Gemütlich geht es hier zu. Eine von Bauernhöfen geprägte Region mit netten kleinen Dörfern, in denen es langsam voran geht. Langsamkeit hat Charme – man hat Zeit für Details.
Per Rad auf der Römerstraße Via Domitia durchs Geschichtsbuch
Fünf Radwege folgen dem Hinterland der französischen Mittelmeerküste und bieten römische Hinterlassenschaften satt. Auf grünen Wegen, kleinen Nebenstraßen oder Feld- und Waldwegen führen die Rundkurse um die älteste Römerstraße Via Domitia durch Languedoc-Rousillon.
Italien
Radelstrecken für jeden Geschmack. Mit dem Fahrrad durch Ligurien
Von Arenzano gehts auf den Monte Beigua und von dort an die Blumenriviera. Auch in und um Imperia an der Blumenriviera gibt es für Radfahrer jede Menge Abwechslung. Weiter führt die Tour von Finale Ligure nach Verezzi. Dieses verträumte Dorf besteht eigentlich aus vier Teilen und sommers lockt hier ein Theaterfestival. Eine andere Tour führt ab Finale Ligure auf die Hochebene Le Manie, ein Paradies für Liebhaber von Single Trails und schwierigen Strecken voller Steine und Wurzeln oder Sand.
Palladios Villenroute - die Route der geflügelten Löwen. Eine Radtour rund um Venedig
Vicenza, ein Ort im Veneto, ist Start- und Endpunkt unserer Radtour „Rund um Venedig“. Beginn ist auf der Piazza dei Signori, an der Säule mit dem geflügelten Löwen von S. Marco, Hoheitszeichen der Herrschaft Venedigs. Solche Löwen werden uns noch öfter begegnen. Doch zuerst geht es über die Dörfer. Doch dann: Venedig! Stadt der geflügelten Löwen, Symbol des Evangelisten und Schutzpatrons Markus, Gondeln, Kanäle und Lagunen.
Norwegen
Flach oder nicht flach - das ist hier die Frage. Mit dem Fahrrad durch das Setestal
Wer von Hovden nach Kristiansand auf dem Drahtesel unterwegs ist, rollt eigentlich immer bergab – das meint zumindest Frode Buen aus Valle, den unser Autor unterwegs traf. Auf gelegentliche Sturzbäche, die sich vom Himmel ergießen, und feinen Nieselregen muss man im Land der alpinen Höhen und Fjorde stets gefasst sein; Regenkleidung ist daher unerlässlich. Wenn die Sonne hinter den Wolken hervorschaut, ist die Tour durch das Setesdal jedoch ein Vergnügen.
Einmal rund um den Fjord. Von Stavanger nach Bergen mit dem Fahrrad
Wir fahren am Hardangerfjord entlang, hier ist Norwegen so norwegisch wie nirgends sonst. Der Hardangerfjord mit seinen vielen Armen ist der König der norwegischen Fjorde, sagt man. Er ist mit 179 Kilometern Länge der zweitlängste Fjord des Landes und der drittlängste weltweit! Seine tiefste Stelle misst ca. 800 Meter. Skifahren ist auf den umliegenden Gletschern zu jeder Jahreszeit möglich, gleichzeitig gibt es Obstgärten ohne Ende, und sogar Bananen gedeihen hier. Obstgarten Fjordnorwegens wird diese gegensätzliche Landschaft deshalb genannt.
Mehr zu Norwegen finden Sie in unseren Reiseführern Norwegen und Bergen.
Österreich
Die 10-Seen-Radtour zwischen Salzburger Land und Salzkammergut
Flachlandtiroler seien gewarnt, denn wellige Kuppen mit lang gezogenen Anstiegen erfordern ein gewisses Stehvermögen. Den Salzburger Schnürleregen wünscht sich keiner, der mit dem Rad auf der 10-Seen-Tour unterwegs ist, doch ihn kann es ebenso geben wie Sturzbäche, die sich in einem Sommergewitter vom Himmel ergießen. Salzburg mit der Hohensalzburg ist Ausgangs- und Endpunkt der Tour – und das Weltkulturerbe sollte man nicht nur bei einem nachmittäglichen Bummel durch die Gassen des „bürgerlichen“ und des „geistlichen Salzburg“ genießen.
Polen
Per Rad durch den Slowinzischen Nationalpark. An der polnischen Ostseeküste unterwegs
Wer von Słupsk (Stolp), der alten pommerschen Hansestadt, aus Richtung Ostsee nach Smołdzino (Schmolsin) radelt, wird gleich von einer der schönsten Seiten des Słowiński Park Narodowy, des Slowinzischen Nationalparks, begrüßt. Aber nur, wenn man die durch ein Schild angekündigte Wald-Radroute zwischen Swochowo und Karzcino nimmt und nicht auf der rasant befahrenen „213“ sein Leben riskiert. Verschwiegene Wege ziehen sich durch Nordpolens endlose Wälder – bei diesem hier ist der Sand gut festgefahren; das Rad bleibt trotz Gepäck nicht stecken. Um die vielfältige Pflanzen- und Vogelwelt zu schützen, wurde das Gebiet zwischen den Ferienorten Rowy und Łeba 1967 als UNESCO-Biosphärenreservat eingerichtet. Erkunden lässt es sich am besten per Rad.
Schweiz
Die Zentralschweiz mit dem Fahrrad neu entdeckt
Der Weg ist bereits das Ziel im „Veloland Schweiz“. Für dieses Projekt hat SchweizMobil mehr als 60 regionale und nationale Velo-Routen ausgearbeitet. Das „Veloland“-Angebot reicht vom Familien-Tagesausflug im Flachland bis hin zu sportlich anspruchsvollen Touren für Individiual-Biker im Gebirge. Und mehrere dieser Routen führen durch die Zentralschweiz, die im 19. Jahrhundert eine Wiege des heutigen Tourismus war.
Spanien
Die große Balearen-Tour. Mit dem Fahrrad auf Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera
Diese Inseln mit dem Image, von Touristen überlaufen zu sein, sind mit ihrem ruhigen und interessanten Hinterland ein Eldorado für Radfahrer! Und, das muss man auch ganz klar sehen: Dadurch, dass man hier an Tourismus gewöhnt ist, stimmt einfach die Infrastruktur. Verhungern oder verdursten oder irgendetwas in der Art werden Sie nicht! Die Touren kann man sich von „sehr leicht“ für Familien mit kleinen Kindern bis „sehr schwer“ für Rennradfahrer oder Mountainbiker, die an saftigen Steigungen interessiert sind, zusammenstellen.
Tschechien
Radeln ganz mondän. Mit dem Fahrrad zu den tschechischen Bäderorten
Westböhmisches Bäderdreieck wird die Gegend hier genannt. Per Fahrrad wird sie zum Bäderviereck: Franzensbad, Karlsbad, Konstantinsbad, Marienbad und wieder Franzensbad heißen die mondänen Koordinatenpunkte dieser Tour. Die Etappen zwischen den Kurorten betragen jeweils um die 50 km. Angekommen machen wir immer einen Tag Pause, lassen uns Anwendungen für müde Radlermuskeln gefallen und bewundern die Bäder-Architektur. Goethe, Kafka, Hebbel, Twain - viele Schriftsteller, Musiker und Künstler haben diese Orte in höchsten Tönen gepriesen. Nun auch wir. Doch loben muss man auch die Radwege, die die Kurorte verbinden.
Wales
In Carmarthen beginnt der Celtic Trail West, ein Fahrrad-Rundkurs auf den Spuren der Kelten, des Zauberers Merlin und der roten Drachen. Croeso (willkommen) in Wales! Meist fährt man auf dem Celtic Trail über Land, und zwar auf engen ruhigen Nebenstraßen zwischen hohen Hecken, Farnen und gelbem Stechginster, hinter denen, richtig geraten, Schafe grasen. Manchmal schlagen die Hecken fast über einem zusammen und bilden einen Tunnel. In den engen Kurven können entgegenkommende Traktoren durchaus zum Problem werden, doch die meisten sind an Radfahrer gewohnt.
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Wenn Sie mit dem Mountainbike auf Entdeckertour durch Deutschland gehen, sollten Sie nicht nur auf hochwertige Veloteile achten, sondern auch auf die richtige Fahrradbekleidung.
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