Portugal
Westend - Im Dienst des Turmes
Text und Fotos: Beate Schümann
Der Leuchtturm am Cabo de São Vicente markiert die Begegnung von Land und Meer
Das braungebrannte, gegerbte Gesicht des Leuchtturmwärtes lugt hinter der halbgeöffneten Tür hervor, gleich zum wieder Schließen auf dem Sprung. Seine gekniffenen Augen sprechen eine klare Sprache. "Nein, dies hier ist eine geschlossene Gesellschaft!" Die Antwort war unwirsch. Wahrscheinlich ist er der Touristen, die das ganze Jahr über scharenweise das Kap ansteuern und alle in den Turm wollen, mehr als überdrüssig. Kurz bevor er die Tür wieder zudrückt, biete ich meinen Rest Charme und alle mir zur Verfügung stehenden portugiesischen Überredungskünste auf. Mit letzterem haben wir Glück. Noch die stümperhaftesten Sprachkenntnisse lassen letztlich das Herz eines Portugiesen erweichen.

Als normal sterblicher Tourist kann man sich von dem Naturschauspiel am Kliff faszinieren lassen und die etwas unspektakuläre, fortähnliche Klosteranlage besichtigen. Aber in den Leuchtturm am Cabo de São Vicente kommt er nicht. Ausgenommen die Kunden der Sightseeingbusse. Denn unter der Hand haben einige Reiseleiter mit den faroleiros, wie die Leucht-turmwärter hier heißen, Sonderabkommen ausgehandelt - gegen ein ordentliches Trinkgeld natürlich. Das macht den Besuch am südwestlichsten Punkt Europas, wo sich das Land geradezu halsbrecherisch über die Klippen in den schäumenden Ozean hinabstürzt, für die Rundfahrtkunden erst recht zum Hit. Schon von weitem leuchtet die rote Stahlkuppel des Leuchtturms, der riskant an der Kliffabbruchkante die hohe Kapnase bewacht. Nah dran, entpuppt sich die markante Berühmtheit jedoch weniger als architektonische Glanznummer, finden wir. Pietätlos haben 1846 die königlichen Baumeister der Hauptkapelle der ruinierten Klosterkirche statt eines Kirchturmes die rote Stahlampel aufgepfropft.
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