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Wo Kolumbus von der Neuen Welt träumte

Von Madeira zur kleinen Schwesterinsel Porto Santo

Text und Fotos: Judith Weibrecht

Nur drei Stunden braucht die Fähre von Madeira zur benachbarten Insel Porto Santo. Vom subtropisch üppigen Grün setzt man über auf ein karges, sandiges Eiland und findet sich plötzlich in einer anderen Welt vor. In einer Welt, wo alles langsam und bedächtig abläuft. Und das führt auch den Besucher dazu, sich treiben und vom Nichtstun anstecken zu lassen.

Portugal / Porto Santo

Die Madeirenser sprachen schon langsam, sehr phlegmatisch. Bis einer guten Tag gesagt hatte, konnte gut und gerne eine Minute vergangen sein. „Dííííía!“, grüßte er dann, und ich wartete auf das Ende des Worts, blieb stehen und grüßte zurück, viel zu schnell natürlich. Ich dachte mir oft, nirgendwo auf der Welt gibt es Menschen die noch träger sind als die auf dieser Insel im Atlantik. Doch ich hatte mich getäuscht.

Portugal Porot Santo Marktfrau

Geschichten gibt es viele

Nur drei Stunden Fahrt mit der Fähre entfernt lebt auf Porto Santo, der Schwesterinsel Madeiras, die Steigerung dieser Spezies. Man spricht langsam und, wie mir Senhor Ornelas erklärte, kennt nur wenige Worte. Passieren tut hier nicht viel.

Portugal Porto Santo Strasse

Stilles Porto Santo: hier passiert nicht viel

Christoph Kolumbus soll einmal eine Zeit lang hier gelebt haben; davon zehrt man heute noch. Eine der dünn gesäten Sehenswürdigkeiten dieses Eilands ist denn auch das Kolumbus-Museum, das ein bisschen versteckt hinter der weiß gekalkten und von leuchtender Bougainvillea umrankten Kirche Igreja da Senhora da Piedade mit ihrem schönen Fliesen-Bild liegt. Außerdem erinnert die Kolumbusstatue (Foto) an der Palmenallee an den Entdecker.

Portugal Porto Santo Kolumbus

Geschichten gibt es aber viele, und Kolumbus soll ausgerechnet am kilometerlangen, goldgelben Sandstrand von Porto Santo Pflanzen und eine Bohne gefunden haben, die seiner Meinung nach von einem anderen Erdteil im Westen stammten. Deshalb, und nur deshalb natürlich, sei er aufgebrochen, um die „Neue Welt“ zu entdecken.

Eine noch bessere Legende haben die Bewohner Madeiras über ihre gutgläubigen Nachbarn parat: Einst sollen sie im sechzehnten Jahrhundert einem falschen Propheten gefolgt sein, der ihnen das nahende Ende der Welt vorausgesagt hatte. Deshalb sollten sie nicht arbeiten und sich nur dem Gebet widmen. Die Rettung für das allseits brach liegende öffentliche Leben kam – natürlich – aus Madeira: Der falsche Prophet wurde verhaftet und die Porto Santesen wurden forthin abfällig „profetas“ genannt.

Vieles erinnert an Afrika

Auch auf dem Weinfest am Largo de Pelourinho in Vila Baleira, der Hauptstadt oder besser gesagt dem Hauptdorf der etwa neun Kilometer langen und drei Kilometer breiten Insel, tut sich nicht viel.

Portugal Porto Santo Landstrasse

Kaum Verkehr auf der Insel

Mitglieder der älteren Bevölkerungsschichten der Insel sitzen auf Bänken um den Platz, sprechen wenig oder langsam und trinken - keinen Wein! Es gibt drei Stände mit „Porto-Santo-Wein“, einem überaus starken und sauren Getränk, doch niemand außer uns zwei Touristen trinkt ihn! Ein Weinfest ohne Weintrinker.

Portugal Porto Santo Gasse

Das Essen betreffend ist Rindfleischspieß die lokale Passion. Riesige Spieße werden an monströsen Halterungen über dem Tisch befestigt, so dass man sich die Stücke selbst abziehen kann. Das köstliche Fleisch selbst wird vorher in Meersalz und Lorbeer gewendet. Dazu gibt´s „bolo do caco“, meist noch warmes Fladenbrot aus Weizen- und Süßkartoffelmehl. Mir fällt auf, dass die Einheimischen Vinho Verde vom Festland trinken!

Die Insel ist trocken und karg, erinnert mehr an Afrika als an das immergrüne Madeira und bietet das ganze Jahr über sicheren Sonnenschein. Vor dem traumhaften Sandstrand liegt der azur- bis türkisblaue Atlantik, ab und zu eine Strandbar. Eine davon ist „Tía María“ in Campo de Baixo, die mit coolem Samba und kühlen Getränken unter Schatten spendenden Palmen lockt. Hier vergeht der Tag, aber langsam, mit Nichtstun. Nichts für Leute, die sich selbst nicht genug sind.

Ein Eiland im Inselschlaf

Der Tourismus auf der Insel hält sich denn auch in Grenzen: eine halbe Million Touristen pro Jahr sollen es sein, und man will lieber weniger davon haben, dafür solche, die die Ruhe entsprechend honorieren.

Portugal Porto Santo Steilkueste

Einsame Steilküste

Eine Bauverordnung wurde auch schon vor längerem verabschiedet, so dass dem Fremden der Anblick hässlicher Betonklötze oder bis an den Strand gebauter Anlagen erspart bleibt.

„Im August ist hier die Hölle los!“, erklärt mir ein Taxifahrer, der mich kostenlos („Was soll´s?“) bis in die „Hauptstadt“ mitnimmt. „Ganz Madeira macht dann hier Urlaub. Die da drüben haben nämlich keinen Sandstrand!“, und ein kurzes Kichern folgt seinen Erklärungen.

Portugal Porto Santo Strand

Vom Luxus leerer Strände

Im Juli und September kämen angeblich auch noch ein paar Leute und ansonsten halte das Eiland seinen Inselschlaf. Für mich allerdings ist sogar die so genannte Hauptsaison eine pure Übertreibung! Der Traumstrand ist für meine Begriffe drei Viertel leer.

Nichtstun und Samba

Auf den Markt gehen oder wandern könnte man natürlich noch, wenn man das bei der Hitze zustande bringt. Immerhin gibt es ein Faltblatt vom Tourismusbüro mit ganzen drei Wanderungen! Die Serra im Norden der Insel hat einen eigenartigen, herben Reiz mit ihren verlassenen Bauernhöfen, im vertrockneten Gebüsch raschelnden Eidechsen und Kaninchen und dem darüber hinweg pfeifenden Wind. In eines der verwunschenen Häuser aus grob behauenen Steinen dringe ich ein und finde noch ein paar rostige Töpfe vor, die wirken, als wären sie gerade erst abgestellt worden.

Portugal Porto Santo Fischmarkt

Mein Weg endet im Dorf Camacha, dem Dorf mit der letzten Windmühle von Porto Santo, beim Restaurant „Stern des Nordens“. Der Wirt vom „Estrela do Norte“ ist angeblich der Hähnchenkönig von Porto Santo, doch natürlich wird hier auch Espada, Spieß, gegessen. Doch dann entscheide ich mich wieder für Nichtstun und coolen Samba. Der Tag vergeht, ich blinzele aufs Meer hinaus wie die Leute an den Nachbartischen auch. Sie sprechen wenig und langsam. Wir auch!

Portugal Porto Santo Landschaft

Reiseinformationen zu Porto Santo

Turismo de Portugal, I.P.
Rua Ivone Silva, Lote 6
1050-124 Lisboa
Tel: +351 211 140 200
E-Mail: info@visitportugal.com
https://www.visitportugal.com/de

 

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