Der Fluss durchs iberische Jenseits
Unterwegs am Río Guadiana:
im Niemandsland
zwischen Portugal und Spanien
Text und Fotos: Volker Mehnert

Nach Mesquita? Die Senhora lacht: „Da müsste Ihr Auto schon schwimmen können.“ Die Brücke über den Río Guadiana von Pomarão nach Mesquita, in der Landkarte noch deutlich eingezeichnet, existiert schon lange nicht mehr. Nur ein abgebrochener rostiger Metallrahmen ragt von der holprigen Dorfstraße aus in den Fluss hinein. Auch sonst bietet dieser Ort am äußersten Rande Portugals ein Bild des Jammers. Viele Häuser sind verfallen, und die Spuren der letzten Überschwemmung wurden am Flussufer bloß notdürftig beseitigt. Die alte Dame aus Pomarão nimmt dennoch mit Humor, worüber sich die meisten Menschen im Grenzgebiet zwischen Spanien und Portugal mächtig ärgern: Der Río Guadiana, der drittgrößte Fluss der Iberischen Halbinsel, stellt ein lästiges Hindernis zwischen den beiden Ländern dar, denn es gibt kaum eine Möglichkeit, ihn zu überqueren.
Selbst die Autobahnbrücke zwischen Ayamonte und Castro Marim, die die Costa de la Luz mit der Algarve verbindet, wurde erst vor zehn Jahren eingeweiht. Vorher konnte der Mündungsbereich des Guadiana nur mit der Fähre überquert werden, und zur Hochsaison mussten Einheimische und Touristen an beiden Ufern stundenlange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Brücke war zweifellos schon damals eine überfällige Notwendigkeit, ihre imposante Architektur lenkt inzwischen aber von den Problemen und Unzulänglichkeiten im Hinterland ab.

Technisches Kunstwerk: die Autobahnbrüücke bei Castro Marim
Abgesehen von diesem Prestigebau, der hauptsächlich vom Fernverkehr genutzt wird, deutet nämlich wenig darauf hin, dass die Grenze im äußersten Südwesten Europas leichter passierbar wird. Auch die Fähre, die den lokalen Grenzverkehr zwischen Ayamonte und Vila Real de Santo Antonio betreibt und auf der Spanier und Portugiesen wechselseitig in die Nachbarstadt kommen, um das eine oder andere billiger einzukaufen als im eigenen Land, widerspricht dem Bild vom modernen, zusammenwachsenden Europa: Sie ist alt, langsam und macht einen Höllenlärm. Es scheint, als hätten die Portugiesen sie vor vierzig Jahren nach Angola verfrachtet und nach Einweihung der Brücke, als die großen Fähren überflüssig wurden, von dort zurückgekauft.

Von Spanien nach Portugal: Fähranleger in Ayamonte
Weiter im Landesinneren sind Portugal und Spanien, obwohl seit fast zwei Jahrzehnten Partner in der Europäischen Union, immer noch getrennt wie keine zwei anderen Länder in der Gemeinschaft. Der Grenzfluss Guadiana ist nicht nur eine schwer überwindliche Barriere, auch intern haben sich die beiden Länder von ihm abgewandt. Seine Ufer sind fast nirgends erschlossen, es gibt weder Straße noch Eisenbahnlinie, die am Fluss entlang führen.
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