Hinter den restaurierten Fassaden
der
"Historischen Dörfer" wie Piódão ist noch Leben
Vom Versuch, die Landflucht in Portugal zu bremsen
Text und Fotos: Beate Schümann
Kaum haben wir den schmalen, dicht bevölkerten Küstenstreifen jenseits der alten Universitätsstadt Coimbra hinter uns gelassen, tauchen wir ins portugiesische Hinterland ab, die Beiras, wie die gebirgigen Provinzen heißen. Beira bedeutet "Rand". Schon der Name verweist auf ihre abgeschiedene Lage und trifft die Verhältnisse genau. Die Leute hier sagen, dass weder Christus noch die Nelkenrevolution noch der Fortschritt den Weg zu ihnen fanden.

Idanha-a-Velha
Der Wald der Serra da Lousã wird dichter, urwüchsiger, die Straßen kurviger, steiler. Je weiter wir gen Osten steuern, desto gottverlassener, weltabgewandter erscheint uns die Gegend. Immer seltener kommen uns Fahrzeuge entgegen. Der löchrige Asphalt erinnert an die Oberfläche eines fremden Planeten. Geld scheint hier nirgendwo auf der Straße zu liegen. Statt dessen Berglandschaften aus uraltem Gestein, Flusstäler, die sich zwischen Schiefer und Granit gegraben haben, abenteuerliche Moränengebilde, Eichen- und Kiefernwälder, die noch nicht von Eukalyptus-Monokulturen verdrängt worden sind. Wir fahren von Tal zu Tal, und kein Haus, kein Stall zeugt von menschlichem Leben. Geisterhaft liegt eine Siedlung im Grünen. Fenster und Türen sind vernagelt, die Dachziegel eingestürzt, die Mauern verfallen - der Wind hat freie Bahn. Trauerdeponien der Gegenwart. Der Mensch hat der Natur das Feld überlassen, das Hinterland entleert sich.

Burgruine bei Monsanto
Hinter einer Serpentine wird von weitem Piódão sichtbar, eines der schönsten und ältesten Bergdörfer Portugals. Dicht an dicht gedrängt, stehen die schwarzen Häuser wie Schafe bei Gewitter. Zu zweistöckigen Mauern sind die dunklen Platten aufgetürmt, die die Bergbewohner vor Generationen aus dem Schiefer der Serra de Açor geschlagen haben. Die Dächer sind spitz, Sprossenfenster und Türen in frischem Weiß oder Kornblumenblau lackiert. Eine in dieser gebirgigen Gegend eigenartig bürgerlich wirkende Architektur. Mit dem Berg Montes Hermínios gehen die Natursteinhäuser eine heilige Allianz ein, schmiegen sich an seinen steilen, terrassierten Hang und gruppieren sich harmonisch um den kleinen Marktplatz wie ein Amphitheater. Der Anblick verschlägt einem den Atem.

Blick auf Piódão
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