
Die Küste der mutigen Seefahrer
Die westliche Algarve hat viel
von
ihrer Ursprünglichkeit bewahrt
Text und Fotos: Volker Mehnert
Es gilt, ein Vorurteil auszuräumen: Mit der Algarve verbindet sich häufig das Bild von Pauschaltourismus und Bettenburgen. Das mag in einigen Bereichen zutreffen. Doch im westlichen Teil hat Europas schönste Küste bislang noch ihr Gesicht bewahrt: Hier mietet man sich ein in komfortablen Landhäusern oder preiswerten Apartments, und deutsche und niederländische Rucksackreisende schlendern ebenso wie britische Golfspieler durch die hübschen Hafenstädtchen. Und es gibt tatsächlich noch einsame Strände.

Steilküste an der westlichen Algarve
Nur wenig erinnert heute daran, dass an der Algarve eines der aufregendsten Kapitel der Seefahrtsgeschichte begann. Vom Fortaleza de Sagres aus, auf den Klippen der westlichen Algarve, leitete Heinrich der Seefahrer das Zeitalter der Entdeckungen ein. Hier begannen Portugals Aufstieg zur Weltmacht, das Kolonialzeitalter und Europas Jahrhunderte lange Beherrschung der Meere. Doch Sagres scheint seine welthistorische Bedeutung völlig vergessen zu haben, der kleine Hafen döst heute in einer charmanten Trägheit vor sich hin: ein beschaulicher Ort mit einer Art handgestricktem Fremdenverkehr, bei dem Pensionen, kleine Hotels und rustikale Hafenkneipen das Urlaubsbild bestimmen. Nur die geheimnisvolle „rosa dos ventos“, ein Steinkreis mit dreiundvierzig Metern Durchmesser und vierzig unregelmäßigen Feldern, weist noch auf die große Vergangenheit hin. Die ursprüngliche Funktion dieser „Windrose“, erst vor achtzig Jahren unter der Grasnarbe wiederentdeckt, ist unklar, doch soll sie in Zusammenhang mit den nautischen Experimenten gestanden haben, die auf den Klippen von Sagres stattfanden.
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