Wir wollten uns der Blechlawine, die sich durch die Halbinsel quält, nicht anschließen. Lieber von Sopot aus mit dem Schiff fahren und Räder mitnehmen. Ganz einfach und kein Problem, sollte man meinen. Die Dame an der Rezeption des Pensjonats in Sopot sieht das mit den Rädern anders und meint hysterisch: „Mit dem Ruweru nach Hel? Wenn man sie nicht ständig im Auge behält, dann Zapp Zarapp!“ und schnippt mit den Fingern. Wir haben die Warnung vor Diebstahl in den Wind geschlagen, uns mit fünf Nonnen und vielen Urlaubern an Bord begeben, und den Tagesausflug nach Hel unbeschadet überstanden. Sopot an der Danziger Bucht erhielt 1823 die erste Badeanstalt und stieg noch vor Travemünde zum mondänsten aller Seebäder auf. Sopot wirkt leicht abgetakelt, aber Flair hat es immer noch. Den Jugendstilvillen sieht man an, dass sie schon mal bessere Zeiten gesehen haben. Vom Ende der Seebrücke, mit 516 Metern die längste Europas, fahren Schiffe ab nach Hel, Gdynia und Danzig. Auch zur Westerplatte, wo am 1. September 1939 die ersten Schüsse des Zweiten Weltkrieges fielen.
Mit großem finanziellen Aufwand wird das Seebad aufpoliert, um möglichst wieder an die große Vergangenheit anzuknüpfen. Doch bis dahin ist noch ein weiter Weg. Der lange feine Sandstrand ist voller Urlauber. Zwar ist die Danziger Bucht keine reine Kloake mehr, trotzdem kann von Badewasser nicht die Rede sein. Baden sollte man wirklich woanders. Zum Beispiel dreißig Kilometer weiter westlich, in der Kaschubischen Schweiz. Die Seen dort haben Trinkwasserqualität.
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