Polen - Kamubei

 Kaschubei - Bilder wie anno dazumal

Text und Fotos: Elke Sturmhoebel

Vor der Reise noch mal in der „Blechtrommel“ zu schmökern, war eine gute Idee. Denn nun erkennen wir die Alte in Mydlita gleich wieder. Sie muss eine alte Bekannte von Anna Bronski sein, der kaschubischen Großmutter des Blechtrommlers Oskar Matzerath, der im Roman von Günther Grass nicht erwachsen werden wollte. Das Mütterchen, die auf dem Hof die Truthähne füttert, trägt zwar keine vier Röcke übereinander, dafür eine verschlissene viel zu weite Männerhose, die mit einer Schnur zusammengehalten wird. Unter dem Kopftuch schaut ein liebes faltiges Gesicht heraus. Sie winkt, lädt uns zu einer Tasse Kaffee ein und stellt uns ihren Bruder vor. Er spricht etwas Deutsch. So viel Herzlichkeit haben wir nicht erwartet in der Kaschubei.

Polen / Kaschubei - Dorf am See

Mydlita ist ein Dorf mitten in der Kaschubischen Seenplatte in Ostpommern. Mydlita hieß auch schon mal Buchwalde und gehörte zu Westpreußen. Die beiden alten Leute sind Kaschuben, gehören einer Minderheit in Polen an. Die Sprache dieser kleinen Volksgruppe ist dem Polnischen verwandt, birgt aber auch deutsche Elemente in sich. Immer waren die Kaschuben gezwungen, die Sprache der jeweiligen Machthaber zu sprechen. Immer wurden sie vereinnahmt von der Seite, die gerade am Zuge war. Die kaschubische Großmutter des Blechtrommlers bringt es auf den Punkt: „So isses nu mal mit de Kaschuben...Die missen immer dablaiben und Koppchen hinhalten, damit de anderen drauftäppern können, weil unserains nich richtich polnisch is und nich richtich deitsch jenug, und wenn man Kaschub is, das raicht weder de Deitschen noch de Polacken. De wollen es immer jenau haben!“

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