Die Euphorie dieser ersten Nachkriegsjahre in Polen, diese Art von Pioniergeist der neu in dieehemals deutschen Gebiete strömenden Menschen, dieser unbändige Wille zum Neuanfang und zum Wiederaufbau machte die Leistung des tatsächlichen Aufbaus dann möglich.
Staat, Partei und Volk waren sich einig über das was geschehen sollte. So wurde das neue Danzig auch nie als Museum der Städtebaukunst geplant. Hinter den historischen Fassaden sollte das Proletariat wohnen und so geschah es auch. Auch heute noch leben "kleine Leute" im Zentrum dieser Stadt, wenn auch im Zeitalter der Marktwirtschaft die Verdrängung der weniger kapitalkräftigen Bewohner längst eingesetzt hat. Ein alter Vorwurf stimmt allerdings: es gibt in der Altstadt zu viele Wohnungen von Menschen, die hier nicht arbeiten und zu wenig Geschäfte sowie Dienstleistungseinrichtungen für die Bewohner. Arbeiten und Einkaufen tun die hier lebenden Menschen woanders.
Der Prozess des Umlernens in der Geschichte nach der politischen Wende fiel den heutigen Danzigern nicht weniger schwer als anderen Polen. Mittlerweile ist der Schock der Erkenntnis überwunden, dass etliche der wiedergewonnenenGebiete wie Ostpreußen und auch Danzig tatsächlich deutsch waren. Man setzt jetzt auf die EU, hofft, dass dann die Bedeutung der Nationalität zweitrangig wird. Inzwischen geht man jedenfalls lockerer und souveräner mit der deutschen Vergangenheit auch Danzigs um und man kann sich im Stolz um Günter Grass kaum halten - den Danziger, den größten lebenden Sohn der Stadt.
Weltoffenheit hat in Danzig Einzug gehalten in den letzten Jahren, Internationalität ist Alltag geworden, babylonisches Sprachgewirr während der touristischen Hauptsaison normal. Noch vor ein paar Jahren hörte man auch sommers nur zwei dominierende Sprachen in der Stadt, Polnisch und Deutsch, ausländische Touristen kamen hauptsächlich in Gestalt der Heimattouristen vor, von ein paar Skandinaviern auf Duty Free-Tour mal abgesehen.
Spätestens seit der Tausendjahrfeier jedoch hat die Welt Danzig entdeckt, der Tourismus boomt, der Aufbau der Infrastruktur kann damit nur mühsam Schritt halten.
Abgesehen von der unbestreitbaren Schönheit - was die Stadt auch dem nicht aus Danzig stammenden deutschen Touristen so eigentümlich vertraut erscheinen lässt, ist ihre Vergangenheit als Hansestadt, ihre architektonische Verwandtschaft mit westlichen Schwesterstädten. Danzig trat 1295 der Hanse bei, als bereits blühende Handelsstadt, reich durch zugewanderte Kaufleute vor allem aus dem Lübecker Raum. Reich aber auch durch das eigene Handwerk, den Fischfang und das Gold der Ostsee, den Bernstein. Danzigs Reichtum überdauerte sowohl den Niedergang der Hanse als auch den des Deutschen Ordens. Die Danziger pflegten sich taktisch meist klug zu verhalten, 1454 unterstellten sie sich (in den Wirren der Kriege des Preußischen Bundes gegen den Deutschen Orden) der polnischen Krone. Viele Herren hatten begehrlich nach dem reichen Danzig geschielt. Erwählt wurde das Werben der Polen, die das Privileg einer "Freien Stadt" garantierten. Ein goldenes Zeitalter brach für Danzig an, das zur mächtigsten Stadt und zum bedeutendsten Kulturzentrum im östlichen Ostseeraum wurde und Berühmtheiten aus Kunst, Kultur sowie die besten Baumeister der Zeit magnetisch anzog.
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