POlen - Danzig, Schönheit an der Ostsee

 Text und Fotos: Brigitte Jäger-Dabek

Auferstanden aus Ruinen. Wenn dieser Begriff für irgendeine Stadt gilt, dann für Danzig. Die Hansestadt an der Ostsee ist das Paradebeispiel polnischer Restaurationskunst, der Kunst, mit knappen Mitteln aus fast nichts eine ganze Stadt neu zu erschaffen.
Brigitte Jäger-Dabek beschreibt den Prozess dieser städtischen Emanzipation.

Danzig

Danzig - Stadt am Wasser

Die Historie Danzigs ist nicht arm an Zerstörung und Unbill, so musste auch erst ein Promi - Mord geschehen, damit Danzig überhaupt erwähnt wurde. Das geschah 997, als der vom Polenkönig Boleslaw Chrobry zur Missionierung der Pruzzen herbeigerufene Bischof Adalbert von Prag wohl doch nicht alle Heiden bekehrt hatte und von einem Kriwe, einem pruzzischen Priester erschlagen wurde. Schon zwei Jahre später berichtete der Chronist Johann Canaparius über diesen Vorfall in der "Urbs Gyddanycz" und erwähnte damit den Namen Danzig erstmals.
Gewalt und Leid kamen vor mehr als 60 Jahren nach Danzig zurück. Die Stadt versank fast vollständig in einer Orgie von Feuer und Gewalt im Echo der Geschichte.

Mehr zu Danzig finden Sie übrigens in unserem online-Reiseführer Danzig: Touren durch die Stadt, Sehenswürdigkeiten und praktische Tipps

Danzig heute, strahlend schön, die pure Ästhetik, ein Kleinod der in eigene städtebauliche Künste verliebten Denkmalsschützer? Ein gigantisches Freilichtmuseum? Eine einzige überdimensionale Werbebühne für polnische Restaurationskunst? Nein, auch wenn dieser Vorwurf von Zeit zu Zeit laut wird. Die Kritiker übersehen dabei, wie diese zu 90 Prozent zerstörte Stadt nach dem Krieg wieder aufgebaut wurde und welche Alternativen es gab.
Das alte Danzig war die Stadt des Bürgertums, der reichen deutschen Bourgeoisie gewesen, des erklärten Klassenfeindes Polens also.

Die Stadt lag in Schutt und Asche, die radikale Alternative, ein neues Gdansk an der Ostsee zu bauen und die Trümmer als Mahnmal liegen zu lassen, fand kaum Anhänger. Auch der Mittelweg, die Trümmer einzuebnen und auf den planierten Ruinen eine völlig neue Stadt zu erbauen, traf kaum auf Gegenliebe. Nicht einmal hartgesottene Kommunisten konnten sich mit dem sowjetischen Vorbild Kaliningrad anfreunden. Welch ein Segen!
Es war keinesfalls ein von staatlichen Stellen oktroyierter Gewaltakt, dieser unvorstellbar mühsame Aufbau, ohne Geld, ohne Material, ohne Maschinen, dieses Zusammenklauben auch winzigster Reste aus gigantischen Trümmerbergen, dieses Suchen nach Plänen, Dokumenten, Abbildungen auf angesengten Papieren.

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