Rückkehr der Wisente
Touristen, die in friedlicher Mission ins Biotop kommen,
gerät ein
Wisent auf freier Wildbahn nur mit viel Glück vor die Fotolinse. Die
Wahrscheinlichkeit, ein Wisent - auf polnisch „Zubr“ - in flüssiger
Form vorgesetzt zu bekommen, ist unendlich viel größer. Zubr
heißt auch das Bier und der berühmte Wodka „Zubrowka“,
der mit dem Büffelgras. Nach letzter Zählung streifen 350 dieser
scheuen Riesen durch den Wald. Im Winter werden Futterstellen mit Heu bestückt,
um ihnen das Überleben zu erleichtern. Manchmal scharen sich bis zu
120 Tiere an einer Stelle. Für Wissenschafter ist die Winterfütterung
daher eine Brutstätte für Parasiten, die Infektionskrankheiten
beschleunigt. Viele Wisente sind nicht ausreichend resistent aufgrund
der genetischen Inzucht. Denn der Genpool der heutigen Population basiert
auf
lediglich einem Dutzend Wisenten.
Das Europäische Wisent-Programm des Instituts für Säugetierforschung
will daher bis zum Jahre 2010 die Fortpflanzungsmöglichkeiten der
ostpolnischen Wisente verbessern. Ein ökologischer Korridor zum vierzig
Kilometer entfernten Urwald von Knyszyn mit seinen rund 45 Tieren soll
geschaffen werden. Die 250 Wisente im weißrussischen Teil des Bialowieza-Urwaldes – ebenfalls
auf der Unesco-Liste - lägen eigentlich näher. Ein schier unüberwindbarer
Zaun an der Außengrenze der EU trennt jedoch die Populationen voneinander.

Ein alter Ziehbrunnen im Abendlicht
Am Abend geht es auf Pirsch. Der Sohn eines Försters ist in die Pension gekommen. Er hat eine Wisentherde gesichtet! Voller Spannung radeln wir in der Dämmerung hinter ihm her. Als die Lichtung mit den vermeintlichen Wisenten erreicht ist, ist der Mond bereits aufgegangen und am Himmel zeigen sich Sterne. Doch die Riesen der Wälder sind fort. Der Ausflug hat sich trotzdem gelohnt. Auf der großen Wiese findet nämlich gerade eine Hetzjagd statt. Ein großer grauer Wolf ist einem Hasen auf den Fersen. Am Waldrand steht sein Kumpan und verfolgt das Geschehen. Als der jagende Wolf die Menschen wittert, hält er inne, geht ein paar Schritte auf sie zu, setzt sich und starrt reglos zu ihnen hinüber. Seine Augen glühen im Mondlicht. Dann trollt er sich und verschwindet im Dickicht des Waldes.
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