Reisemagazin schwarzaufweiss


Reiseführer Paris

Musée d'Orsay

Das Musée d'Orsay (Foto: Pixabay)

Im Nachkriegsfrankreich legen Frankreichs Präsidenten Wert darauf, mit einem Museumsneubau ein Vermächtnis zu hinterlassen: Georges Pompidou schuf das staatliche Museum für Moderne, Mitterand den „Grand Louvre“ – und Giscard d’Estaing das Musée d’Orsay. Es residiert gegenüber des Jardin des Tuileries  in einem Belle-Époque-Bau, der 1900 für die Weltausstellung am südlichen Seine-Ufer von Victor Laloux mit einer kühnen Glasdachkonstruktion errichtet wurde. Drei monumentale Statue verrieten, welches die Hauptziele waren, die von dort von der   Compagnie d’Orléans angefahren wurden: Orléans, Bordeaux und Nantes. Das westliche Ende des Gebäudes barg ein Hotel mit 370 Zimmern. Um die prunkvolle Kassettendecke nicht zu beschädigen, durften nur Züge mit Elektroantrieb die Bahnhof nutzen – vom Bahnhof Paris-Austerlitz, wo die Dampfzüge endeten, ging es mit Triebwagen weiter zum Gare d’Orsay. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof für viele zurückkehrende Kriegsgefangene der Ort der Heimkehr. Danach fiel der Bahnhof in den Dornröschenschlaf, lediglich ein Vorortverkehr wurde an einigen Gleisen bis in die 1950er Jahre aufrecht erhalten. Der leerstehende Bahnhof indes wurde als eine beliebte Kulisse für Filmemacher entdeckt. Bereits in den frühen 1960er Jahren drehte Orson Welles seine Kafka-Verfilmung „Der Prozess“ im Gare d’Orsay; 1972 macht es das Ensemble Renaud-Barrault als Théâtre d'Orsay zur Bühne.

1973 unter Denkmalschutz gestellt, wurde ein Architekten- und Museologenwettbewerb ausgeschrieben, bei dem sich die Entwürfe des Büros „ACT Architecture“ unter der Leitung der Architekten Renaud Bardon, Pierre Colboc und Jean-Paul Philippon durchsetzten und ein Museum schufen, das vom Publikum geliebt wird: Mehr als drei Millionen Menschen bewundern jährlich die Dauerausstellung zur Kunst des 19. Jahrhunderts, das die Sammlungen des Louvre von 1848 (Beginn der Zweiten Republik) bis 1914 (Beginn des 1. Weltkriegs) fortführt. Berühmt ist das Musée d’Orsay vor allem für seine Sammlung zum französischen Impressionismus, die weltweit einzigartig ist. Manet, Monet, Renoir und Zeitgenossen wie Turner und Whistler illustrieren auf immer neue Weise die Leichtigkeit dieses Stils, der mit Lichtreflexen und der Flüchtigkeit des Augenblicks spielt. Weitere Wegbereiter der Moderne, die im Musée d’Orsay einen Ehrenplatz haben, sind Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Auguste Rodin. Neben ihren Gemälden sind in der riesigen Halle und der ersten Etage auch Skulpturen, Fotografien, Grafiken und Möbel zu sehen.

Info: www.musee-orsay.fr, Di. – So.  9.30 – 18.00 Uhr, Do. bis 21.45 Uhr


Das könnte Sie auch interessieren

.