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Panama Dorfbevölkerung
Die Emberá in ihrem Dorf

Eines ihrer Pionier-Dörfer am Río Chagres heißt Emberá Drua. 1975 von drei Emberá-Familien gegründet, nannten sie es anfangs schlicht 2-60, weil es in der Nähe der meteorologischen Station 2-60 lag, die der Kanal-Kommission gehört. Doch 21 Jahre später hatten die Indios endlich genug von dieser unpersönlichen Bezeichnung. Ihr Dorf war deutlich gewachsen, ihm gebührte ein richtiger Name, und zwar einer, der das neu entstandene Selbstbewusstsein dokumentieren würde: Platz der Emberá.

Balsam für die Seele der Indios

Zu diesem Dorf sind wir im Einbaum von El Corotu aus unterwegs. Etwa eine Stunde soll die Fahrt dauern, immer stromaufwärts. Die ersten Stromschnellen sind noch recht harmlos. Doch der Chagres hat Niedrigwasser. Nach jeder Kurve wird das Navigieren schwieriger und immer öfter läuft das Boot auf Grund. Zwei Männer aus der dreiköpfigen Steuercrew steigen aus, stehen bis zur Hüfte im reißenden Wasser und versuchen, den etwa zehn Meter langen Einbaum Millimeter für Millimeter vorwärts zu hieven. Mehrmals droht das Boot zu kippen, als es von einer Querströmung erfasst wird - doch im letzten Moment gewinnt es wieder an Stabilität. Unser Anerbieten, ihnen helfen zu wollen, lehnen sie lächelnd ab, denn die Indios wissen natürlich, was sie tun. Schließlich fahren sie diese Strecke nicht zum ersten Mal. Nun noch eine Kurve - und das Kanu legt an einer Böschung am linken Flussufer an.

Panama Einbaum
Ankunft bei den Emberá

Für die Dorfbevölkerung sind die Ankömmlinge keine Sensation. Sie sind an Touristen gewöhnt - in der Hochsaison sogar mehrmals pro Woche. Natürlich bestreitet ihr Dorfsprecher den Verdacht, dass eine Beschädigung ihrer Kultur der Preis für diese Darbietungen sei. Schließlich hätten die Dorfbewohner nach ihrer Flucht aus dem Darien-Gebiet, wo Frauen und Kinder nicht mehr in Sicherheit waren, sich bewusst dafür entschieden, weiter abseits der Zivilisation im Dschungel zu leben - statt ihre traditionelle Lebensweise aufzugeben und sich in Panama City mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser zu halten. Das Interesse der Europäer und Amerikaner an ihrer Kultur ist Balsam für die Seele der Indios. Denn in Panama werden sie als underdogs behandelt. Selbst andere Indianergruppen, etwa die weit stärker assimilierten Kunas, deren Kinder häufig Hochschulen besuchen, sehen in ihnen einfach nur die zurückgebliebenen Wilden aus dem Wald.

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