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Wow! Palau - Nonplusultra in der Südsee

Das Gluckern der Wellen wird vom rasenmäherartigen Geräusch eines Motor übertönt. Ein Fischer fährt seine bescheidene Holzwanne in Richtung der an der Kimm sichtbaren Holzpfähle, die durch Netze und die Gezeiten eine prächtige Fischfalle bilden. Wir lächeln ihn an. Er grinst und tuckert längsseits. In der Südsee wird viel gelacht. Unsere Zeichensprache ist eingespielt, der einfache Mann kann kein Englisch, was auf den Inseln selten ist. "Alii" sagt er, das heißt "Willkommen", und nickt zustimmend. Wir zurren die Boote Bug an Bug fest und wechseln über. Mit übergeschlagenen Füßen lassen wir uns den Fahrtwind um die Nasen wehen. Mit Hilfe unserer provisorischen Seekarte und einer Menge Gestik erklären wir unsere Reiseroute: "Koror, Ngermeaus, Mecherchar, Omekang, Ngercheu, Pelileu." Er kapiert, nickt respektvoll und nimmt die internationale Währung, eine Zigarette, mit einem "Thanks" entgegen. Der Fischer drosselt den schwachen Motor bei den Stangen im Wasser, an denen die Netze verankert sind. Hier ist sein Arbeitsplatz. Ingrid bedankt sich artig. Der Weg zum Verständnis des Landes und seiner Menschen ist schmal und heikel. Eines jedoch hilft immer und überall: Freundlichkeit und ein Lächeln. Wir klettern ins Kajak, winken und lassen uns mit der Flut zur nächsten Küste ziehen. Der "Anhalter" hat geklappt.
Ein Flugzeugwrack schimmert im klaren Wasser. 1783 lief das Schiff Antelope auf seinem Weg nach China auf Grund, und aus diesem purem Zufall entdeckte Captain Henry Wilson die Inseln. Wer weiß schon, dass Palau von 1899 bis 1914 unter deutscher Kolonialherrschaft stand? Die Inseln wurden vom Kaiser an Japan verkauft. Im 2. Weltkrieg dröhnten Kampfflieger über die Rock Islands. Die blutigste aller Pazifikschlachten wurde hier mit den Amerikanern ausgetragen. Die Amis konnten sie 1944 für sich entscheiden. Zwischen den Relikten des Kriegswahnsinns tummeln sich bunte Fische, und Kanonen rosten im Urwald. Wracks und Geschütze sind auf den Inseln allgegenwärtig. Die historischen Zeugnisse haben oft ihr eigenes Ökosystem entwickelt.

Wir dösen in der Mittagshitze und genießen wieder einmal eine - unsere! - einsame Insel. Ein Strand wie aus dem Bilderbuch, mit Sand allerfeinster Sorte, einer schützenden Grotte gegen die tropischen Schauer, himmelhohen Felswänden und einem Dschungel, in dem unzählige Vögel lärmen. Die gleichmäßigen, geschlängelten Riefen im feinen Höhlensand habe ich Ingrid verschwiegen. Was sollte uns eine zweifingerdicke Schlange auch antun? Das Reptil hatte sicher mehr Angst vor uns, als wir vor ihr, obwohl auf den Palau-Inseln auch eine der giftigsten Spezies des Globus vorkommen soll.

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