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Oman im Überblick

Die Heimat des legendären Seefahrers Sindbad und des wohlriechenden, kostbaren Weihrauchharzes ist ein Land voll faszinierender Gegensätze. Hier entfaltet sich die märchenhafte Pracht des Orients, wird ein reiches kulturelles und historisches Erbe gepflegt und zugleich behutsam das Tor in die Neuzeit geöffnet, um modernen Entwicklungen Raum zu geben, ohne als Preis dafür herkömmliche Lebensformen zu opfern.

Jeden Morgen verkaufen die Fischer ihren Fang
am Markt von Matrah

Jeden Morgen verkaufen die Fischer ihren Fang
am Markt von Matrah
Foto: © Georg Popp

Es sind die Kontraste, die den Besucher fesseln: die luxuriösen Glitzerpaläste, eine fortschrittliche Infrastruktur, die moderne Businesswelt auf der einen Seite und daneben das andere, das orientalische Element wie das bunte Völkergemisch aus arabischen Omanis, schwarzen Sansibaris, Belutschen, Pakistanis und Indern, die Beduinen mit ihren Kamelen, traditionelle Lehmarchitektur alter Burgen und die von Waren überquellenden Suqs, Oryx-Antilopen in den Weiten der Geröllwüste und die unverwüstlichen Dhaus in den küstennahen Gewässern. Oman ist Wüstenstaat und Gebirgsland zugleich. Steinige Einöde aus Schotter und Kies und zu Dünen aufgetürmte Sandwüsten halten weite Landesteile unerbittlich in ihrem Griff. Andernorts beherrschen bizarre Bergmassive mit engen Wadis und saftig-grünen Oasen das Landschaftsbild. Und jenseits dieser wilden Felsregion begleiten endlose Sandstrände das Arabische Meer und den Golf von Oman.

Wer aus Europa in das Sultanat reist, wird am internationalen Flughafen von Sib nahe der Hauptstadt Masqat (Muskat) omanischen Boden betreten – inmitten der „Capital Area“, einem Ballungsraum, der sich mehr als 50 km an der Küste entlang zieht. Die einst geheimnisumwitterte, von schroffen Bergen abgeschirmte kleine Hafenstadt Masqat, Schauplatz einer großen Vergangenheit, erlebte in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die Umwandlung in eine repräsentative Regierungs- und Palaststadt mit Parkplätzen und Grünanlagen, wobei der gesamte Suq ebenso verschwand wie viele alte innerstädtische Wohn- und Lagerquartiere. Doch einige eindrucksvolle Bauten blieben erhalten. Sie stammen aus der Zeit der rund 150 Jahre andauernden Herrschaft der Portugiesen im 16. und 17. Jahrhundert, als die Fremden von der Iberischen Halbinsel Stützpunkte an der omanischen Küste errichteten, um die Kontrolle über den lukrativen Seeweg nach Indien an sich zu reißen. Zu den Relikten aus jener Zeit zählen die pittoresken (leider nicht zugänglichen) Forts Mirani und Jalali an beiden Seiten der Hafeneinfahrt, einige Wachttürme auf landseitigen Berggipfeln, die Stadtmauer mit ihren Toren und Wehrtürmen. Auch einige wenige „Baits“, herrschaftliche arabische Handels- und Wohnhäuser vom Ende des 18. Jahrhunderts, überlebten und können besichtigt werden. Natürlich nicht zu besichtigen, aber ausgiebig von nah und fern zu bestaunen ist der von einem indischen Architekten vor einigen Jahrzehnten entworfene farbenprächtige Sultanspalast Al Alam.

Wer das orientalische Treiben vermißt, wird im benachbarten Matrah entschädigt, wo es nicht nur den turbulenten Fisch- und Gemüsemarkt und sehenswerte Hausfassaden am Hafenrund gibt – größtes Kapital der kleinen Stadt am Meer ist sein Suq, wohl der wichtigste des Sultanats und entsprechend üppig ist sein Angebot. Hier entfalten sich die so oft erwähnten „Düfte des Orients“, gibt es kostbaren Schmuck, edle Stoffe, Haushaltswaren, Plastikkram und Tand und nirgendwo sonst im Oman kann man so sicher sein, alles, was das Herz begehrt, unter einem Dach zu finden.

Nach anstrengender Besichtigungstour verspricht der schöne Strand von Bandar Djissah, nur wenige Kilometer südöstlich der Metropole, Erholung und Erfrischung. Weiter draußen, vielleicht 10 km vor der Küste, warten auf Sporttaucher und Naturfreunde die Daymaniyat-Inseln, neun unbewohnte Eilande, ein Schutzgebiet für Seevögel mit einer großartigen Unterwasserwelt.

Batumi, Georgien

Sanft legen sich die Dünen der Wahiba Wüste
über die Ausläufer des Hadjar Gebirges
Foto: © Georg Popp

An der Straße von Hormuz

In eine ganz andere Welt, eine spektakuläre Fjordlandschaft an der Nordspitze der Arabischen Halbinsel, entführt uns die kleine Maschine der Oman Air. Hier oben, an der strategisch so bedeutenden Straße von Hormuz, vom Mutterland durch einen Streifen Emirat-Territorium getrennt, liegt die omanische Exklave , eine wild zerklüftete Felsenhalbinsel, kahl und knochentrocken, dünn besiedelt, ein „Geheimtip“ unter Aussteigern. Fischer, Hirten und Schmuggler leben hier und nur wenige Touristen zieht es auf diesen labyrinthischen Felsausläufer zwischen Arabischem Golf und dem Golf von Oman. Dabei gibt es eine Menge zu erleben wie etwa Ausflüge mit dem Geländewagen zum 2087 Meter hohen Djebel Harim, Tauchgänge in eine atemberaubende Unterwasserwelt oder die Besichtigung ca. 2000 Jahre alter Felszeichnungen bei einem Abstecher nach Tawi. Obenan aber stehen Bootsfahrten durch die grandiose Fjordlandschaft, sei es mit dem Speedboat oder an Bord einer traditionellen Dhau.

Durch die Küstenebene

Al Batinah , Omans „grüne Küste“, läßt sich bequem über die Schnellstraße von Masqat erreichen. Während in der südlichen Batinah Dattelpalmen überwiegen, ist ihr nördlicher Teil der Obst- und Gemüsegarten des Landes, der selbst noch für den Export beachtliche Mengen produziert. Dattelpalmen-Plantagen sind schön zu sehen etwa bei der Anfahrt nach Barka, wo sich nahe dem Ufer eine mächtige Festung mit achteckigem Turm erhebt – eines der vielen Lehm-Forts, das die gegen Angriffe schutzlose Batinah-Ebene einst sichern sollte. Landeinwärts geht die Fahrt weiter zur Oase Nakhl am Fuß der Berge, überragt von einer der größten omanischen Festungen, die strategisch günstig auf einem Felsplateau errichtet wurde. Auch Rostaq, wohl die größte Oase am Rande der Ebene, kann mit einem imposanten Fort aufwarten und nicht zu vergessen al-Hazm vom Anfang des 18. Jahrhunderts, eine mit traditionellen Stilelementen versehene Wehr- und Palastanlage. Sohar ist einer der bedeutendsten Orte der Batinah-Ebene, nicht nur weil Sindbad der Seefahrer hier das Licht der Welt erblickt haben soll und die Stadt einst ein reiches Wirtschaftszentrum und Überseehafen war. Auch heute verfügt sie über einen modernen Industriehafen und ist auf dem besten Wege, zum industriellen Zentrum Omans zu werden. An die Wechselfälle der Geschichte erinnert die von Portugiesen im frühen 17. Jahrhundert erbaute Festung. Sie beherbergt ein sehenswertes Museum für Seefahrtsgeschichte.

Ins Gebirge und zur alten Hauptstadt Nizwa

Die Verkehrsverbindungen durch die Dakhiliya-Region, Omans traditionelle Kommunikations- und Wirtschaftsschlagader, sind gut. So können wir dem Verlauf des Wadi Samail folgend, rasch das Westliche Hajar-Gebirge durchqueren und uns der Oasenstadt Nizwa nähern, dem wirtschaftlichen und funktionalen Zentrum Inner-Omans mit mehr als 70.000 Einwohnern. Im 8. bis 12. Jahrhundert Hauptstadt des Landes, fungierte Nizwa im 17. – 19. Jahrh. als Sitz der ibaditischen Imame und bildete damals das geistliche und weltliche Herrschaftszentrum. Die Stadt blieb bis fast in die Gegenwart Gegenspielerin des eher weltlich ausgerichteten Masqat. Den Mittelpunkt seiner renovierten Altstadt nimmt das Fort mit dem mächtigen zentralen Rundturm (40 m Durchmesser, 23 m Höhe) ein, errichtet im 17. Jahrh. von dem Bezwinger der Portugiesen, Sultan bin Said. Es ist umgeben von Suqs wie dem Suq Gharbi und dem Suq Sharqi, um nur die Wichtigsten zu nennen. Überragt wird dieses Gebäudeensemble von dem Minarett und der mit blauen und goldfarbenen Kacheln besetzten Zentralkuppel der 1977/78 erbauten Freitagsmoschee, die den Namen des omanischen Herrschers trägt.

Von Nizwa ist es nicht weit zu den wohlerhaltenen Lehmziegelhäusern der Oase Al Hamra und von dort nach Bahla, einer der größten Oasen Omans, die eine 12 km lange und bis zu 5m hohe Mauer umschließt. In Bahla steht die größte Lehmfestung des Landes mit nicht weniger als 15 Toren und 132 kleinen und großen Wehrtürmen. Hisn Tamah, so der Name dieses gigantischen „Lehmgebirges“, zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das benachbarte Fort von Djabrin, eigentlich ein Palast mit festungsartigem Aussehen, entstand gegen 1675. Hier residierte Imam Bilarab, ein Kunstliebhaber und Freund der Wissenschaften. Sein eindrucksvoller Palast zeichnet sich durch schöne Stukkaturen, Holzschnitzereien und Deckenmalereien aus.

Gut, wenn man im Geländewagen unterwegs ist, weil nur Vierradantrieb uns auf einem spektakulären Abstecher durch zerklüftete Gebirgsformationen bis auf 2.000 m Höhe bringen kann. Auf dem Hail ar Ruq-Hochplateau des höchsten omanischen Bergmassivs (Djebel Shams) fällt der Blick nahezu 1.000 m senkrecht in das Wadi Nakhr. Manche nennen es „Grand Canyon Omans“.

Ossetien

Die bedeutendsten der über 800 Festungen Omans
wurden inzwischen renoviert, so wie jene von Nakhl
Foto: © Georg Popp

Durch Wüsten ins Land des Weihrauchs

Unser mehrtägiger Ausflug in den Süden des Landes führt zunächst auf spektakulärer Route durch die Ausläufer des Östlichen Hadjar-Gebirges hinunter an die Küste bei Quriyat, wo eine kleine, Anfang des 16. Jahrh. von Portugiesen erbaute Festung auf Besucher wartet. Der vor uns liegende Küstenstreifen, besonders der südlich von Dibab, bietet traumhafte Strandpartien und Tauchgründe. Die boomende Stadt Sur, einst wichtigster Umschlagplatz für Waren und Sklaven im Ostafrikahandel, ist heute Omans größter Fischereihafen. Ob die hier in traditioneller Weise, nämlich von Hand arbeitenden Schiffswerften auch in Zukunft noch die berühmten Dhaus auf Kiel legen werden, ist eher unwahrscheinlich, denn die Nachfrage nach diesem traditionsreichen Schiffstyp sinkt unaufhörlich.

Wir verlassen nun die Küste und nähern uns dem Abenteuer Sandwüste, einem der Highlights jeder Omanreise. Die Wahiba-Wüste, obwohl „nur“ 15.000 km² groß, gilt unter Wüstenfans als „Modellwüste“, die alles bietet, was eine Sandwüste ausmacht: weitläufige Dünenlandschaften mit bis zu 150 m hohen Längsdünen, die ab und an durch steile Querriegel miteinander verbunden sind, rotfarbigen und weißen Sand, versteinerte Sanddünen aus prähistorischer Zeit, Stille, nächtliche Sternenpracht, angepaßte Vegetation, Beduinenfamilien, die Kamele züchten. Fast ohne Übergang breitet sich die ungleich größere (etwa 40.000 km²) Kieswüste Djiddat al-Harasis, ein Ort absoluter Stille und beklemmender Weite, vor den Besuchern aus. Und selbst in dieser menschenfeindlichen Region leben Wüstennomaden, die mit ihren Ziegen- und Kamelherden von einem kärglichen Weidegrund zum nächsten wandern. In dieser Gerölleinöde begann 1982 ein Renaturierungsprogramm mit den in freier Wildbahn ausgestorbenen Oryx-Antilopen.

Und dann Dhofar, der ganz andere Oman – jedenfalls von Juni bis September, wenn sich Küstenstreifen und Bergland dieser südlichsten und größten Provinz des Sultanats unter Monsuneinfluß in Nebel und Nieselregen hüllen, das Land bei moderaten Temperaturen ergrünt und zum Ziel Tausender hitzegeplagter Bewohner aus den Golfstaaten wird.

Wir befinden uns auf uraltem und viel umkämpftem Kulturland, im Herzen des legendären Weihrauchlands, das die Römer „Arabia felix“ tauften – Glückliches Arabien – aus dem Kamelkarawanen das kostbare, wohlriechende Weihrauchharz an die Küsten des östlichen Mittelmeers transportierten, von wo der begehrte Duftstoff in die Alte Welt gelangte. In , der Hauptstadt Dhofars, wird man allerorten auf seinen Duft stoßen, vorzugsweise natürlich im alten Suq, wo die geheimnisvollen Düfte des Orients die Besucher betören. Die alten Weihrauchbäume am Djebel Samhan und die Karawanenstation Shisr sowie Khor Rori, ein antiker Umschlagplatz für Weihrauch und Myrrhe und Al-Baliid, die mittelalterliche Hafenstadt am Strand von Salalah, stehen auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Salalah mit seinen schönen Stränden und weitläufigen Plantagen, in denen Mangos, Bananen, Papayas gedeihen, ist Ausgangspunkt für Exkursionen ins „Leere Viertel“, die große Arabische Sandwüste Rub al-Khali, in die tief eingeschnittenen Canyons der küstennahen Gebirgszüge oder zu Traumstränden, wie den von Mughsayl.

Eckart Fiene

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