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Als die Holländer nach Kärnten kamen

Der Weissensee ist das Eislauf-Dorado der Alpen

Text und Fotos: Volker Mehnert

Österreich Weissensee Ort

Ein geheimnisvolles Glucksen ist aus dem Untergrund zu hören, manchmal ein Knirschen, und von Zeit zu Zeit ertönt ein mächtiges Dröhnen, als wenn ein alpiner Neptun mit einem riesigen Hammer unter Wasser gegen das Eis schlüge. Beim ersten Mal bekommt man einen handfesten Schrecken, geht automatisch ein paar Schritte zur Seite oder bleibt verängstigt stehen. Doch weil alle anderen Menschen auf dieser großen Eisfläche keinerlei Reaktion zeigen, beruhigt man sich ebenfalls, schrickt beim nächsten Mal nur kurz zusammen und hat sich nach einer halben Stunde an das unheimliche Getöse gewöhnt. Der sechs Quadratkilometer große Weißensee ist im Winter zwar vollständig zugefroren, doch das Eis ist ständig in Bewegung. Es dehnt sich aus, verschiebt sich auf dem Wasser, wird durch die Schneedecke nach unten gedrückt. Das macht Lärm, beeinträchtigt aber die Stabilität der Eisfläche nicht.

„An Kathrein geht der See zu“, heißt eine alte Bauernregel, und trotz globaler Klimaerwärmung hat sich bislang nichts daran geändert, daß um den 25. November herum der Weißensee tatsächlich anfängt zu gefrieren. Während andere Kärntner Seen höchstens einmal im Jahrzehnt eine geschlossene Eisdecke bilden, bekommt der 930 Meter hoch gelegene Weißensee jedes Jahr eine feste Eisfläche. Schon Mitte Dezember ist sie im westlichen Teil tragfähig, und spätestens Mitte Januar ist der gesamte See zugefroren. Dann wird er zu einer beliebten und in den Alpen einmaligen Wintersportarena: Wanderer, Jogger und Nordic Walker sind unterwegs, und sogar Radfahrer probieren ihre Mountainbikes auf der rutschigen Oberfläche aus. Liegt Schnee auf dem Eis, spuren sich auch Langläufer ihre Loipen. Wer sich nicht sportlich betätigt, geht einfach spazieren: Mütter schieben ihre Jüngsten im Kinderwagen übers Eis, ältere Herrschaften führen ihre Hunde aus, jeder Urlauber schnappt auf seine Weise kalte Luft.

Österreich Weissensee Karnische Bergwelt

Die winterlichen Hauptdarsteller freilich sind die Schlittschuhläufer. Mit gleichmäßigen, eleganten Bewegungen gleiten sie einzeln, in kleinen Gruppen oder großen Pulks zwischen den Ufern hin und her. Zu Hunderten, manchmal zu Tausenden tummeln sie sich auf der größten präparierten Natureisfläche der Welt. Je nach Wetter- und Eisverhältnissen werden auf dem Weißensee bis zu fünfundzwanzig Kilometer Eisbahnen gefegt und glattgehobelt. Es ist ein famoses Eislaufen auf den langen Geraden und weitgeschwungenen Kurven inmitten der verschneiten Karnischen Bergwelt. Bei Schwarzeis, wenn der See ohne Schneefall zugefroren ist, bietet er ein zusätzliches Spektakel: Die Sichttiefe beträgt dann zehn Meter, und man erkennt auf dem Seeboden liegende Baumstämme und kann die Fische beim Schwimmen beobachten.

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