Kaum bin ich frisch gestärkt, ruft die Rennbahn. Pünktlich um 14 Uhr starten wochenends die Trabrennen in der Krieau, und das mehr oder weniger seit 1878.

Trabrennen in der Krieau
Eine
illustre Gesellschaft findet sich regelmäßig hier ein. Elegante Paare,
Pferdebesitzer und Trainer, Yuppies und natürlich die Wettkönige bevölkern
den Rennplatz. Letztere haben das Wort: Lautstark diskutieren sie über
Pferde, Jockeys und Quoten. Bis zum letzten Moment warten sie um die
Wette abzugeben. Schon beim Aufwärmen fasziniert die Kraft, die in den
Muskeln der vorüberschießenden Pferde liegt. Der sekundenlange Schwebezustand
im Trab, die geblähten Nüstern, die kraftvollen Bewegungen sind von
seltener Ästhetik.
Den Wettenden kommt es da weniger auf Schönheit, als
vielmehr auf die Plazierung an. Zehn mal und öfter an einem Renntag
haben sie die Chance auf das große Geld. Um ganze zehn Schilling ist
man dabei. Auch ich wage den Einsatz und bin für kurze Zeit Teil der
knisternden Atmosphäre die beim Start über der Luft liegt. Die Daumen
werden gehalten und wenn das nichts nützt werden die Pferde in der Zielgerade
angefeuert. Kaum passieren die Pferde das Ziel, ist es, als ob man einem
Reifen die Luft raus läßt: Alles zerstreut sich, die Verlierer (so wie
ich) lassen enttäuscht die Wettscheine fallen, die Gewinner kassieren
und alle wenden sich dem nächsten Rennen zu.
Mittlerweile ziemlich k.o. erklimme ich noch einmal mein Rad. Diesmal ist es nur ein kurzes Stück zum Wurstelprater. Dort lasse ich es stehen um die letzte Etappe meiner Praterrundreise zu Fuß in Angriff zu nehmen. Die Wurstel- oder Kasperltheater, die diesem Teil ihren Namen gaben, sind mehr oder weniger verschwunden. Wie auch die Einrichtungen zum Federball Spielen und Kegeln sowie die meisten Hutschen und Ringelspiele.

Nur mehr vereinzelte Nostalgika haben zwischen den modernen Wunderstücken der Technik überlebt, sogar mein heißgeliebtes Karussell aus Kindertagen mußte Tagata, Imperator und Traumboot weichen. Geblieben hingegen sind Zuckerwatte- und Kukuruz (Mais)-Buden, die aus dem Prater nicht wegzudenken sind.
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