Die geordnete Welt der symmetrischen Hauptallee ist zu Ende. Auf verschlungenen Wegen geht es hinein in ursprünglichen Auwald, seit 1979 ist der untere Teil des Praters Landschaftsschutzgebiet. Nun bin ich ganz alleine (abgesehen von Myriaden von Gelsen), es ist zu unwegsam für Jogger und Traber und auch ich muß absteigen und schieben. Das letzte Hochwasser hat seine Spuren hinterlassen und so wate ich zweimal durch knöcheltiefes Wasser. Viel zu schnell ist die üppige Vegetation zu Ende und in der baumlosen, staubigen Seitenhafenstraße ist kein Vogelgesang mehr zu hören. Jetzt ist es nur mehr ein Katzensprung, vorbei am leeren Freudenauer Hafen, hinunter zum Praterende. Beschauliche Fischerhäuschen säumen den Weg. Dort wo der Donaukanal in die Donau einfließt verabschiedet sich der Prater in einem Spitz.

Fischerhäuschen am Donaukanal
Leider hat sich die kühle Morgenluft auch schon vertschüßt und die Sonne heizt kräftig auf. Schnell wieder retour geradelt in die schattigeren Teile. Die Galopprennbahn Freudenau mit ihren Koppeln und Ställen lasse ich links liegen und stehe bald wieder vor dem Lusthaus.
Zeit für einen kleinen Imbiß. Die Wahl fällt schwer. An der mittlerweile stark von Radlern, Inlineskatern, Skateboardfahrern und Fußgängern frequentierten Hauptallee finden sich eine handvoll Gastgärten. Restaurants und Kaffeehäuser locken die Hungrigen und Durstigen.

Und schon wieder Geschichte: Kurze Zeit nach der Öffnung im Jahre 1766 schossen die ersten Ausschanke, Weinstuben und Wirtshäuser aus dem Boden. Damenkapellen und Schrammelquartette unterhielten die Gäste, Varietébühnen und Billardtische sorgten für Abwechslung. Heute sind es bedeutend weniger Lokale und auch die Unterhaltung ist nicht mehr das, was sie einmal war: Die einzige Musik dröhnt aus dem Walk-Man des Mädels vom Nebentisch. Das Essen tut trotzdem gut.
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