DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Ein beliebiger Sommermorgen am Praterstern. Schlaftrunken schiebe ich mein Rad in Richtung Hauptallee, die kühle Morgenluft vertreibt die Müdigkeit allerdings rasch. Die tiefstehende Sonne taucht die gesamte kastaniengesäumte Allee in goldenes Licht, die Jogger (wer sonst ist so früh schon unterwegs?) scheinen einen Heiligenschein zu tragen. Ich schwinge mich auf den Drahtesel und mache mich auf den Weg. Schnurgerade und bretteleben liegen viereinhalb Kilometer Allee vor mir, die Straße ist für den Autoverkehr Gott Sei Dank gesperrt. Rein theoretisch hätte ich hier schon vor rund 450 Jahren fahren können und wahrscheinlich Ferdinand I beim Morgenspaziergang angetroffen.
Zuerst taucht der Konstantinhügel auf, der aus dem Aushub für die Rotunde entstanden ist. Diese wurde für die Weltexpo 1873 als Ausstellungsgebäude gebaut und ist schon 1937 wieder abgebrannt. Den Konstantinhügel gibt es noch, im Winter toben hier die Kinder mit ihren Rodeln. Von Zeit zu Zeit flitzt am weichen Weg zwischen Straße und kiesigem Fußweg ein Pferd vorbei, hinten den Fahrer im Schlepptau: die Traber der nahen Rennbahn beim Morgentraining.

Oesterreich / Wien - Prater 2
Traber auf der Hauptallee des Praters

Die Hauptallee endet am runden Platz in dessen Mitte das Lusthaus aufragt. Es ist gleich alt wie der Prater selbst. Lusthäuser gab es in früheren Zeiten überall und sie haben gar nichts Anrüchiges an sich, sie dienten lediglich "dem Lustgewinn und der Entspannung in Gesellschaft".

Oesterreich / Wien - Prater 10
Lusthaus

Da mußten die Wiener natürlich ein Restaurant daraus machen. Essen und Trinken - die Passion, um nicht zu sagen Obsession, der Österreicher.

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