Der Berg ruft - alle!
Das Ötztal ist im Winter nicht nur für Skifahrer da
Text und Fotos: Nadine Kühn

Alles da, was das Skifahrerherz begehrt: kilometerlange Pisten, Schnee soweit das Auge reicht und schönster Sonnenschein. Nur blöd, wenn man gar nicht Skifahren kann! Doch zum Glück hat das Ötztal nicht nur Skifahrern eine Menge zu bieten.
Hoch oben auf dem Wurmkogel, in 3000 Metern Höhe, wo sonst nur sehr gute Skifahrer die schaukelnde Gondel für eine schwarze Abfahrt verlassen, thront der „Top Mountain Star“, eine Aussichtsplattform mit Panorama-Bar. Dieses architektonische Highlight lässt den Besucher die umliegende Bergwelt mit anderen Augen sehen. Der sternförmige Bau wurde auf einem schmalen Grat, genau auf der geographischen Grenze zwischen Österreich und Italien platziert und zusätzlich mit Stahlseilen gesichert. Schon der Anblick ist überwältigend.
Ein wenig Überwindung kostet das Erklimmen der breiten Gittertreppe schon, durch die hindurch der Besucher auf den mehrere hundert Meter steil abfallenden Fels blickt. Doch es lohnt sich allemal! Auf der Galerie angekommen, öffnet sich ein grenzenlos scheinender Blick auf die umliegenden Bergkämme. Wer den Blick über die Brüstung in die Tiefe wagt, erlebt zudem den Nervenkitzel, gewissermaßen einmal gefahrlos am Abhang zu stehen.
Die Sonne verwandelt die fallenden Schneeflocken in glitzernde Kristalle. Es scheint, als habe Frau Holle selbst zum Tee gebeten. Um dieses Erlebnis für die Gäste noch eindrucksvoller zu gestalten, können die Glasfronten der Bar beiseite geschoben werden. Innen und Außen werden eins. Ein Naturerlebnis, das so schnell keiner vergisst.
Die Stimmung kocht
Wer sich auch ohne Ski sportlich betätigen möchte, der sollte eine Schneeschuhwanderung unternehmen. Dieses Vergnügen für Jung und Alt beginnt bereits beim Anlegen der Schuhe. Mit den breiten, einem Skateboard ähnlichen Dingern soll man laufen können? Breitbeinig staksen die ersten Mutigen los. Quer durch den knirschenden Tiefschnee. „Dies ist die beste Möglichkeit, noch unberührte Natur zu erleben“, erklärt der Guide. Er kennt die unterschiedlichen Tierspuren im Schnee und erklärt, um welches Tier es sich handelt. Mit etwas Glück zeigen sich sogar einige Gämsen auf den Felsvorsprüngen.

Beim Aprés-Ski treffen dann alle - Skifahrer, Nichtskifahrer, Touristen und Einheimische - wieder zusammen. Besonders hoch her geht es donnerstags beim Hüttenabend in der Nederhütte. Sie liegt auf über 2000 Metern. Die Gäste werden mit den umgebauten hauseigenen Pistenfahrzeugen im Tal abgeholt und zur Hütte gebracht. Nachts geht es dann wieder in gleicher Weise hinunter. Nach deftigem Grillraclette oder Fleischfondue wird zur Live-Musik auf den Tischen getanzt. Die Stimmung kocht und erreicht erst weit nach Mitternacht ihren Siedepunkt! Ein Vermerk in der Speisekarte besagt, dass Gäste, die sich spät in der Nacht nicht mehr auf den Beinen halten können, ins Tal begleitet werden. Ein Service, der manche noch ungehemmter feiern lässt.
Das Iglu wärmt
Abenteuerhungrige, die eine außergewöhnliche Nacht erleben möchten, sollten das Igludorf besuchen. Das am Fuße des Rettenbachgletschers auf 2.700 Metern Höhe gelegene Igludorf wurde 2004 erstmals von Klaus Mair nach finnischem Vorbild aufgebaut. Inzwischen bietet das aus mehreren Iglus bestehende „Hotel“ Platz für 48 Personen. Es gibt Iglus für vier und sechs Personen sowie liebevoll gestaltete Pärchensuiten.

Betrachtet man das Schneedorf von weitem, bekommt man den Eindruck, als hätten die Pistenfahrzeuge einen riesigen Schneehügel zusammengeschoben und an Ort und Stelle vergessen. Ein völlig anderes Bild erwartet den Besucher, sobald er durch die kleine, mit Decken verhangene Tür tritt. Der erste Eindruck: es ist warm! Immerhin hat es im Iglu null bis fünf Grad, während draußen eisige minus zwanzig Grad herrschen. Die mit Schaffellen überzogenen Sitzgelegenheiten laden zum Ausruhen ein, es gibt Tee und Glühwein. Kerzen beleuchten das gesamte Igludorf und zaubern auch tagsüber eine geheimnisvolle, stille Atmosphäre. Wenn die Lifte geschlossen werden, die Dämmerung einsetzt und der Lärm verebbt, zeigt sich die eisige Bergwelt in ihrer stillen Schönheit.
Wer möchte, kann vor der Nacht in Eis und Schnee die Sauna und den Whirlpool des Igludorfes nutzen. Ein Luxus, der herkömmlichen Hotels in nichts nachsteht; erweitert jedoch um die Möglichkeit, dabei den klaren Sternenhimmel im alpinen Panorama genießen zu können. Als es Zeit ist schlafen zu gehen, ruft der Anblick der Eisbetten bei so manchem trotz der ausgelegten Schaffelle eine Gänsehaut hervor. Doch Klaus Mair beruhigt: „Bisher hat noch keiner gefroren. Schließlich haben wir Spezialschlafsäcke, ausgelegt bis minus 40 Grad. Und sollte doch jemand frieren, darf er in der Sauna übernachten.“
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