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Der Speck muss weg

Kulinarisches Wandern im österreichischen Mühlviertel

Text und Fotos: Volker Mehnert

Das Mühlviertel ist ein touristischer und kulinarischer Glücksfall: Fast unbeachtet döste das Bergland jahrzehntelang vor sich hin. Im österreichisch-tschechisch-deutschen Dreiländereck war der Gedanke an Tourismus nahezu unbekannt.

Österreich / Mühlviertel / Landschaft

Erst mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat man versucht, sich langsam auf Besucher einzustellen. Und weil man dabei wirklich behutsam vorgeht, blieb ein uriges Stück Österreich erhalten, wo der Wanderer weiterhin einsame Wege findet und dem Genießer eine deftig schmackhafte Kost aufgetischt wird. Und wenn die Wanderer auch noch Genießer sind, dann fühlen sie sich hier besonders wohl.

Am Heidenstein, einem riesigen Granitblock, der schon von den Kelten als Heiligtum verehrt wurde, wird heute ein anderer Kult zelebriert: Die Wirtin des benachbarten „Gasthaus Pils“ in Eibenstein lässt „Stoa-Hendl“ heraufbringen - Backhähnchen nach Omas Rezept, die in eine Kräutermischung eingelegt und mit einer leckeren Paste gefüllt sind. Am Fuße des Steins, der magische Kräfte ausüben soll, endet der Chacra-Wanderweg, der angeblich durch ein besonderes Energiefeld in der Erde verläuft - so jedenfalls behaupten es die Esoteriker und führen zahlreiche Indizien an.

Österreich / Mühlviertel / Heidenstein

Wie dem auch sei, es ist jedenfalls ein schöner und abwechslungsreicher Pfad, meist am Waldrand entlang, mit weitem Blick hinüber ins tschechische Böhmen. Und wer unterwegs nicht in der Lage war, die Energie aus der Erdoberfläche zu ziehen, den wird spätestens die wohlschmeckende Kalorienzufuhr des Stein-Hähnchens beim Mittagessen am Heidenstein zufrieden stellen.

Schaukelweg, Bankerlsteig, Vogelscheuchenweg ...

Das Mühlviertel ist eines der schönsten Wandergebiete in Österreich, nur einen Steinwurf entfernt von Passau - ein touristisches Schmankerl für Wanderer, jenseits des Massentourismus sowieso, aber auch jenseits der viel begangenen alpinen Wanderrouten. Immer wieder hat man Ausblicke auf Feld, Wald, Wiese und kleine Dörfer, denn der südliche Ausläufer des Böhmerwaldes ist kein düsteres Gehölz, sondern eine gewachsene Kulturlandschaft im sanften Mittelgebirge.

Österreich / Mühlviertel / Bergkräuter

Nicht selten läuft man durch duftende Kräuterfelder mit Melisse, Minze, Schafgarbe, Brennnessel und Löwenzahn, in denen chemischer Dünger nichts verloren hat, denn die Kräuterbauern des Mühlviertels haben sich der biologischen Landwirtschaft verschrieben.

Österreich / Mühlviertel / Rosengarten

Und schönere Gärten findet man wohl nirgendwo sonst in Österreich; sogar mitten auf den weitläufigen Feldern gibt es plötzlich kleine Streifen, auf denen die Bauersfrauen Obst, Gemüse und Blumen anbauen.

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