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Skifahren mit Glocknerblick

Gastein in Österreich

Text und Fotos: Dirk Schröder

Flott schweben wir in der Gondel über breite Pisten bis auf 2686 m Höhe zum Kreuzkogel hinauf. Keine Wolke trübt das Spitzenpanorama über die Alpen. Egal wohin wir schauen, ringsherum schneebedeckte Dreitausender, vom Dachstein auf der einen Seite bis zur markanten Pyramidenspitze des Großglockners (3798m) dem höchsten Berg Österreichs auf der anderen Seite.

Österreich - Gastein

In großen Schwüngen geht es die Piste runter bis zur Mittelstation und wieder hinauf. Kein Anstehen, keine Wartezeit bei Kaiserwetter – was könnte es Schöneres geben. Einige Wohnmobilkollegen haben sich auf dem großen Parkplatz an der Talstation schon zur Wagenburg formiert. Wir aber bevorzugen den Campingplatz Bertahof mit heißen Duschen. Er ist ein idealer Stützpunkt, um die Wintersportmöglichkeiten des Gasteinertals zu erkunden. Snowboard, Carving, Rodeln und immer wieder in den Thermen entspannen, so lauten die verschiedensten Wünsche unserer Besatzung an Bord.

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Sportgastein ist das höchste der fünf Skigebiete im Gasteiner Tal. Insgesamt 200 Kilometer präparierte Piste mit Buckel- und Tiefschneeabfahrten, sowie zahlreichen Freerider für Boarder und Carver. Mit 8 km führt die längste Abfahrt von der Schlossalm-Hohe Scharte bis ins Tal. Wem das nicht reicht, der findet in der Umgebung weitere 600 Pistenkilometer. Unter dem Begriff „Ski Amadé“ haben sich die Gebiete Gastein, Dachstein, Hochkönig, Schladming u.a. zum größten Skiverbund Österreichs zusammengeschlossen. Die optimale Höhenlage zwischen 1000 m und 2650 m und großflächige Beschneiungsanlagen gewährleisten Schneesicherheit von Ende November bis Ende April.

Der traditionsreiche Kurort Bad Gastein liegt romantisch an einem vereisten Wasserfall. Einige der historischen Belle-Epoque-Bauten strahlen im neuen Glanz. Vom Zentrum aus bringt uns die Gondel in einem Rutsch bis auf 2246 m zum Stubnerkogel. Der Gipfel ist Ausgangspunkt der Skischaukel, die das Angertal, Schlossalm mit Bad Hofgastein verbindet. Von Insidern bekommen wir für morgen den Geheimtipp: Mit der ersten Standseilbahn und der Schlossalmbahn bis zum Gipfel. Dort bis gegen 11 Uhr die Sonnenhänge genießen und langsam Richtung Stubnerkogel wechseln. So entgeht einem kein einziger Sonnenstrahl.

Der Funpark für die Snowboarder wurde vor einigen Jahren nach einem Unfall abgeschafft, doch bald schon hat unser Sohn Nils einen natürlichen „Jump“ erspäht und ist nach Verlassen der Gondel nicht mehr zu halten. Beim dritten Versuch gelingt dann auch der fotogene Looping rückwärts und er strahlt bei der Landung im weichen Tiefschnee über das ganze Gesicht.

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Zur Mittagspause sausen wir über die Abfahrt »B11« direkt bis zur Stubneralm . Schon lange vor dem Einkehrschwung ist aus den Lautsprechern »Ski fahrn... ein jeder ist glücklich, ein jeder fühlt sich wohl...« zu hören. Der Gastwirt Hans Buchner ist ein richtiges österreichisches Original. Seit über 20 Jahren schon betreibt er mit seinem Team die urige Wirtsstube. Stolz serviert er uns die große Eisenpfanne mit frisch zubereiten Kasnocken und fügt gleich hinzu: „den Kaiserschmarn müsst Ihr unbedingt noch probieren, er ist der Beste weit und breit.“ Die Musikgruppe Alpenlandtrio hat ein eigenes Lied über ihn auf CD gepresst: „Hans der kanns... er ist ein Idol... all die schönen Frauen bleiben stehen und schauen, ja, Hans der kanns...“

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Eine andere Philosophie vertreten Karin Keuschnigg und Oliver Ottenschläger, die Betreiber des modernen Skizentrums Angertal 1180 am Ende der »B11«. Besondere Gastronomie mit passendem Ambiente und entsprechender Musikkulisse ist ihre Devise. „Bei uns gibt es keinen Anton aus Tirol“, sagt der engagierte Österreicher, „das würde ich den ganzen Tag gar nicht aushalten.“ Pommes und Currywurst sind nach wie vor gefragt, doch in speziellen Bereichen wird auch à la carte serviert. Die Idee stammt von Sepp Schellhorn, dessen Restaurant in Salzburg bereits mit einer Kochmütze im Schlemmeratlas Gourmeaut ausgezeichnet wurde. Ein besonderes Angebot des Hauses ist die Kinderbetreuung. So können Eltern mal einige Stunden in Ruhe die Pisten genießen.

Camping mit Sternerestaurant

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Der Campingplatz „Bertahof“ wird von einem der bekanntesten Köche im Gasteiner Tal betrieben. Dies hat zur Folge, dass unsere Campingküche weitgehend geschlossen bleibt. Bei solch vorzüglichen Gerichten können selbst Vegetarier ihren Prinzipien untreu werden: Wildbrett und Lamm kommen ebenso wie die Forellen aus der Umgebung und werden schmackhaft zubereitet. Das preiswerte Campingmenu ist neben dem Ambiente ein weiterer Anreiz hier ein zu kehren. Der Schlemmeratlas „Gourmeaut“ hat dem Familienbetrieb zwei Hauben verliehen. Im Michelin bekam er einen Stern. Der große Campingplatz liegt verkehrsgünstig zwischen den beiden Kurorten Bad Gastein und Bad Hofgastein. Die Loipe beginnt gleich auf der anderen Straßenseite. So lässt man das Wohnmobil am Besten an der Steckdose und nimmt den Linienbus zu einer der Talstationen, um nach Belieben die Möglichkeiten der Skischaukeln zu nutzen.

Rodeln und Fondue

Pünktlich um 19 Uhr setzt sich der nostalgische Einer-Sessellift am Rande von Bad Gastein in Bewegung. Wie zu Beginn des Tourismus befördert er die Gäste hinauf zur „Belevue Alm“, die zu einem gemütlichen Restaurant umgebaut wurde. Zwei Mal in der Woche steht Fondue als besonderes Angebot auf der Speisekarte. Nicht nur dann sind die Tische schnell ausgebucht, auch am Tage gehört sie zu den beliebten Stopps auf der langen Strecke ins Tal. Die Fahrt mit dem Rodel hinunter nach Bad Gastein wird eine richtige Gaudi, nicht nur für Kinder. Auch die Erwachsenen werden auf dem Schlitten wieder jung und kreischen aus voller Kraft, wenn die Kurve immer näher kommt und der Schnee hoch hinauf spritzt.

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Von der Piste in die Therme

Die Alpentherme, Europas modernste alpine Freizeitanlage konzipiert von Michael Schafflinger, setzt im Gasteiner Tal völlig neue Maßstäbe. Große Liegeflächen im Relaxbereich, entspanntes Baden im Heilwasser, das mit 32 Grad im Außenbecken dampft. Für die sechs Erlebnis- und Gesundheitswelten auf einer Fläche von 14.000 m² sollte man einige Stunden einplanen. Die verschiedenen Saunabereiche grenzen schon fast an moderne Kunst. Sie sind im Außenbereich in einzelnen Quadern eingerichtet und spannend beleuchtet. Wie von magischer Hand wechseln die Lichter von Lindgrün über Himmelblau zu Rosa, scharf umgrenzt vom Schwarz des Nachthimmels und mystisch umhüllt vom Wasserdampf des Freibeckens. Wer mehr Action möchte, der findet dies im Familien Erlebnisbereich. Hier gibt es ein eigenes Becken, wo die ganz Kleinen sicher spielen können und einen Turm mit zwei Rutschen, die nicht nur Kindern Freude machen.

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Die Felsentherme in Bad Gastein bietet ein ähnlich großes Angebot um Körper und Muskeln zu entspannen. Das Besondere an der Architektur ist die Integration der Felsenlandschaft auf der Panoramaterrasse mit Saunen, Dampfbädern und einer Solegrotte. Vom Wellnes-Restaurant und dem Freibecken aus kann man direkt auf die Piste schauen. Wen es nach dem Badespaß noch mal auf die Bretter zieht, der braucht nur eben durch den Übergang gehen und kann sich weiter zweieinhalb Stunden lang bei Flutlicht austoben.

Einmalig ist auch der Heilstollen in Böckstein. Tief im Inneren des Radhausberges entfaltet sich ein weltweit einzigartiges Heilklima, das für die Regeneration der Muskel- und Nervengewebe gut ist, Wunden schneller heilen lässt, sogar Asthma u.a. Krankheiten werden gelindert und geheilt.

Zu Fuß in die Stille

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Dorfgastein ist das urigste der drei Ferienziele mit liebenswertem Brauchtum und einer Gastlichkeit, die von Herzen kommt. Die Anbieter setzen hier mehr auf Aktivurlauber. Entsprechend ist das Angebot. Selbst für Kinder. Warum nicht mal mit Schneeschuhen dem Trubel entfliehen und nur mit dem Wind, dem Schnee und dem Bergpanorama alleine sein? Von der Gipfelstation führt eine leichte Tour über den Grat zur Holzkapelle und durch weichen Schnee zwischen Fichten hinunter zur Mittelstation. Wer lieber die Hänge hinunter rauscht, der kann eine Skitour aus dem breiten Angebot der Skischule »Dorf – aktiv« buchen. Das Team kennt sich im Gasteiner Tal bestens aus, sie können die Lawinengefahr einschätzen und kennen die schönsten Tiefschneeabfahrten. Profis können an traumhaften mehrtägigen Touren bis zum Großglockner und Großvenediger teilnehmen. Das moderne Equipment wird gestellt und wer noch keine Erfahrung hat, kann sich an Umsteigekursen von der Piste auf die Skitour das nötige Know-howerwerben.

 

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