Reisemagazin schwarzaufweiss

Wintersport in den Dolomiten

Wedeln mit steiler Kulisse

Text und Fotos: Dirk Schröder

Italien - Dolomiten

Seit zwei Tagen schneit und schneit es. Jedes Mal wenn wir die Türe öffnen, haben die Schneeflocken den Abstand zur Trittstufe deutlich verkleinert. Pulver - reinster Pulverschnee hat das Hochpustertal in eine Märchenlandschaft verzaubert. Auf dem Luxus Caravan Park Sexten (1) stört es uns wenig, dass die Berge nicht zu sehen sind, denn hier werden Alternativen zum Pistenwedeln geboten. Nach einem ausgiebigen Spaziergang zwischen Wald und eisigem Bergbach genießen wir das warme Wasser im Wellnessbereich. Nicht ohne Grund gehört dieser Platz zu den berühmtesten Anlagen in Europa. Campingchef Hans Happacher hat es sich zum Ziel gesetzt, die Traditionen der Region mit modernster Infrastruktur zu verbinden. So verbirgt sich hinter den nostalgischen Türen der Sanitäranlagen die modernste Technik, die bis zur automatischen Desinfektion der Toilettenbrille reicht. Bei so einer Anlage finden sich Wohnmobile der Superlative ein, die zu den zehn Metern Länge noch die Seitenwände ausfahren können.

Italien - Dolomiten - Caravan Park Sexten

Als dann endlich der Wolkenhimmel aufreißt, strahlen die schroffen Dolomitenzacken in ihrer ganzen Pracht. Den besten Rundblick auf die faszinierende Bergwelt bietet in 2434 Metern Höhe der Hausberg Helm: entweder von der Terrasse mit integrierter Kamera für das Erinnerungsfoto, oder hinter der breiten Glasfront des modernen Gipfelrestaurants, wo in der Mitte der lodernde Kamin das innere Feuer wieder entfacht. Der rundliche Hausberg hat für jeden Skifahrer seine Herausforderungen. Die schwierigste Piste führt vom Gipfel bis hinunter zur Talstation. Insgesamt stehen 77 Kilometer Abfahrtspisten zur Wahl. Der „Salto“, so nennt sich der kostenlose Skibus, verbindet die Talstationen der einzelnen Bergbahnen miteinander. So ist es nun möglich, alle fünf Berge auf der Sextner Dolomitenrunde an einem Tag zu erleben.

Italien - Dolomiten

Um Rentiere zu sehen, braucht man nun nicht mehr nach Norwegen oder Schweden zu reisen. Dafür reicht eine Fahrt mit der Rotwandbahn. Dort halten sich die Tiere im Gehege auf und werden am Nachmittag vor den Schlitten gespannt. Wer hier eine Runde dreht, sitzt natürlich auf warmen weichen Rentierfellen. Eine weitere Attraktion ist die riesige Schneefamilie. Sie empfängt die Gäste gleich bei der Bergstation und hat die eindrucksvolle Rotwand als Kulisse im Hintergrund.

Italien - Dolomiten

Die Orte Moos, Sexten, Innichen sind ursprünglich geblieben. Keine Hotelburgen wie in anderen bekannten Skigebieten. Im „Alta Pusteria“, wie es auf italienisch heißt, setzt man auf den familiären Charakter. Und das scheint sich auszuzahlen.

Italien - Dolomiten - Rentiere

„Noch sind die Speisekarten nicht auf russisch“, weiß mein Campingnachbar zu berichten, als wir uns am Abend in einer der 12 Sauna und Dampfbäder wieder begegnen. Der Unternehmer aus Norddeutschland verbringt seit 15 Jahren seinen Winterurlaub auf dem Luxusplatz und weiß die Atmosphäre zu schätzen. „Hier geht es nicht so „wild“ zu wie in anderen Skigebieten“ hat er im Vergleich mit anderen bekannten Orten erfahren.

Wer abends noch fit ist, kann noch einmal auf die Flutlichtpiste in San Candido fahren, oder mit dem Rodel die Berge hinunter sausen. An der Talstation der Rotwand- und Signauebahn sind die Schlitten zu leihen und werden samt Rodler hinauf befördert. Zu den Naturrodelbahnen muss man zu Fuß hinauf gehen.

Italien - Dolomiten

Wer nicht so hoch hinauf will, kann auf Langlaufski durch das Hochpustertal gleiten. Mit 200 Kilometern präparierter Loipe gehört die Region zum Herzstück des Langlauf-Karussels Dolomiti Nordicski.

Und wer keines dieser Wintersportgeräte benutzen möchte, kann auf herrlichen Winterwanderwegen auf geräumten Pfaden im eigenen Tempo die Dolomiten auf sich wirken lassen - entschleunigen und die Schönheit der Natur in sich aufsaugen.

Das Pustertal im Osten Südtirols versteht sich als „Schmelztiegel“ zweier Kulturen. Diese bunte Vielfalt an Traditionen und Lebensweisen spiegelt sich auch in den Speisen wider. Es ist die Mischung aus den ursprünglichen Gerichten der Bergbauern mit der leichten mediterranen Küche, die vor zwei Generationen mit den ersten italienischen Urlaubern einzog. Aus heutiger Sicht ist es kaum vorstellbar, dass die Bevölkerung weitgehend abgeschieden lebte, es kaum Geschäfte gab und wenig Berührungspunkte mit den Nachbarn in anderen Tälern. Die Menschen waren Selbstversorger. Was damals „einfache Kost“ war, ist heute als „typisch“ für die Region wieder gefragt. Dazu zählen die Schluzkrapfen (Teigtaschen mit Spinat- oder Kartoffelfüllung), Polenta und Knödel in den Varianten mit Speck oder Spinat. Und natürlich Kaiserschmarrn, dessen Zutaten damals die eigenen Hühner lieferten. Liebhaber guten Essens wissen die gelungene Mischung mit den italienischen Einflüssen zu schätzen.

Wer auf der Speisekarte „Sexta Sippl“ liest, der hat die Möglichkeit, eines der alten Gerichte zu kosten, das eine Renaissance erlebt. Es ist eine Fleischsuppe mit Ei, die seinerzeit an Markttagen in Innichen den Nachbarn aus Sexten serviert wurde, die um einiges ärmer waren. Traditionell wird es in einem speziellen Suppentopf serviert.

Dazu passt „Breatl“, ein typisches Hausbrot aus Roggenmehl und Natursauerteig. Süß dagegen sind die Buchtln. Sie werden aus Germteig (Hefeteig) hergestellt und als rechteckiges Backwerk mit Marmelade und Vanillesoße verfeinert. - Guten Appetit.

 Vom Norden ins Zentrum der Dolomiten

Cortina d‘Ampezzo (2) ist ein Dorf geblieben“, sagt die Dame im Touristenbüro fast schon entschuldigend. Ja, auch wenn der Name im Zusammenhang mit Skirennen in aller Welt bekannt ist, Cortina wird von den grandiosen Bergen begrenzt und kann nicht mehr expandieren. Die Straßen im Zentrum sind auf eine Fahrtrichtung begrenzt, um so dem Ansturm der Besucher, die mit der Seilbahn in die Höhe zum Skigebiet Faloria und Son Forca auf über 2000 Meter hinauf wollen, gerecht zu werden. Wer mit dem Zug anreist, ist besser dran als mit einem großen Wohnmobil, weil beide Stationen dicht nebeneinander liegen.

Italien - Wintersport in den Dolomiten

Wer zum ersten Mal hier oben ankommt, dem stockt der Atem im Anblick der grandiosen Bergkulisse. Das warme Braun der Steilfelsen hebt sich trotz anhaltenden Schneefalls immer noch von der weißen Kulisse vor blauem Himmel ab. Kein Wunder das diese Region seit vielen Jahren auf der Liste der Weltkulturerbe rangiert. Bei eisigen Temperaturen genießen wir bestens präparierte Pulverhänge und sind zeitweise ganz allein auf der Piste. Da bleibt genügend Zeit, um zwischendurch in einem Liegestuhl warm eingemummelt die Schönheit der Natur auf uns wirken zu lassen. Dass wir nicht mehr in Südtirol sind, wird sehr schnell im Kontakt mit dem Liftpersonal oder in der Bar am Ende der Bergstation deutlich. Hier sprechen sie italienisch. Wir haben unmerklich die Grenze passiert, die im Ersten Weltkrieg so lange umkämpft war. Die Pisten auf dieser Seite sind in einem Rutsch herunter gesaust, ohne dass es den Beinen anstrengend wird. Um einiges länger sieht das Angebot auf der Gegenseite aus.

Italien - Dolomiten

Der Wechsel ist mit dem eigenen Fahrzeug schnell vollzogen. Gleich beim Eisstadion bringt die große moderne Gondel uns ohne Umsteigen auf 1770 Meter zum Col Druscie. Nach einer weiteren Fahrt im Sessellift schauen aus knapp 2500 Meter Höhe die Häuser von Cortina d‘Ampezzo wie Streichholzschachteln aus - der Tofana di Mezzo im Hintergrund dagegen mächtig. Weit über 3000 Meter „grenzt“ der Gipfel an den stahlblauen Himmel. Die Mittagssonne hat im Windschatten so eine Kraft, als wollte sich jeder Strahl in unsere Haut einbrennen. Um die schwarze Piste kommt man in dieser Höhe nicht herum. Doch auch hier ist Mitte Januar für jeden genügend Platz, um gefahrlos hinunter zu schwingen. Bei der nächsten Fahrt im Sessellift schweben wir schon über der berühmten Fissabfahrt. Sie wird gerade für den nächsten Wettkampf präpariert.

Italien - Dolomiten

Seit der Olympiade 1956 ist Cortina in der ganzen Welt bekannt. Das Fernsehen hat maßgeblich dazu beitragen, das damals zum ersten Mal in der Geschichte ein solches Ereignis in die Wohnzimmer übertragen hat. Damals entstand die historische „Pista Monti“, das Eisstadion und die Skisprungschanze „Trampolino Italia“, die zum Wahrzeichen der Stadt wurde. Nun begann für die Ampezzaner Talmulde das Goldene Zeitalter. Cortina wurde zu einem damals zeitgemäßen Wintersportort ausgebaut und zum Touristenmagneten auch im Sommer.

Die von Stein umschlossene Schönheit wurde im Jahre 2009 von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. 100 Jahre zuvor wurde mit dem ersten schriftlichen Dokument auf die Schönheit der Ampezzaner Mulde als winterliches Reiseziel aufmerksam gemacht. Bis dahin lagen die „Bleichen Berge“, wie sie auch genannt werden, im Abseits.

Der Name geht auf den Entdecker des besonderen Gesteins, Dódat de Dolomieu zurück. Er fand heraus, dass die geologische Zusammensetzung einzigartig ist. Für den Besucher ist es mehr die „Ausstrahlung“, das Farbenspiel in der Abendstimmung, wenn die Sonne flach hinein scheint und die zerklüfteten Formationen fast schon zu glühen scheinen. Von feuerrot bis violett flammen die Zacken dann noch einmal auf, bis das „Enrosadira“ vom Abendhimmel geschluckt wird.

Italien - Dolomiten

 Zurück nach Südtirol

Nur ein Pass liegt dazwischen, doch der kann es in sich haben. Wer trotz Winterreifen keine Schneeketten im Wagen hat, kann bei Neuschnee ins Zittern kommen. Ich halte auf der gut geräumten Straße den Dieselmotor auf Touren, um den Schwung zu nutzen. Wer weiß wie sich der Heckantrieb verhält, wenn ich bei dieser Fahrbahn zum Stehen komme. So zieht besagtes Alpenglühen im Augenwinkel an mir vorüber. Als ich in dieser Anspannung hinterm Lenkrad ein Gefährt um die verschneite Kurve kommen sehe, das mehr einer überdimensionalen Zigarre gleicht, auf der zwei Männer mit Lederkappen sitzen, muss ich doch meine starre Haltung aufgeben und schaue ihnen hinterher. „Was war denn das jetzt?“ kreisen mir verwirrte Gedanken durch den Kopf. Und schon taucht ein zweites Fahrzeug auf, das ebenfalls aus einer anderen Zeit zu kommen scheint. Das ovale Schild mit einer 23 darauf gibt mir Hinweise auf eine Oldtimer-Ralley. Es dauert nur zwei Kurven, dann rollt an mir die Bestätigung in Form eines alten Feuerwehrfahrzeugs vorbei. Wenn ich einen Hut auf hätte, würde ich ihn vor diesen Fahrern ziehen. Erst auf der Passhöhe wird mir ihre Leistung so richtig bewusst, weil ich die steile Auffahrt mit einigen Haarnadelkurven erblicken kann, die bei Eis und Schnee gemeistert werden wollen. Ja, so muss es hier zu Beginn des Tourismus gewesen sein. Die Bauten im alten Stadtbild geben die passende Kulisse für die Ankunft der Oldies ab.

Italien - Dolomiten - Skilanglauf

Unser Wohnmobil taucht einige hundert Höhenmeter später in die Wälder des Seitentals ab. Noch ehe wir uns versehen, ist der Camping Sass Dlacia (3) ausgeschildert, eine letzte Biegung und schon ist unsere dritte Station erreicht. Wir stehen unter hohen Fichten, als seien wir Teil des Waldes. „Sie können jeden Morgen mit dem Skibus zum Lift fahren“ erfahren wir gleich beim Einchecken. Eine der vielen Langlaufloipen führt unmittelbar am Campingplatz vorbei und neben dem Restaurant befindet sich eine Wellnessanlage ... Was wollen wir mehr?

Italien - Dolomiten

Bei Kaiserwetter lassen wir uns am nächsten Morgen mit der Gondel auf 2000 Metern Höhe zum Piz Sorega bringen. Den ersten Kaffee trinken wir im Anblick einer Kulisse, für die wir keine Worte finden. Vor uns liegen sanfte Bergkuppen, die in der Ferne von schroffen Wenden der Sellagruppe gesäumt sind. Auf der anderen Seite die stufenförmige Erhebung des Sassongher und vis á vis der Bergrücken, der uns von Cortina trennt. Einfach göttlich. Alta Badia, wie sich dieses Skigebiet nennt, ist Teil des Skikarussells „Dolomiti Superski“. Wir sind mit der „Sella Round“ ganz zufrieden. Bei der großen Runde bekommt man die markanten Berge von allen Seiten zu sehen. Wer Gefallen daran gefunden hat, kann die Tour noch einmal in Gegenrichtung fahren. Beide Möglichkeiten sind in einer Karte genauestens beschrieben.

Schon im ersten Reisehandbuch, das 1837 in London erschien, werden die „Dolomite Mountains“ als unvergleichlich beschrieben. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auch wenn heute insgesamt 450 Liftanlagen in 10 Gebieten die Bergregion erschließen.

Reiseinformationen zu den Dolomiten

Infos Sextener Dolomiten

Touristenverband Hochpustertal
Dolomitenstraße 29
I-39034 Toblach
Tel. 0039 0474 913156
Info@hochpustertal.info

Caravan Park Sexten
St. Josefstr. 54
39030 Sexten
Tel.: 0039 0474 710444

Infos Cortina d‘Ampezzo

Cortina Turismo
Via Marcon 15/B‘I-32043 Cortina d‘Ampezzo (BL)
0039 0436866252
Cortina@dolomiti.org

Infos Alta Badia

www.altabadia.org

Tourismusverien Corvara
Str. Col Alt, 36
I-39033 Corvara
Tel.: 0471836176
Corvara@altabadia.org

Camping Sass Dlacia
Sciareè 11
I-39030 S. Cassiano / Alta Badia (BZ)
www.camipngsassdlacia.it
info@camipngsassdlacia.it

 

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