Reisemagazin schwarzaufweiss

Bereits vor über 100 Jahren kamen die ersten Touristen

Ferientage am Achensee

Text und Fotos: Axel Scheibe

Zum Urlaubseinstieg am Achensee lohnt sich eine Verabredung mit Arthur Brunneger. Seine Agentur Natur bietet ein vielfältiges Programm am See. Für einen guten Überblick nimmt er Gäste gern mit hinauf. Erst mit der Rofanbahn auf den Berg, dann noch ein Stück höher zum Startplatz der Paraglider und danach fliegend über den Seen zurück ins Tal.

Österreich - Achensee - Tolles Panorama vom Flug aus

Tolles Panorama vom Flug aus

Sorgfältig wird der Paraglidingschirm ausgebreitet, die Leinen sortiert und das entsprechende Gurtzeug angelegt. Sicherheit ist oberstes Gebot. Der Passagier bekommt einen „gemütlich Sessel“ angeschnallt und dann, verbunden mit Arthur, wird auf den richtigen Windhauch gewartet, der zum Start nötig. Zeit genug für das mulmige Gefühl in der Magengegend, sich erneut zu melden. Der Starthang ist steil, sehr steil. Der See liegt gut 1000 m tiefer, sehr tief. „Go“ ruft Pilot Arthur. Jetzt gibt es kein zurück mehr. Mit aller Kraft heißt es nach vorn zu laufen bis sich der Schirm vom Boden hebt und sich die Beine plötzlich im Nichts bewegen. Der Traum vom Fliegen beginnt.

Österreich - Achensee - Segler auf dem See

Segler auf dem See

Nur von hier oben kann man die Schönheit des Achensees mit einem Blick erfassen. Im gleißenden Licht der Sonne zeigt er sich von seiner schönsten Seite. 8,4 km lang und rund 1 km breit bietet er reichlich Platz für Wassersportler. Dutzende Segler und Surfer bevölkern den See vor Maurach und Buchenau. Auch die Strände in Pertisau sind gut besucht. Wobei Schwimmer eher die Ausnahme bilden. Das Wasser ist kalt. Immerhin liegt er fast 1000 m über dem Meeresspiegel, ist also ein richtiger Gebirgssee.

Österreich - Achensee - Impressionen rund um den Alpen Caravan Park in Achenkirch

Alpen Caravan Park in Achenkirch

Immer tiefer schwebt der Gleitschirm hinab. Nachdem der Gast selbst die Steuerleinen übernehmen durfte und einige kleine Manöver gesteuert hat, übernimmt Pilot Arthur wieder selbst die Regie. Sanft gleitet er in Richtung Landeplatz. Gemeinsam mit dem Mann im „Sessel“ setzt er butterweich auf. Wieder mit festem Boden unter den Füßen kann das Abenteuer Achensee seinen Lauf nehmen. Tipps erhält man reichlich und besonders gut informiert über den Tourismus am Achensee ist natürlich Johannes Entner, der Obmann des hiesigen Tourismusverbandes. Der „Hansi“, wie er allgemein genannt wird, war einer der wichtigsten Gründungsväter des heutigen Tourismusverbandes. Mit viel Geduld und Überzeugungskraft gelang es ihm, die einzelnen Tourismusvereine der Anliegergemeinden und die touristischen Anbieter vom Hotelbesitzer bis zum Liftbetreiber an einem Strang ziehen zu lassen, in einem Verband zu vereinen. „Die gebündelten Kräfte waren Voraussetzung für die tolle Entwicklung, die der Tourismus am Achensee in den letzten Jahren hat“, betont er. „Regelmäßig können wir unsere Gäste mit neuen, interessanten Anlaufpunkten überraschen. So zum Beispiel unser AirRofan für Mutige, unseren tollen neu gestalteten Caravanpark in Achenkirch, unser Steinölmuseum in Pertisau oder auch die gesamte Seepromenade mit vielen attraktiven Blickfängen und Ruhezonen. Nicht zu vergessen klassische Angebote wie die Schifffahrt und die Dampfzahnradbahn.“ Fahrräder und E-Bikes erobern den See ebenso wie kleine Elektroautos und Segways. Es gibt verschiedene Vermieter und natürlich hält sie Johannes Entner in seinem Hotel Wiesenhof ebenfalls für die Gäste bereit. Auch wenn er selbst in seiner Freizeit gern etwas stärker motorisiert mit seinen Bikerfreunden und der schweren BMW auf Tour geht.

Österreich - Achensee - Neu gestaltet. Die Uferpromenade bietet viele kleine Ruheinseln

Die neu gestaltete Uferpromenade bietet viele kleine Ruheinseln

125 Jahre Dampfen und Schnaufen

Die Dampfzahnradbahn, die mit viel Schnaufen und nicht weniger Charme die rund 300 Höhenmeter aus dem Inntal von Jenbach nach Pertisau zurücklegt, tut das nun bereits seit über 125 Jahren. Als die Bahn den See erreichte, war die Achenseeschifffahrt bereits zwei Jahre aktiv und verband die Gemeinden am See miteinander. Das ist bis heute so geblieben. Die Kombination aus Dampfzahnradbahn und Achseeschifffahrt ist eine der Hauptattraktionen der Region. Kaum einer lässt sich so eine Rundreise entgehen. Wo sonst kommt die Schaffnerin während der Fahrt auf den Außentrittbrettern 125 Jahre alter Waggons zur Fahrkartenkontrolle? Auf den Schienen sorgen (zum Glück) noch die alten Loks aus den Gründungstagen für dampfenden Fahrspaß. Nicht verändert hat sich auch die spektakuläre Landschaft, die mit dem Karwendel- und dem Rofangebirge den See umrahmt. Seilbahnen entführen die Gäste in die Höhe und dort wartet ein Wanderparadies, das ganz ohne Klettererfahrung auskommt.

Österreich - Achensee - Wahrzeichen am See: die Dampfzahnradbahn

Wahrzeichen am See: die Dampfzahnradbahn

Doch auch unten, direkt am See, startet so manche Tour. Der Weg rund um den See ist mit reichlich 20 km und einigen schwierigen Teilabschnitten etwas anspruchsvoll. Aber ein gemütlicher Spaziergang am Seeufer kann bestens mit einer Schifffahrt verbunden werden. Besonders beliebt sind die exklusiven Wanderungen mit Naturparkrangern in die Welt der Karwendeltäler. Dabei stehen Fauna und Flora des Naturparks im Mittelpunkt. Da gibt es viel zu entdecken. Besonders, wenn man mit Rangerin Sina Hölscher und ihrem Kollegen Sebastian Pilloni unterwegs sein kann. Eine weitere Domäne für Wanderfreunde ist das kleine Örtchen Steinbach. Etwas abseits, fast versteckt gelegen, ist es Ausgangspunkt für manche Tour ins Rofangebirge. 

Österreich - Achensee - Exklusiv Wanderung mit den Naturparkrangern Sina Hölscher und Sebastian Pilloni in den Karwendeltälern

Exklusiv Wanderung mit den Naturparkrangern Sina Hölscher und Sebastian Pilloni in den Karwendeltälern

Ein gutes Bier aus der eigenen Brauerei

Wandern macht hungrig und durstig. Ein Glück, die Tiroler Küche hält dafür die richtigen Lösungen bereit. Ob Tiroler Gröstl, Speckknödel oder Kaiserschmarrn, zumeist geht es kalorienreich ans Werk. Ein gutes Bier gehört dazu. Das war auch Alois Rupprechter, dem Chef des Hotels Karlwirt und seinem Schwager Markus Kofler klar. Doch warum sollte es immer Gösser oder Stiegler sein? Warum nicht sein ganz eigenes, ein exklusives Achensee Bier brauen. So wurde eine kleine Mikro-Brauerei gekauft, erste Probesuds angesetzt und schon bald war es geboren, das neue Bier am Achensee. Seither läuft das Geschäft, das Alois und Markus ganz „nebenbei“ betreiben müssen oder besser gesagt mit wollen.

Im Langlaufstüberl kommt der frische „Hopfenblütentee“ aus dem Hahn und natürlich auch beim Karlwirt. Da bleibt für den Direktverkauf, die Brauerei ist unter dem Langlaufstüberl, nicht viel übrig. An die 500 Hektoliter verlassen die Tanks im Jahr. Nicht nur das Achenseer Weizen ist eine Verkostung wert. Jahreszeitlich unterschiedlich sind es bis zu fünf Sorten, die zur Wahl stehen. Eine Brauereibesichtigung mit einer Bier-Käse-Verkostung lohnt sich also durchaus.

Österreich - Achensee - Markus Kofler (links) und Alois Rupprechter in Ihrer Gasthofbrauerei mit einem frisch gezapften Achensee-Bier

Markus Kofler (links) und Alois Rupprechter in Ihrer Gasthofbrauerei mit einem frisch gezapften Achensee-Bier

Wer seinen Besuch am See mit Abstechern ins Umland würzen möchte, dem seien zwei Ziele ans Herz gelegt. Einerseits das Bauerhofmuseum in Kramsach, das einen Blick in Tiroler Vergangenheit bereit hält. Und dabei wirkt so manches gar nicht so extrem weit hergeholt. Zahlreiche historische Höfe aus verschiedenen Ecken Tirols wurden gesammelt und perfekt in das Areal des Museums eingefügt.

Österreich - Achensee - Eindrücke aus dem Tiroler Bauerhof Museum in Kramsach

Eindrücke aus dem Tiroler Bauerhof Museum in Kramsach

Kein Museum hingegen ist die Eng-Alm im großen Ahornboden inmitten der gewaltigen Bergwelt des Silbernen Karwendels. Das größte Almdorf Tirols empfängt seine Besucher nicht nur mit einer beeindruckenden Landschaftskulisse. Auf der größten Melkalm Tirols gibt es auch ein Schaukäserei, einen Bauernladen und eine rund 300 Jahr alte, kleine Kapelle. 

Österreich - Achensee - Impressionen Eng-Alm Großer Ahornboden

Eng-Alm Großer Ahornboden

Reiseinformationen zum Achensee

Achensee Tourismus
Im Rathaus 387
A-6215 Achenkirch am Achensee
Tel.: 0043/5246/5300-0
www.achensee.info

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

Das könnte Sie auch interessieren

.

 

Kurzportrait Österreich

Immer ein Jodeln auf den Lippen, die stämmigen Waden in kniekurzen Lederhosen zur Schau gestellt, forschen Schrittes die Alm überquerend - so ähnlich stellt man sich jenseits der Alpen die Österreicher oft vor. Man findet solche Klischees natürlich auch in der Wirklichkeit, aber nicht alle auf einen Haufen und vielerorts aus Marketinggründen gehegt und gepflegt. Genauso wenig wie alle Bewohner der Nordseeküste pfeifenrauchende Seebären sind, sind alle Österreicher trachtentragende Bergfexe. In Österreich ist die Zeit nicht stehen geblieben, das Land ist ein moderner Kleinstaat, seit der Öffnung des Ostens wieder ins Herz Europas gerückt.

Österreich - Salzkammergut

Mehr lesen ...

Die 10-Seen-Radtour zwischen Salzburger Land und Salzkammergut

Flachlandtiroler seien gewarnt, denn wellige Kuppen mit lang gezogenen Anstiegen erfordern ein gewisses Stehvermögen. Salzburg mit der Hohensalzburg ist Ausgangs- und Endpunkt der Tour – und das Weltkulturerbe sollte man nicht nur bei einem nachmittäglichen Bummel durch die Gassen des „bürgerlichen“ und des „geistlichen Salzburg“ genießen.

Salzkammergut per Rad

Mehr lesen ...

 

Auf den Spuren Friedensreich Hundertwassers zwischen Wien und Graz

„An einem Regentag beginnen die Farben zu leuchten“, so lautete das Motto des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Heute regnet es nicht, sondern die vergoldeten Kugeln, die die blauen Säulen der lilafarbenen MS Vindobona zieren, glitzern prachtvoll in der Sonne. 1995 wurde das mittlerweile 30 Jahre alte Fahrgastschiff nach den Vorschlägen Hundertwassers umgestaltet und lädt seit dem zu Fahrten auf der Donau und im Donaukanal rund um Wien ein.

Hundertwasser in Wien und Graz

Mehr lesen ...

Reiseführer Linz

Italienische Baumeister waren es, die im 17. und 18. Jahrhundert die zahlreichen Kirchen der Stadt Linz entwarfen, darunter auch Pietro Francesco Carlone, dem der Alte Dom zu verdanken ist. Hier war der Komponist Anton Bruckner mehr als ein Jahrzehnt lang als Domorganist tätig. Diesem berühmten Sohn der Stadt war ursprünglich das alljährlich im September/Oktober stattfindende Brucknerfest gewidmet, das sich unterdessen nicht mehr ausschließlich dem Erbe Bruckners verschrieben hat.

Reiseführer Linz

Mehr lesen ...