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Auge in Auge mit Wölfen

Norwegen hält manche Überraschung bereit

Text und Fotos: Axel Scheibe

Etwas mulmig ist uns schon zumute. Das weitläufige Gehege ist zwar einzäunt und die sechs Jungwölfe also gut gesichert. Das Problem ist nur, wir stehen nicht vor den Zäunen, sondern sitzen an einer kleinen Feuerstelle mitten im Gehege. Seit einer Viertelstunde ist Flüstern angesagt. Langsam haben sich die Wölfe an unsere Anwesenheit gewöhnt. Erst haben sie uns misstrauisch aus der Ferne beäugt, doch nun streifen sie nur wenige Meter entfernt an unserer kleine Gruppe entlang.

Norwegen - Wölfe - Wer beobachtet hier wen?
Wer beobachtet hier wen?

John Kenneth Sigurtson, Chef des Langedrag Natur-Parks, hat uns gut vorbereitet und versprochen, dass die Wölfe nur neugierig sind. Hoffentlich wissen die das auch. Satt scheinen sie zu sein. Aber, so ganz ohne Herzklopfen sitzt wohl keiner von uns auf der Bank. Trotzdem klicken die Fotokameras und wird mancher Meter Videoband bespielt. Zwei besonders mutige Weibchen ziehen ihre Kreise immer enger. Fast könnte man sie mit den Händen greifen. Diesen Versuch sollten wir dann doch lieber unterlassen. Es sind Wildtiere und das Wolfsgehege im Natur-Park kein Streichelzoo. „Spielen kann man mit den Tieren nicht“, hatte Kenneth vor unserem Besuch bei den Wölfen gesagt, „aber so nah und ohne Gitter dazwischen werdet ihr Wölfen nie wieder begegnen.“

Nprwegen - Wölfe

Damit hat er wohl recht. Auge in Auge mit Wölfen – das setzt unserer Reise nach Norwegen die Krone auf. Nach einer guten Stunde rüsten wir zum Aufbruch. So wie Bewegung in unsere Gruppe kommt, verschwinden die Wölfe lautlos wie sie gekommen sind wieder in der Weite ihres Geheges. Das unheimliche Gefühl war also völlig unbegründet. Aber Wolf bleibt eben Wolf … Die Gebrüder Grimm haben da sicher ihren Anteil daran.

Norwegen - Elch im Langedrag Natur-Park
Elch im Langedrag Natur-Park

Das Wolfserlebnis zu toppen, ist nicht möglich und trotzdem lassen wir uns noch viel Zeit im Langedrag Natur-Park. Die Empfehlung unseres Campingplatzchefs in Hemsedal war goldrichtig. Es ist die Kombination aus faszinierender Landschaft und der vielfältigen Tierwelt, der man in diesem Natur-Park näher kommen kann. Wo sonst kann man einen jungen Elch streicheln, mit Ziegen von einem Tisch essen, beim Füttern der Polarfüchse zusehen oder sogar mit etwas Glück den König der Wälder, einen mächtigen Elch in seinem Revier beobachten oder einem Luchs tief in die Augen sehen. Hoch oben, auf über 1000 Meter über dem Meer gelegen, bietet er grandiose Ausblicke auf die Fjorde und Berge zwischen Hallingdal und Numedal.

Norwegen - Norwegen - Langedrag Natur-Park

Unterwegs mit Bahn und Schiff

Doch von unserem Standplatz im kleinen Örtchen Hemsedal gibt es noch reichlich mehr Möglichkeiten für erlebnisreiche Ausflüge. Ganz zu vorderst die beliebte Tour über die Berge an den Sognefjord. Wohl kaum ein Tourist lässt sich diese Tagestour entgehen, kann man bei ihr doch gleich drei recht unterschiedliche Ziele kombinieren. Zuerst natürlich eine Fahrt mit der weltberühmten (zumindest unter Eisenbahnfreaks) Flambahn. Die Züge starten unten am Fjord und winden sich auf einer Strecke von gerade mal 20 Kilometern hinauf zum Bahnhof in Myrdal, der auf 866 Metern liegt. Ein landschaftliches Highlight und interessant zu beobachten wie sich auf der kurzen Fahrt Landschaft und oft auch Wetter ändern. Wer Zeit hat, kann zurück wandern. Wir entscheiden uns dagegen, denn mit dem Zug sind wir schneller und können noch in See stechen. Eine mehrstündige Fahrt mit einem der Ausflugsschiffe auf dem Sognefjord gehört zu einer Norwegentour dazu. Was wäre denn das Land der Fjorde ohne eine Schifffahrt auf einem dieser Wasserarme. Mit dem Sognefjord haben wir gleich noch einen der attraktivsten erwischt. Kleine, malerische Dörfer am Ufer wechseln mit mächtigen Felswänden, die nah am Schiff vorbei gleiten. Wasserfälle prasseln von den Felskanten herab und Möwen begleiten lautstark das Schiff.

Norwegen - Zughalt am Wasserfall Kjosvossen
Zughalt am Wasserfall Kjosvossen

Rommebrod und Flatbrod

Ruhiger geht es dann auf der Rückfahrt zu. Ein Stopp an der Stabkirche in Borgund ermöglicht noch tiefere Einblicke in norwegische Geschichte als das Flambahnmuseum, das wir uns am Bahnhof in Flam ebenfalls nicht entgehen ließen. In Norwegen trifft man oft auf eine spannende Kombination aus Historischem und Natur, die begeistert.

Norwegen - Die Stabkirche in Borgund gehört zu Norwegens meistbesuchten Ausflugszielen
Die Stabkirche in Borgund gehört zu Norwegens
meistbesuchten Ausflugszielen

So auch im Hallingdal Museum in Nesbyen, wo sich die historischen Häuschen aus vergangen Jahren perfekt in die wildromantische Landschaft einfügen. Auch das Bygdatun in Hemsedal selbst kann viel erzählen über das Leben und die harte Arbeit der Altvorderen, die noch nicht auf zusätzliche Einnahmen durch Touristen aus dem Süden rechnen konnten. Etwas Besonderes ist auch die Hallingkost. Darunter versteht man all das, was die Bauern im Sommer auf ihrer Alm produzieren und gleich vor Ort verkaufen. Unsere Adresse der Wahl ist Anne Bakken, die auf dem Hochland über Ulsak, dem kleinen Ortsteil von Hemsedal in dem unser Campingplatz liegt, am Rande des Helsingvatn (Helsingsee) ihren kleinen Almbetrieb Ulsak-Stolen betreibt. Für die Kinder gibt es reichlich Ziegen, Katzen und sogar ein Kälbchen zum Streicheln. Das was auf den Tisch kommt, ist Natur pur. Brot wird selbst gebacken, der Käse selbst hergestellt und die Milch dazu kommt natürlich aus den eigenen Kühen. Zu ihrer Spezialität muss uns Anne nicht lange überreden. Rommebrod ist fast legendär, sollte aber wirklich frisch vor Ort gegessen werden. Das Rezept ist so einfach wie das Ergebnis lecker. Butter, Sauercreme, Mehl und Zucker - mehr ist es nicht, was man dazu braucht. Kalorienreduziert klingt die Zutatenliste nicht gerade, aber was macht das schon. Vor uns stehen an den nächsten Tagen einige Wanderungen zu ausgewählten Gipfeln rund um Hemsedal. Davon gibt es reichlich. Und wenn wir uns dabei mit dem bekannten Flatbrod stärken, einer weiteren Spezialität der Region, sind die Kalorien schnell wieder weg. Denn darin sind wahrlich nicht viele davon versteckt.

Norwegen - Das Hallingdal Museum in Nesbyen
Das Hallingdal Museum in Nesbyen

Erst war es ein Ausflug durch einen nebligen Tag entlang des Fjellstolvegen zum großen Vavatn nördlich von Hemsedal und nun geht es hinauf auf den Totten, der hoch über dem Schigebiet thront und einen tollen Rundblick verspricht. Einen Tag haben wir für diese Wanderung eingeplant und so bleibt uns reichlich Zeit, das nun wieder sonnige Wetter und die immer aufs Neue beeindruckende Natur zu genießen. Im Tal liegt, wie ein Spielzeugdorf, Hemsedal und westlich auf dem Hochland reiht sich, wie fast überall rund um Hemsedal, See an See und natürlich auch Ferienhaus an Ferienhaus. Aber vermietet wird hier relativ wenig. Die meisten der kleinen Häuschen gehören Norwegern aus den Städten - auch von Oslo sind es nur gut zwei Stunden - die hier ihre Wochenenden und Ferien verbringen. Der Weg auf den Gipfel ist steinig und etwas unwegsam. Der Wind wird allmählich zum Sturm und so hält sich unsere Gipfelrast in Grenzen. Schnell zieht es uns zurück in etwas tiefere Gefilde, wo der Sommer wieder das Zepter schwingt.

Norwegen - Gipfelrast auf dem Totten in 1497 Meter Höhe
Gipfelrast auf dem Totten in 1497 Meter Höhe

Ein Besuch bei den Huskies

Für den letzten Tag haben wir uns etwas Besonderes aufgehoben. Als wir vor einem Jahr zum Wintersport in Hemsedal waren, wurde eine Schlittentour mit den Huskies von Johan Müller zum absoluten Höhepunkt der Reise. Nun hat er uns geschrieben, dass er mit Spezialwagen auch im Sommer solche Touren anbietet. Das wollen wir uns vor unserer Heimreise auf jeden Fall noch ansehen. Die Sache hat nur einen Haken. Kann es den Huskies im Winter nicht kalt genug sein, haben die Tiere im Sommer, wenn die Sonne zu heiß vom Himmel brennt, ein Problem. Da muss sich Johan Müller genau überlegen, was er seinen Tieren zumuten kann. Wir haben Glück, zwar ist das Wetter grenzwertig, doch für eine kurze Testfahrt reicht es noch. Sicher ein interessantes neues Angebot, das man mal erleben sollte. Mit unseren Wintererlebnissen im Tiefschnee lässt sich so einer Sommertour freilich nicht vergleichen. Aber der Spaß mit den Tieren lohnt den Ausflug letztlich trotzdem. Vielleicht kommen wir im Winter mal wieder vorbei?

Norwegen - Auch immer Sommer kann man mit Johan Müller und seinen Huskies die Umgebung von Hemsedal erkunden
Auch immer Sommer kann man mit Johan Müller und seinen
Huskies die Umgebung von Hemsedal erkunden

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