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Reiseführer Trondheim

Ringve Museum

Trondheim, Ringvemuseum

Oberhalb des Arboretum im Botanischen Garten befindet sich der Herrensitz Ringve, eine „Dreiflügelanlage“ mit kopfsteingepflastertem Innenhof. Es handelt sich dabei um einen Gutshof aus dem 18. Jahrhundert, der dem Vater des norwegischen Seehelden Peter Wessel Tordenskjold gehörte. Jan Wessel war ein reicher Schiffsreeder und Grundbesitzer, dessen Vermögen durch Heirat noch wuchs. An einem der Nebengebäude findet sich eine Gedenktafel für Jan Wessel Sohn, der sich besonders im Großen Nordischen Krieg gegen Schweden den Ruf eines sehr erfolgreichen Flottenkapitäns erlangt hatte. Seine Kindertage hatte dieser norwegische Seeheld in Ringve verbracht hatte.

Trondheim, Ringvemuseum

So wohnte das Ehepaar Bachke auf dem Herrensitz Ringve

Die Existenz des heutigen Ringve Museums, das ein Musikinstrumentenmuseum der besonderen Art ist, hängt jedoch weder mit Jan Wessel noch mit dessen Sohn zusammen, sondern mit der Bachke-Familie. 1878 erwarb Anton Sophus Bachke, der damalige Direktor des Kupferbergwerks von Røros, das Anwesen in einer Versteigerung.

Auf den Vater folgte 1917 der Sohn Christian als neuer Besitzer des Herrensitzes, der im Wesentlichen als Sommersitz genutzt wurde. Christian war nicht nur genauso erfolgreich als Geschäftsmann wie sein Vater, sondern auch ein sehr begabter Pianist. Seine Ehefrau Victoria Rostin teilte mit ihrem Ehemann die Leidenschaft für Ringve und die Musik. Vor allem erwies sich Victoria als gewissenhafte Sammlerin von Musikinstrumenten. Davon zehrt das Ringve Museum bis heute.

Die beiden Flügel des Herrensitzes sind Holzbauten, während der klassizistisch anmutende Mittelbau ein Putzbau ist, der erst in den 1950er Jahren vollendet wurde. Dieses Haus sollte der Alterssitz des Ehepaars Bachke werden. Die Idee für die Architektur kam beiden bei einem Besuch der Tschaikowsky Oper „Eugen Onegin“ und dem dort gezeigten Bühnenbild. So griff man auf die Zeichnung des Bühnenbilds zurück, um diese in eine Architekturzeichnung zu überführen.

Trondheim, Ringvemuseum

Eine Trommel, mit denen Samen ihre Gesänge begleiten

Nach dem Tod von Christian Bachke intensivierte seine Witwe die Bemühungen, um in Ringve ein Musikinstrumentenmuseum zu etablieren. Das war dann im Oktober 1952 der Fall. Die Idee bei der Museumsgründung war es ein „lebendes Museum“ zu schaffen, in dessen Mittelpunkt nicht „tote Exponate“ stehen sollten. Bis zum heutigen Tag kann man das Bachke-Haus nur in Begleitung besuchen. Während der Führung stimmen die Museumsführer auf Nachbauten historischer Instrumente die eine oder andere Weise von Bach, Chopin oder Mozart an.

Trondheim, Ringvemuseum

In Nigeria spielt man Daumenpiano

Unterdessen wurde ein Museumsneubau nebst Konzertsaal errichtet. In diesem Teil des Museums werden Musikinstrumente aus aller Welt vorgestellt, ob eine Fender-E-Gitarre, ein Daumen-Piano aus Nigeria, eine Samen-Trommel oder eine Hardangerfiedel.

Das Klavier ist populär

Man erfährt im Museumsneubau anhand von Saaltexten von der Entwicklung des Klaviers, dessen Geburtsstunde auf 1668 datiert wird. Dabei wird auch unterstrichen, dass das Klavier das wohl populärste Instrument des 19. Jahrhunderts war. Zugleich wirft die Ausstellung auch einen Blick auf das musikalische Leben in Trondheim, das im 18. und 19. Jahrhundert ganz wesentlich durch Minister Hans Carl Knudtzon gefördert wurde. Dass Knudtzon und seine Familie Musikliebhaber waren, unterstreicht ein entsprechendes Familienporträt von Elias Meyer aus dem Jahr 1795.

Des Teufels Instrument

Wie man mittels Blasebalg Töne erzeugen kann, zeigen Dudelsäcke, die man im keltischen Raum ebenso kennt wie im spanischen Galizien. Des Teufels Instrument wurde dieses „Blasinstrument“ genannt, das wohl aus dem Zweistromland den Weg nach Europa fand, wie wir einem Saaltext entnehmen können.

Die Themen „Jazz“ und „Rock“ finden in der Ausstellung die ihnen gebührende Beachtung. Neben den E-Gitarren, Klarinetten und Saxofonen darf bei diesen Themen auch die Musikbox nicht fehlen. So wie mechanische Klaviere sorgten sie in den 1950er Jahren und später für öffentliche Unterhaltung in Bars und Klubs. Jazz in Norwegen kam in den 1920er und 1930er Jahren auf, als Musiker auf den großen Ozeanriesen nach Amerika aufbrachen und an Bord für die Unterhaltung der Passagiere sorgten. In der Neuen Welt kamen sie dann mit New Orleans, Dixie und Swing in Berührung und brachten diese musikalischen Impulse zurück nach Norwegen. Sopransaxofon, Tenorsaxofon, Kontrabass, Schlagzeug, Trompete und Piano – das waren die Instrumente, die für eine Jazzband wichtig waren. Auf Leadgitarre, Bass, Rhythmusgitarre und Schlagzeug reduzierte sich die Instrumentierung bei der genuinen Rock-Musik.

Trondheim, Ringvemuseum

Längst aus der Mode gekommen: das Harfen-Piano

Dank eines Audioguides erklingen ausgewählte Instrumente der Präsentation, so auch ein Harfenpiano, das Johann Christian Dietz zu verdanken ist und um 1870 gebaut wurde. Allerdings wie eine Orphica, ein tragbares Hammerklavier, klingt, werden wir nicht erfahren, jedenfalls nicht während des Rundgangs im Museum. Auch den Klang einer Runebomme, einer traditionellen Trommel der Samen der Finnmark, ist beim Besuch des Ringve Museums nicht zu vernehmen.

Der Klang zählt

Schließlich präsentiert man in der ständigen Sammlung Instrumente, die man danach zusammengestellt hat, wie ihr Klang entsteht, unter anderem Saiteninstrumente, selbstklingende Instrumente, Trommeln im weitesten Sinne wie die Dombak von der Arabischen Halbinsel sowie Elektrophone wie das berührungslos gespielte Theremin, bei dem der Sound durch elektromagnetische Felder gesteuert wird.

Trondheim, Ringvemuseum

Nur ein Sammlerstück: eine Violine aus Porzellan

Bei Bachkes Zuhause

Nach wie vor gibt es den Herrensitz mit seinen historistisch ausgestalteten Räumlichkeiten, durch die man mit musikalischer Begleitung geführt wird. Hier sind auch die Musikinstrumente zu sehen, die Viktoria Bachke auf ihren Reisen durch Europa sammelte. Ein wesentlicher Teil des Rundgangs konzentriert sich auf die Entwicklung des Klaviers und dessen Verwandte, Harpsichord und Klavichord. Das Harpsichord mit zwei Tastaturreihen war im 17. und 18. Jahrhundert das wohl bedeutendste Tasteninstrument. Man kann vielleicht Bach darauf spielen, aber wohl kaum Beethoven, wie meine Begleiterin Ranghild erläuterte. Das Clavichord hingegen ist ein Tasteninstrument, das sehr leise klingt und daher nicht als Orchesterinstrument geeignet ist. Eine Variation der Lautstärke durch starkes Anschlagen der Tasten erzeugt nur schiefe, aber keine lauteren Töne. Zum Klingen wird während des Besuchs auch eine Hausorgel gebracht, deren Blasebalg durch Fußtritte in Bewegung gesetzt werden muss, um dem Instrument Töne zu entlocken. Angespielt wird zudem ein Hammerklavier, dem man sehr weiche Töne entlocken kann. Statt Fußpedalen hat das im Haus befindliche Hammerklavier Kniepedale – und das macht das Spielen nicht gerade einfach.

Trondheim, Ringvemuseum

Im "Ehrenhof" des Herrensitzes Ringve

Neben den Tasteninstrumenten wird aber auch auf die verschiedenen Saiteninstrumente eingegangen, die man im Bachke-Haus findet, so auch die Viola d'amore, die in ihrem Bau länger und breiter als eine Bratsche ist. Die vor allem in der Volksmusik sehr populäre Hardangerfiedel gehört außerdem zur Sammlung. Im Gegensatz zur Violine ist deren Hals kürzer und auch der Klangkörper ist schmaler, sodass man leichter Akkorde greifen kann.

Trondheim, Ringvemuseum

Ein historischer Musikautomat

Erfindungen, die sich nicht immer durchsetzen

Wenn man durch das Haus geführt wird, wird man auch mit der Entwicklung von Musikinstrumenten konfrontiert. Besonders in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann vor allem in Norwegen der Siegeszug des Harmoniums, das im Klang der Orgel sehr ähnlich ist. Das Harmonium ersetzte in Kirchen kleinerer norwegischer Orte teilweise die kostspieligen Orgeln. Eine der Erfindungen des 19. Jahrhunderts ist das in Frankreich entwickelte, unförmige Cecilium, das wie ein Cello gehalten wird. Über Druckknöpfe am Instrumentenhals werden die Töne erzeugt. Dass man bei einem Klavier statt der Tastatur mit 88 Noten auch eine andere Tastatur nutzen kann, unterstreicht die alternative Jankó-Klaviatur mit 264 vertikal angeordneten Tasten. Bei dieser Tastatur kann eine Note von drei Tasten gespielt werden. Paul von Jankó, Mathematiker und Musiker, erdachte sich diese Neuerung des Klaviers, allerdings blieb der erhoffte Erfolg leider aus.

Informationen
http://ringve.no/de/


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