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Schlafen im Himmelbett oder Alkoven

Auf Brudevolltunet, Ørstas ältestem Bauernhof vom Anfang des 17. Jahrhunderts, wird das alte Leben auf dem Lande bei Familientagen wieder lebendig. Im Wohnhaus spinnen Frauen in Tracht Schafwolle, vor der Schmiede werden Hufeisen geformt, auf einer riesigen Steinplatte, die seit mehreren Jahrhunderten draußen auf dem Hof als Tisch dient, „Rømmegrøt“ serviert: Rahmgrütze mit Zimt und Zucker, Rosinen und „Spekemat“ – Schafswurst und getrocknetem Schinken. In Rekkedal restaurierten Margrethe und Bjarne Rekkedal ihren Bauernhof, der seit 1604 im Besitz der Familie ist, zum stilvollen Gästehaus im authentischen Ambiente. Geschlafen wird im Himmelbett oder Alkoven, zum Waschen müssen Krug und Schale genügen.

Norwegen Sunnmoere Brudevoltunet
Brudevolltunet: weites Tal

Ivar Aasen kannte fast alle Höfe und Dörfer im alten Norwegen. 24 Jahre lang – von 1842-1868 – wanderte er bei Wind und Wetter durch das Land und sammelte Sprachen. Akribisch notierte er Dialekte, hielt Mundarten fest – und formte am Ende seiner Reise die erste norwegische Schriftsprache: Landsmål. Seit 1929 wird die Kunstsprache als „Nynorsk“ gleichberechtigt neben Bokmål, das aus dem Dänischen stammt, verwendet. Das sorgt für Spannungen im kleinen Königreich. Marit Neergard vom Ivar Aasen-Zentrum von Hovdebygda erläutert: “Bokmål steht für Business, Politik, die Hauptstadt Oslo. Nynorsk lebt in der Literatur, prägt die Erziehung – und das Leben in Sunnmørsalpen.“

Kaiser Wilhelms Badewanne

Die Ursprünglichkeit dieser Landschaft aus Fjell und Fjord, bekrönt von eisglitzernden Gletschern, begeisterte um die Jahrhundertwende auch die europäische Aristokratie. Für sie entstand 1891 im kleinen Örtchen Øye am Hjørundsfjorden das Hotel Union, eine Prunk-Residenz der Belle Epoque. Bereits im ersten Jahr nächtigen Königin Wilhelmina der Niederlande, König Oskar II., Königin Maud und König Haakon VII. in den Himmelbetten. Kaiser Wilhelm II. wurde Stammgast. Bis 1914 kam er jedes Jahr. In seinem Zimmer lädt seine Originalwanne heute gut betuchte Gäste zum Bade: ein schwerer, schwarzer Bottich, verziert mit den goldenen Initialen des letzten deutschen Kaisers.

Norwegen Sunnmoere alesund
Ålesund

Ålesund, das Tor zu Sunnmøre, ist Wilhelm II. bis heute dankbar. Als 1904 ein verheerender Großbrand fast die ganze Stadt in Schutt und Asche legte, war er der Erste, der neben Geld vier Schiffe mit Baumaterial nach Norwegen entsandte. Der Wiederaufbau erfolgte nicht in Holz, sondern im Geschmack der Zeit – Steinhäusern im Jugendstil. Sie verwandelten den größten Fischereihafen Norwegens in ein architektonisches Kleinod – und Pflichtstopp der Kreuzfahrtschiffe auf der Hurtigruten.

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