DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Kraxeln und Balancieren

Wandern durch die Wildnis der Fjordberge hat nichts mit den perfekt präparierten Pfaden der Alpen gemeinsam. Das zeigt sich tags darauf am Kolåstinden, mit 1432 Metern einer der höchsten Gipfel von Sunnmøre. Christer führt auf einem Trampelpfad, zu dessen Seiten es modrig gluckert, über weich federnden Boden voller Moos, Heide und Morast. Nassgraue Felsbrocken, mit Flechten überzogen, stellen sich in den Weg. Als Wegweiser dient ein Bachbett. Plötzlich stapeln sich Granitkolosse zu einer Felswand auf. Hände und Füße suchen Halt; verkrallen sich in Vorsprünge und Nischen. Langsam, sehr langsam, geht es weiter bergauf. Auf der Hochebene reduzieren sich die Farben auf Grau und Grün in allen Schattierungen. Die Sonne sticht vom wolkenlosen Himmel. Noch einmal Kraxeln, Balancieren, eine letzte Kehre. Weißgrau leuchtet der Gletscher des Kolåstinden im Hochtal. Blaue Glockenblumen setzten Farbtupfer im Steingrau. Stille. Nur das Gletscherwasser gurgelt leise über die Steine, wächst zum Bach, bricht als breiter Fall 20 Meter tief ins Kvanndalen-Tal.

Norwegen Sunnmoere Kvanndalen
Kraxeln in Kvanndalen

Unbändig war auch die Naturgewalt am 26. Mai 1908. Damals ergoss sich eine Steinlawine im Norangsdalen und staute den Lyng-Fluss zu einem See, der langsam eine Alm mit neun Häusern versinken ließ. Noch heute sind im grünklaren Wasser der alte Dorfweg und Mauerreste zu erkennen. Ausgelöscht wurde auch Rise bei Sæbø. Eine 400 Meter breite Schneelawine begrub das Dorf und drei Bewohner 1968 unter sich. Erhalten blieb einzig ein Treppenaufgang in der Einsamkeit.

Norwegen Sunnmoere Alm
Eine Alm in Kvanndalen

Plötzlich zerreißt ein donnerndes Echo die Stille. Der örtliche Schützenverein hat auf Papp-Elche geschossen und Schafe aufgeschreckt. Über Heidekraut und moosbewachsene Felsen flüchten sie zur Stavbergsetra-Alm. Unter breiten Grasdächern ducken sich die neun Almhütten an eine Felswand, als suchten sie selbst in der Wildnis Schutz. Bis auf eine Hütte scheint alles verwaist – die Sennwirtschaft, von der einst Milch und Butter an Durchreisende verkauft wurden, dient heute nur einer alten Bäuerin als Sommersitz.

Reiseinformationen zu diesem Reiseziel

Reiseveranstalter Norwegen




 

Twitter
RSS