Die Alpen am Fjord
Wandern und Klettern im norwegischen Sunnmøre
Text und Fotos: Hilke Maunder

Tiefblaue Fjorde, alpine Felsen, glitzernde Gletscher
und sattgrüne Täler: Beim Wandern in den Sunnmørsalpen präsentiert
sich Norwegen als Bilderbuchidylle.
Die Fjordregion an der Westküste Norwegens liegt abseits der Touristenrouten,
auf halbem Wege zwischen Bergen und Trondheim. Als Wikinger eroberten ihre
Bewohner Frankreich, heute widmen sich die „Schwaben Norwegens“ dem
Möbeldesign, der Fischzucht und dem Tourismus. Bereits um 1880 entdeckten
britische Bergsteiger die Schönheit der „Alpen am Meer“.
Begeistert schrieb William Cecil Slingsby nach einem Aufstieg zum Gipfel
des Slogen (1564 m) am 12. August 1884 in sein Buch: „Der stolzeste
Ausblick in Europa“. Heute enthält die Wanderkarte der Region
mehr als hundert Streckenvorschläge – von einfachen Trekkingtouren
bis zu ambitionierten Klettersteigen für Kraxler.

Ein stolzer Ausblick
Christer Lundberg Nes ist Bergführer, Lawinenexperte, Survival-Profi
und Outdoor-Freak und auf dem Weg zum Helgehornet, dem Ausflugsberg von Ørsta.
Von der 623 Meter hohen Kuppe öffnet sich ein 360-Grad-Panorama auf
einen Ring tiefblauer Fjorde, die die Sunnmørsalpen umschließen.
Bis zu 1700 Meter hoch steigen die Gipfel steil vom Fjordufer auf, zerfurchte
Felshänge aus Gneis und Granit. Zwischen den Bergen winden sich Wildbäche,
hier und da glitzert ein kleiner See im Sonnenlicht. Eine Wandergruppe
pflückt Heidelbeeren und Moltebeeren zwischen den Heidesträuchern.
Mehr als zwei Stunden hatte sie für den Aufstieg gebraucht, Halt gesucht
an Sträuchern und Felsen. Ein wenig bewundernd blickt sie nun auf
die Norweger, die mühelos und flott den Querfeldeinmarsch in der Hälfte
der Zeit bewältigen.