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Nach den vielen technischen Informationen sausen wir zu unserem Hotel direkt am Fjord. „Syklist velkommen“, Radfahrer willkommen, steht da auf einer Tafel vor dem Hotel Voringfoss. Hungrig suchen wir nach unseren Tischen im Restaurant. Wenn ein Tisch frei ist, dann ist er „ledig“. Wenn oft behauptet wird, dass sich Norwegen keine kulinarischen Meriten verdiene, so finden wir das ganz und gar nicht. Kostproben vom Buffet: „Laks“ natürlich, Stockfisch, Seeteufel, Lammschinken, Geitost, ein karamellisierter Ziegenkäse, und Moltebeeren. Und Getränke? Hier wohnen die Kaffeetrinkweltmeister, glaube ich jedenfalls.

Norwegen - Stavanger-Bergen - Troll
Troll im Souvenirgeschäft

Die kleinen Gerichte heißen Småretter und die warmen Hauptgerichte Middagsretter. Unseren Mittagshunger rettet Matthias. Regelmäßig. Er fährt mit dem Wagen voraus und bereitet ein fantastisches Picknick im dunklen Tann, an einem bläulichen Fjord, neben Angelbooten: Da liegen die Herrlichkeiten ausgebreitet. Ich stürze mich auf Birnencider und Joghurt mit Moltebeeren. Finger abgeleckt, Fahrradhandschuhe übergestreift und nun, den Trollen sei Dank, den Hügel hinunter. Hyggelig!

Die Hardangervidda

Norwegen - Stavanger-Bergen - Fahrradverlade in die Bergenbahn
Fahrräder einladen in die Bergenbahn

Damit es uns nicht zu hügelig wird, bringt uns ein Omnibus auf die Hardangervidda, wo wir die legendäre Bergenbahn nehmen, um den Rallarvegen zu erreichen. Dieser Weg war einst der Versorgungsweg für die Wanderarbeiter (norwegisch: Rallare) an der Bahnstrecke und wird heute als Radweg benutzt. Die Hardangervidda, eine 7500 qkm große Hochebene und damit das größte Hochplateau Nordeuropas, wirkt karg, rau und weit, fast wähnt man sich in der Tundra: Stein, Moos, Brechbirken, Moorseen in länglicher Form, Bäche, Flüsse und beeindruckende Panoramen.

Norwegen - Stavanger-Bergen - Rallarvegen
Auf dem Rallarvegen auf der Hardangervidda (von Hallingskeid nach Flåm)

Der Radweg führt eine unbefestigte Schotterstraße entlang und wir rollen vorsichtig, denn auch im Sommer liegt hier noch etwas Schnee, nach einem kleinen Anstieg abwärts durch grandiose Landschaften bis nach Flåm am Ende des Aurlandsfjords.  Ein Kreuzfahrtschiff, ein Riesenpott, legt gerade ab, tutet dreimal und wendet auf der Stelle. Ich bremse scharf ab und sehe dem Spektakel mit offenem Mund staunend zu.

Norwegen - Stavanger-Bergen - Flam
Riesenpott in Flåm

Staunen können wir auch auf der letzten der sieben Etappen: Über die Flåmsbahn. Auf 20,20 km Länge bringt sie uns von der Talstation in Flåm, die auf 2 m ü. d. M. liegt, mit Stopp am sagenumwobenen Kjosfossen-Wasserfall auf 866 m nach Myrdal. Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst mit 20 Tunnels und 5 % Steigung. Nun heißt es für uns wieder rauf aufs Rad und runter durch kleine Dörfer mit weinroten Holzhäuschen, vorbei an dunkelgrünen Wäldern, störrischen Kühen und Schafen bis nach Voss, 57 m. ü. d. M. „Freie Fahrt!“, sagt Georg, „Jeder, wie er will!“. Da kann nichts schief gehen, denn einer von uns bildet immer die Nachhut und wartet auch an Kreuzungen auf etwaige Nachzügler, wie bei einer großen Familie.  Denn nur allzu oft möchte man, ja muss man Fotos machen. Schon wieder ein Hügel, ein Berg. Wirklich hyggelig! Wobei hyggelig nicht hügelig bedeutet, es sei endlich verraten, sondern nett, gemütlich, angenehm.

Norwegen - Bergen
Bergen, Kneipen im Stadtteil Bryggen

Die Bergenbahn bringt uns ab Voss das letzte Stück des Wegs bis Bergen. Die angeblich regenreichste Stadt Europas empfängt uns mit strahlendem Sonnenschein. Hunderte von Menschen bevölkern in der Abendsonne die schicken Straßenkneipen, das Leben pulst, fatøl (Fassbier) und lettøl (Dünnbier) machen die Runde. Auch auf dem Fischmarkt, Torget genannt, wo frische Garnelen aus der Tüte besonders lecker schmecken. Der Stockfisch, getrockneter Kabeljau, hängt meist kopfunter, jedoch ohne Kopf. Sieben Minuten nur braucht die Fløibanen hinauf auf den Hausberg Fløyen. Von hier aus versuchen wir die sieben Berge und die sieben Fjorde, an denen Bergen angeblich liegt, zu erspähen. Unten liegt unser wunderhübsches Hotel Havnekontoret, in dem früher die Hafenbehörde ihren Sitz hatte. Gleich nebenan der Stadtteil Bryggen mit den 280 spitzgiebeligen bunten Holzhäusern der Hanse am Kai.  Sie gehören zu den von der UNESCO zertifizierten „Kulturdenkmälern der Menschheit“. Im Hanseatischen Museum kann man mehr über Handel und Leben der Hanse erfahren. Getrockneter Fisch wurde hier gegen Leinen, Salz, Bier, Getreide und dergleichen mehr getauscht und auf Hansekoggen nach Lübeck gebracht. Lübeck? Auch für uns heißt es nun Abschied nehmen, wenn auch nicht auf einer Kogge. Norwegen, adjø! Es war echt hyggelig!

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