DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Stabkirchen – einzigartig auf der Welt

Die Drachenköpfe der dunklen Holzkonstruktion heben sich vor dem blauen Himmel ab. Sie zieren die Dachfirsten der Stabkirche Borgund. In mehreren Stufen bis dicht über den Boden reichen die Pultdächer, die den Stabkirchen ihr charakteristisches Aussehen verleihen. Zum Schutz gegen das rauhe Klima sind sie komplett mit kleinen Schindeln gedeckt, so daß sie einem Schuppentier gleichen.
In den düsteren Innenraum dringt nur durch die wenigen "Bullaugen" hoch oben in der Decke ein wenig Licht herein, wie Strahlen von Scheinwerfern.

Die Stabkirche von Borgund, unmittelbar an der Europastraße 16 nahe dem Sognefjord, zählt zu den schönsten Beispielen in Norwegen. Sie hat die Jahrhunderte so gut überdauert, daß sie bei der Restaurierung vieler anderer Stabkirchen als Vorbild diente.

Norwegenll41.jpg (21952 Byte)
Die Stabkirche Borgund

Die kleinen geschuppten Bauernkirchen entstanden gegen Ende der Wikingerepoche zwischen dem 11. und 13. Jh. in Süd- und Mittelnorwegen. Nur 28 der einst ca. 1000 Stabkirchen sind heute noch erhalten. Als reine Holzkonstruktionen waren sie sehr stark durch Brand gefährdet und dem Zahn der Zeit besonders ausgeliefert. Holz war seinerzeit das gebräuchlichste Baumaterial und die norwegischen Zimmerleute Meister ihres Faches.

Die Axt war bei den Zimmerleuten das wichtigste Werkzeug

Stabkirchen wurden im Baukastensystem ohne Metallschrauben oder -nägel zusammengesetzt: Auf einem Steinfundament liegt ein Rahmen aus schweren Holzbalken. Solide Eckpfosten wurden in geschickter Klammertechnik mit dem Rahmen verzahnt, senkrechte Planken im Nut und Feder - Prinzip füllen die Zwischenräume aus.

Bei einem Blick in die Dachkonstruktion der Kirche scheint die Schiffsbautechnik weiterzuleben. Diagonale Andreaskreuze steifen das Gebälk ab, geschickte Verstrebungen geben Stabilität. Die Konstruktion ruht im wesentlichen auf den Masten, die mittschiffs in die Höhe ragen (1,4,8,12 oder 20 Masten). Durch das hoch aufgetürmte Dach erinnern die norwegischen Stabkirchen an asiatische Pagoden. Das treppenförmige Dach zieht sich tief über den Svalgang herunter, in dem man die Waffen ablegte, aber auch wichtige Geschäfte abschloß. Von hier nahmen Aussätzige und andere Menschen, die mit christlichen Gesetzen in Konflikt geraten waren, am Gottesdienst teil.

Drachenköpfe und mystische Sagengestalten

Sie verzieren die Kirchen vom Portal bis zum First und dienten wohl ebenso wie die hohe Eingangsschwelle dazu, Dämonen vom Gotteshaus fernzuhalten. Anleihen an romanische Baukunst (Apsiden, einige Kapitelle) sind nicht zu übersehen.

Innen sind die meisten Stabkirchen sehr schlicht und heute noch etwas düster. Zum Teil schmückte Rosenmalerei die Wände, mitunter wurde der Chor mit Bildteppichen ausgekleidet. Fenster verwendete man erst nach der Reformation, als viele Stabkirchen erweitert und stark umgebaut wurden, häufig kam dann auch eine Empore hinzu.

Stabkirchen liegen oft an ehemals heidnischen Opfer- und Thingplätzen an Fjordufern oder abgelegen in der Natur. Einige wurden von Privatleuten aufgekauft und so vor dem Verfall gerettet und sind heute Stolz der Freilichtmuseen.

Die größte Stabkirche, Heddal, nahe der Industriestadt Notodden liegt direkt neben der stark befahrenen Querverbindung RV11. Sie stammt aus der Mitte des 13. Jahrhunderts; eine grundlegende Restaurierung im 19. Jh. veränderte besonders den Innenraum. Letzte Restaurierung Mitte der 50 er Jahre. Schöne Schnitzereien schmücken die Portale.

Die Urnes - Stabkirche am Lusterfjord, einem Seitenarm des Sognefjords, weist die schönsten Details auf; sie geht auf das Jahr 1060 zurück; wenn auch von dieser ersten Kirche nur das heutige Nordportal erhalten blieb, das für seine Schnitzereien berühmt ist.

Zu den kleineren Stabkirchen zählt die Eidsborg - Kirche in Telemark aus dem Anfang des 13. Jh., die ausgesprochen hübsch in die Natur eingebettet liegt. Das tief heruntergezogene Schindeldach und die schon angegriffenen Portalschnitzereien geben ihr eine besondere Note.

Original getreu restauriert wurde die Stabkirche von Gol, die heute im Freilichtmuseum auf Bygdøy (Oslo) steht und ein Nachbau im Ort Gol. Die Stabkirche bei Bergen in Fantoft brannte 1992 vollkommen ab und wurde in mühevoller Kleinarbeit wieder aufgebaut. Sehr schön restauriert ist auch die Hopperstad - Kirche bei Vik am Sognefjord.

Prachtvolle Portale von längst verfallenen Stabkirchen kann man im Nationalmuseum in Oslo betrachten.

Reiseveranstalter Norwegen




 

Twitter
RSS