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Pulverturm und Bastionen

Das  Osloer Schloss Akershus

Am Hafen von Oslo steht Akershus, eine mittelalterliche Burganlage, die zu einer Renaissanceschlossanlage umgestaltet und mit einem Festungswerk umgeben wurde. Fest verwurzelt im Felsen und über die Klippen ragend erhebt sich das Verteidigungswerk von Oslo. Dass wir von dem Bestehen der Burganlage im Jahr 1300 wissen, liegt an einem Dokument, das König Håkon V. Magnusson zugeschrieben wird. Nach dessen Wunsch sollte ein Teil dieses Dokuments, dabei handelt es sich um eine Geschenkurkunde, in „Akernese“ (gemeint ist das heutige Akershus) archiviert werden. Zu vermuten ist, dass unter dem oben genannten Monarchen bis 1319 die heutige Burgausdehnung existiert haben muss.

Schloss Akershus, Oslo

Akershus von der Seeseite aus

Schloss Akershus, Oslo, Blauer TurmDie einstige Vorburg des Mittelalters, Stallhof genannt, wurde im 16. Jahrhundert zu einer Batterie ausgebaut, die mit Kanonen bestückt wurde. Ringmauern sind ebenso Zeugnisse der mittelalterlichen Burganlage wie der Jungfrauenturm, der die Stelle bezeichnet, an der sich ursprünglich das Burgtor mit der Zugbrücke befunden hatte. Neben dem Nordflügel mit der Margaretha- und der Olavshalle besteht ein Südflügel, an den sich das königliche Mausoleum anschließt. Wie der Jungfrauenturm so ist der mit einem Spitzhelm bedeckte Blaue Turm (s. Foto) nicht zu übersehen. Neben einem Verlies für Gefangene existieren auf der Burg ein Butter- und ein Salzkeller sowie ein Burgfried, der zum inneren Burghof gehört. Allerdings zeugen nur noch Spuren von diesem Teil der Burganlage. Im Burginneren befindet sich außerdem eine Brunnenanlage - im Falle einer Belagerung sehr wichtig für das Überleben der Burgbesatzung. Luxus, gar königlichen Luxus hat es auf Akershus wie auch auf anderen mittelalterlichen Burganlagen nie gegeben. Es war im Winter kalt und aufgrund der kleinen Fenster in den dicken Mauern oft dunkel.

Unter Christian IV.
Unter der Regentschaft von Christian IV. (1588-1648) wurde die Burg zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Wer die Säle der Anlage besucht, wird eine Ausstattung vorfinden, die mit dem Mittelalter nichts mehr gemein hat, so auch im Saal Christian IV., der in der 1.Hälfte des 18.Jahrhunderts vollständig verändert wurde. In der südlichen und nördlichen Schreibstube, so genannt, obgleich nie als solche gebraucht, sehen wir unter anderem eine „Porträtgalerie“. Unter den Porträtierten ist auch der norwegische Seeheld und Vize-Admiral Peter Tordenskiold, der nach einem Duell vor den Toren Hannovers im Morgengrauen des 12. November 1720 in den Armen seines Kammerdieners an den Schussverletzungen starb. Die nördliche Schreibstube wurde zeitweilig als Gästezimmer genutzt. 1699 dienten die Räume als Getreidespeicher. Auch der sogenannte Margarethasaal hat im Verlauf der Geschichte verschiedenen Zwecken gedient: Zu Beginn des 19.Jahrhunderts war dieser Saal der erste Standort der Unibibliothek. Nach historischen Vorlagen wurde das Wergeland-Büro eingerichtet. Hier arbeitete der erste Reichsantiquar des Landes, der Dichter Henrik Wergeland. Zum Schluss werfen wir noch einen Blick in die Olavshalle, von der man annimmt, dass dies die Königshalle gewesen ist.

Schloss Akershus, Oslo, Norwegen

Blick auf die Olafshalle

Bastionen und Batterien
Dass die Anlage im Laufe der Geschichte der Entwicklung der Waffentechnik entsprechend umgebaut wurde, sei kurz angerissen: Bastionen und Batterien, darunter die im 16.Jh. entstandenen Batterien des Königs und der Königin wurden an der Nordseite des Befestigungswerks erbaut. Niederländische Festungsbaumeister waren im 17.Jahrhundert damit beauftragt, unter anderem die Bastion des Prinzen und den Pulverturm zu konzipieren. Am Ende des 17.Jahrhunderts fügte man ein sogenanntes Hornwerk im Norden an. 1716 hatte das Festungswerk seine größte Ausdehnung, nachdem gen Westen ein umfassendes Bastionssystem errichtet worden war.

Widerstand und Kollaboration
Bis heute untersteht die Verteidigungsanlage dem norwegischen Verteidigungsminister. Das Festungswerk beherbergt das Widerstandsmuseum mit seiner thematischen Präsentation über den norwegischen Widerstand und das Militärgeschichtliche Museum, das sich mit der Militärgeschichte des Landes befasst. Die Wikingerzeit wird ebenso behandelt wie die Union mit Schweden, der deutsche Einmarsch vom 9. April 1940 und die Seeschlachten während des Zweiten Weltkriegs. Beim Besuch des Widerstandsmuseums wird man als deutscher Besucher auch mit Themen wie „Gefängnisse und KZ in Norwegen“ oder die „Norwegische Nazipartei“ konfrontiert. Ja, es gab Kollaboration und Anhänger der Naziideologie. 9000 Norweger wurden, so erfahren wir, in Konzentrationslager außerhalb Norwegens deportiert. 1400 von ihnen starben, darunter viele Norweger mosaischen Glaubens. In einer Zelle des Gefängnisses Nr. 19 Møllergaten kann man sich in die Situation von Gefangenen der Gestapo versetzen lassen. Die legendäre Operation "Schweres Wasser“, bei der durch Sabotage und Bombardement die Anlage Vermonk zerstört wurde, ist ein weiteres Kapitel, das im Widerstandsmuseum aufgeschlagen wird. Außerdem sind „Finnmark in Flammen“ und „8. Mai 1945 – Frieden“ Teil der sehenswerten Geschichtsausstellung.

Wer die Wachablösung der königlichen Garde auf der Festung erleben will, sollte sich gegen 13.30 Uhr einfinden.

Informationen
Akershus festning
0150 Oslo
www.mil.no/felles/ak (auch in Englisch)

Militärgeschichtl. Museum (Forsvarsmuseet)
Nedre Akershus festning
0015 Oslo
www.fmu.mil.no (auch in deutsch)

Norwegisches Widerstandsmuseum (Norges Hjemmefrontmuseum)
Bygning 21, Akershus Festning
0015 Oslo
http://www.mil.no/felles/nhm/start/eng/

 


 

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