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Zu Besuch bei "Madame Bongo"

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"Madame Bongo", die über 70 Jahre alte Samin, erwartet uns bereits in ihrem Lavvu, dem traditionellen Zelt der einstigen Nomaden, das einem nordamerikanischen Tipi gleicht. Beißender Qualm empfängt uns, nachdem wir gebückt den Innenraum betreten. Um das Feuer sind Rentierfelle ausgebreitet, der Wind zerrt an der Plane, von oben dringt etwas Licht herein. Gegen den blauen Himmel zeichnen sich die Stangen aus Birkenholz ab, die das weiße Baumwolltuch halten. Wir werden mit einer geschnitzten Holztasse voll dampfendem Kaffee begrüßt, den uns die alte Dame mit einem Lächeln aus dem großen Kessel eingießt. Ihr Gesicht ist gezeichnet von der rauhen Natur Lapplands. Die Bänder ihrer roten Haube hängen offen herab. Ab und zu kneift sie die Augen zu, um den Rauch abzuwenden. Selbstgebackener Kuchen macht die Runde. Mich interessiert, wie sie das Leben damals empfunden hat, als Kind. Nach einer Weile des Schweigens beginnt sie zu erzählen, wie sie mit ihrer Familie von den Winterweiden an die Küste zog. Alles ohne Snowscooter, ohne die Tiere mit Helikopter zu treiben, ohne sie mit Schiffen über die Fjorde zu transportieren. Sie liefen auf Ski neben der Herde her, hatten ihr Hab und Gut auf Rentierschlitten gebunden, abends wurde das Lavvu aufgeschlagen und Brennholz gesucht. Heute möchte sie freilich nicht mehr tauschen und auf die Annehmlichkeiten verzichten, doch das Leben in der großen Gemeinschaft vermißt sie sehr, der Zusammenhalt, die Geschichten am Feuer... Aus dem großen Topf über dem Feuer serviert sie uns, während sie erzählt, Bidos - ein Eintopf aus Kartoffeln mit viel Rentierfleisch - ursprünglich ein Festessen, das zu Hochzeiten oder anderen großen Familienfeiern aufgetischt wurde.

Reiseveranstalter Norwegen




 

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