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Ski Alpin auf der Sonnenseite

Wintersport in Hovden (Norwegen)

Text und Fotos: Hilke Maunder

Norwegen - Blick auf Hovden
Blick auf Hovden

“Wir sind auf der Sonnenseite der Hardangervidda”, freut sich Marketingchef Frode Buen. Und statt mir lange die Vorzüge des Skidorfes Hovden am Besuchersofa seines Büros zu erklären, geht’s gleich hinaus zum Hovden Alpinsenter am Fuße des rund 1.200 m hohen Hausberges Nos, dessen Flanke sogar eine FIS-Strecke schmückt, an der nachmittags die Schüler des Skigymnasiums Slalom und Super G trainieren. Zu Füßen der Bergstation gibt’s im Lagg-Shop von Tobias Nomeland-Strømsøe zum Kaufen und Leihen das passende Equipment für alle Gleitsportarten.

Norwegen - Hovden - Tobias Nomeland-Strømsøe
Tobias Nomeland-Strømsøe

Der 35-Jährige, der einst selbst im Weltcup-Zirkus unterwegs war, hat in Hovden seine Frau und eine neue Heimat gefunden – und hofft, dass sein Geschäft wie der Skiort, der brummt und expandiert, auch mitwachsen wird. Mitunter ist er dabei seiner Zeit voraus. Sein Tidligt Ski, sein Pistenfun für Frühaufsteher mit leckerem Frühstück in den Morgenstunden vor der offiziellen Liftöffnung, wurde 2011 nicht wie erwartet angenommen, und daher erst einmal nicht wiederholt. Umso größere Hoffnung verbindet er – wie Hovden – mit dem neuen Lift, der zur Wintersaison 2012/13 Hovden und Breive noch besser miteinander verbindet – und damit weiteres herrliches Tiefschnee-Terrain zum ohnehin schon sehr vielfältigen, großen Offpiste-Angebot an die Skischaukel anbindet.

Norwegen - Hovden - Skipiste

Die präparierten Pisten addieren sich zu insgesamt 34 Kilometer Länge, was im Vergleich zu den Megaskigebieten der Alpen klein erscheint – aber völlig ausreicht für einen abwechslungsreichen Skitag. Denn wer fährt tatsächlich die 650 Pistenkilometer der Portes du Soleil ab, die man mit den teuren Skipasspreisen tagtäglich bezahlt?

Norwegen - Hovden

Vier schwarze, zwölf rote, neun blaue und neun grüne Pisten, verbunden mit acht Liften, ergänzt durch einen Freeride-Park mit Halfpipes, Rails und Jumps und einem Kinderland (“Tusseland”) mit tierischer Waldpiste, Slalomhang und Hindernisparcours lassen selbst eine Ferienwoche wie im Fluge vergeht. Und das mehr als familienfreundlich – verloren geht im übersichtlichen Terrain wohl kaum niemand. Und so saust der Nachwuchs hier durch die kleinen Wäldchen mit Krüppeltannen und windzerzausten Birkenbäumchen, die links und rechts die planierte Piste säumen, umkurvt die Stämme und verwandelt den natürlichen Windschutz im Laufe des Winters in wilde Buckellandschaften. Andere lockt die abgesteckte Slalompiste an der dorfseitigen Flanke des markanten Hausbergs „Nos“, wo Steinar Hals und Vidar Bachmann Norwegens Nachwuchsrennläufer trainieren – Schüler des Skigymnasiums, das 1991 gegründet wurde und heute zu den besten Einrichtungen des Königreichs gehört.

Norwegen - Hovden - Pistenhinweise
Pistenwegweiser

Bereits 1968 schwebte der erste Sessellift zur 1183 m hohen Kuppe des „Nos“, dessen Nordseite drei schwarze Pisten erschließen, die ihre Markierung verdient haben: steil, im oberen Teil eisig und schmal, im weiteren Verlauf weiter und buckliger. Doch auch ganz gemütlich geht’s ins Tal zurück: auf der grünen Piste mit der Nummer elf – einer wahren Autobahn für Genussfahrer, die lieber die Landschaft betrachten als den Zustand des Schnees, den sie durchfahren. Den Anschluss an das Breivegebiet im Westen des Nos schafft eine Piste, die eher ein Ziehweg ist: Wer nicht mit Schwung auf die grüne Piste 23 fährt, darf sich mit Stockeinsatz vorwärts schieben – und das meist bei Gegenwind.... Für die Anstrengungen entschädigt jedoch die Piste: Das Breivegebiet ist deutlich weniger frequentiert als das Terrain mit Blick auf Hovden, aber landschaftlich fast noch eindrucksvoller: im Tale der vereiste See, der bläulich schimmert, am Horizont ein Mosaik aus schneebedeckten Kuppen gleicher Höhen. Und wenn im Frühjahr der Schnee sich so langsam verabschiedet, ist er im Breivegebiet immer noch ein wenig üppiger vorhanden – und griffiger.

Jüngster Neuzugang der Skischaukel Hovden – Breive ist die Verbindung zum 1119 m hohe Hovdenuten, von dessen Gipfel zwei neue, je 1300 m lange Pisten in anspruchsvollem Terrain hinter zum Breiveskardet-Pass und von dort aus weiter zur 450 m entfernten Talstation des Breiveekspressen führen. Den Anschluss an die Talstation des Vestheisen-Lifts und den Serviceeinrichtungen des Hovden Alpinsenter schafft eine 1600 m lange Piste vorbei am Hüttengebiet Hovdenut Alpin. „Durch diese Erweiterungen werden alle Alpingebiete von Hovden miteinander verknüpft“. Frode Buen ist zufrieden. Ein ganz entscheidender Schritt wurde geschafft, und sein Fernziel ist wieder ein Stück näher gerückt: das Hovden Alpinsenter zum besten Skigebiet Norwegens auszubauen. Und wer jetzt am Abend immer noch nicht vom Alpinski nicht genug hat: Von halb sieben bis nachts um Zehn erhellt Flutlicht den Hang, während das nahe Badeland mit Reifenrutsche, Wasserfällen und Wellness im Spa etwaige Ansätze von Muskelkater vertreibt. Bis morgen wieder die Piste lockt.

Norwegen - Hovden - Skihütte

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