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Majestätische Natur auf königlichen Spuren

 Vom Geirangerfjord zur Vogelinsel Runde in Norwegen

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Norwegen - Geirangerfjord

Wer zum Skagefla (1) hinauf will, hat einen anstrengenden Anstieg vor sich – vom Ufer des Geirangerfjords geht es auf steinigen Pfaden steil bergauf, entlang von Felswänden und durch knorrige Wälder. Heute wird dieser Weg nur von Touristen zurückgelegt, doch bis vor rund fünfzig Jahren lebten in den kleinen Höfen im Geirangerfjord noch Menschen, meist in Großfamilien. Der Skagefla einer der bedeutendsten Ziegenhöfe im Fjord, wurde allerdings bereits 1916 aufgegeben. Heute steht das restaurierte Gebäudeensemble leer, es ist jedoch gut erhalten. Rund um die mit Gras bewachsenen Dächern versehenen Holzhäuser findet sich eine Alm, die den Wanderern einen Panoramablick über den majestätischen Geirangerfjord bietet – einen der schönsten Fjorde Norwegens, der seit 2005 zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Seit der Geirangerfjord ins Weltnaturerbe aufgenommen wurde, hat sich einiges getan: viele der Wanderwege und Steige an den Ufern des Fjordes, der von bis zu 1000 Meter hohen Bergen umgeben ist, wurden gesichert, gesäubert, markiert und beschildert. Wer den Aufstieg zum Skagefla antritt, wandelt dabei sogar auf königlichen Spuren – denn die norwegische Königin Sonja und König Harald feierten hier ihre Silberhochzeit.

Norwegen - Geirangerfjord - Häuser mit Gras bewachsenen Dächern

Das Wandern zu Wasserfällen und einsamen Höfen ist nicht die einzige Möglichkeit, in Geiranger und Umgebung aktiv zu werden. Wer sich nicht mit der Kraft der Beine, sondern durch die Bewegung seiner Arme fortbewegen will, für den empfiehlt sich eine Fjord-Tour im Seekajak. Jeremy Bishop, ein Naturbursche, der ursprünglich aus Minnesota stammt, hält das Boot beim Einsteigen und zeigt, an welcher Leine man ziehen muss, um das Steuerruder nach unten zu klappen. Das Wasser ist spiegelglatt und kaum wellig, erst später, als ein Fährschiff vorbei fährt, fängt es leicht an zu schaukeln. Mit dem Seekajak kommt man nah an die steil nach oben ragenden Felswände heran, auch die bekanntesten Wasserfälle des Fjords, die Sieben Schwestern, der Brautschleier und der Freier, sind ohne große Anstrengung zu erreichen. Wenn die Tour durch das Fjordende Appetit macht auf mehr, lässt sich am Geirangerfjord und in seinen Nachbarfjorden auch ein ganzer Kajakurlaub verbringen. Urlaubsgäste können vom Ort Geiranger (2), der ganz am Ende des Fjords liegt, bis zur 120 Kilometer entfernten Küstenstadt Ålesund (3) paddeln. Mit etwas Glück begegnen sie auf dieser geführten Tour nicht nur den Postschiffen der norwegischen Hurtigruten, sondern auch dem einen oder anderen Schweinswal.

Norwegen - Geirangerfjord - Wasserfall

Ein Besuch in Ålesund

Einer der Pioniere der „Nordlandfahrten“ war übrigens Kaiser Wilhelm II, der mit seiner Yacht Hohenzollern den Geirangerfjord gleich acht Mal aufgesucht haben soll. Wie oft er in Ålesund war, ist hingegen unklar. Doch die Küstenstadt, die von 1904 bis 1907 nach einem Brand komplett neu aufgebaut wurde und so zur schönsten Jugendstilstadt Norwegens wurde, hält des Kaisers Andenken in Ehren. Die Ålesunder haben Kaiser Wilhelm ein Denkmal gesetzt und eine Straße nach ihm benannt – denn im Jahr 1904 war er einer der ersten, der nach der Feuersbrunst Lebensmittel, Decken, Medikamente und Baumaterialien schickte. Wer eine Zeitreise unternehmen möchte in die Epoche des Stadtbrandes, der am 23. Januar 1904 durch eine Öllampe ausgelöst wurde, die in einer Margarinefabrik in der Nähe des Ålesunder Hafens umgefallen war, der sollte das Jugendstil-Zentrum besuchen, das im Gebäude der 1907 erbauten Schwanenapotheke untergebracht ist – dort sind Berichte von Zeitzeugen gesammelt, die an die Zeit der Katastrophe erinnern.

Norwegen - Geirangerfjord - Alesund

Die Inseln vor Ålesund

Eine überwältigende Aussicht auf Ålesund hat man vom Hausberg der Stadt, dem Aksla, der über 418 Stufen erklommen werden kann. Von dort blickt man nicht nur auf die auf drei Inseln gelegene Stadt und auf die umliegenden Inseln, sondern auch auf die nahe gelegenen Sunnmøre-Alpen. In der Umgebung Ålesunds finden sich mehrere bewohnte Inseln, die mit der Stadt durch Brücken und Tunnel verbunden sind. Touristisch interessant sind die Inseln Valderøy (4), Giske (5) und Godoy (6), auf denen sich Berge, Höhlen, Wikingergräber und Strände befinden. Auch dort wandelt man auf königlichen Spuren, denn aus der Gemeinde Giske stammt der Wikingerheld Gange-Rolv, auch Rollo genannt, der im Jahr 911 das französische Herzogtum Normandie gründete. Er gilt als Stammvater von Wilhelm dem Eroberer – und damit als Vorfahre des britischen Königshauses.

Norwegen - Geirangerfjord - Alesund

Königliche Spuren anderer Art bietet die Insel Godoy, denn dort lebt der berühmte skandinavische Landschaftsmaler Ornulf Opdahl, dessen Bilder von den rasch wechselnden Lichtstimmungen an der norwegischen Westküste inspiriert sind und zuweilen auch im unter Denkmalschutz stehenden Leuchtturm des Ortes Alnes ausgestellt werden. Ornulf Opdahl, der lange auch Hochschullehrer war, ist heute Zeichenlehrer und künstlerischer Mentor der norwegischen Königin Sonja, die ihn bereits mehrmals auf der Insel Godoy besucht hat. Der 22,5 Meter hohe weiß-rote Leuchtturm im Fischerdorf Alnes an der Nordspitze der Insel lohnt in den Sommermonaten jedoch auch ohne Kunstausstellung einen Besuch. Während der Vormittag meist Gruppenreisenden und Kreuzfahrtgästen vorbehalten ist, hat der Leuchtturm und das angegliederte kleine Cafe, das hervorragende Kuchen und Waffeln serviert, nachmittags für jedermann geöffnet. Hervorgegangen ist der Leuchtturm, der 1876 gebaut wurde, aus einem um 1852 errichteten „Fischerfeuer“, das damals mit einer Tranlampe betrieben wurde.

Norwegen - Geirangerfjord - Leuchtturm auf der Insel Godoy

Auf der Vogelinsel Runde

Für Naturfreunde ein Muss ist ein Abstecher zur Vogelinsel Runde (7), die noch ein ganzes Stück weiter südwestlich liegt. Im Frühsommer, vor allem in der Zeit von April bis Juli, finden sich hier mehr als 170.000 Brutvogelpaare, darunter zahlreiche Papageientaucher, Basstölpel und Raubmöwen, die in den umliegenden Gewässern überreichlich Nahrung finden. Knut Asle Goksøyr, der auf der Insel aufgewachsen ist, kennt Runde wie kaum ein anderer, er weiß, wie man sich per Boot dem Steilufer nähert und auf welchem Weg man den knapp 300 Meter hohen Inselfelsen erklimmt. Und er sorgt sich zuweilen, dass zu viele Tagestouristen der Insel schaden können. „Wir möchten nicht, dass Runde so überlaufen wird wie Geiranger“, versichert Goksøyr, dem Einzelreisende als Gäste lieber sind als Großgruppen. Doch Knut Asle Goksøyr weiß auch, dass auf Runde nicht nur die Papageientaucher weniger werden, sondern auch die Menschen. In den 60er Jahren des vergangen Jahrhunderts hatte die Insel 330 Einwohner, heute sind es weniger als 100. „Mit meinen 59 Jahren zähle ich hier noch zur Jugend“, berichtet Goksøyr, der auf Runde einen Campingplatz betreibt. Sein Sohn freilich wohnt in der Stadt - denn allein von frischer Luft und spektakulärer Landschaft lässt sich schlecht leben. Und einen Goldschatz findet man bei der Insel nicht alle Tage – auch wenn Knut Asle Goksøyr stolz einige Münzen vorzeigt, die im Juli 1972 von Sporttauchern gefunden wurden. Diese entdeckten das Wrack eines niederländischen Schiffes, das 19 Kisten mit Gold- und Silbermünzen an Bord hatte, als es am 8. März 1725 wegen eines Sturmes an den Klippen vor der Insel zerschellte.

Norwegen - Geirangerfjord - Vogelinsel Runde

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