DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Sein Leben sind die Hunde

Interview mit Sven Engholm

Norwegen051.jpg (21502 Byte)
Mit Sven Engholm unterwegs

Sven Engholm, bester Hundeschlittenführer Europas, lebt in Lappland bei Karasjok. Im hohen Norden, wo die weite Finnmarksvidda länger als ein halbes Jahr in Schnee gehüllt ist, hat er die besten Bedingungen gefunden, um Huskys zu züchten und seiner Leidenschaft als dogmusher nachzugehen.

* Sven Engholm, Sie haben bereits über ein Dutzend Mal den "Finnmarksløpet", das Langstreckenrennen von Karasjok nach Alta gewonnen, das zu den schwersten in Europa zählt. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Das ist schwer zu sagen. Es spielt sicher eine wichtige Rolle, daß ich mich in dem Gelände zu Hause fühle, zudem habe ich gute Hunde.

* Wie lange dauert das Rennen?

Meine Bestzeit war 5 Tage und 12 Stunden. Doch dieses Jahr, als ich wegen dem Iditarod Race in Alaska nicht teilnehmen konnte, wurde ein sehr schnelles Rennen gefahren. Ich bin deshalb gespannt, wie ich das nächste Jahr abschneiden werde.

* In Alaska haben Sie bei dem Iditarod Race, das schwerste der Welt, als Newcomer Platz 20 belegt, obwohl Sie schon am Anfang viel Pech hatten.

Ja, gleich zu Beginn hat ein Elch fünf meiner elf Hunde, darunter die besten Leittiere angegriffen und schwer verletzt. Gerade als ich mein Gewehr zum Schuß erhob, stoppte er, stand still und trabte dann wieder in den Wald. Zwei Hunde mußte ich später einschläfern lassen, die anderen drei konnten noch operiert werden. Ob sie jemals wieder einen Schlitten ziehen können, das wird sich erst herausstellen.

* Jeder andere hätte in Ihrer Situation das Rennen aufgegeben, doch Sie sind trotz dieser Verluste weiter gefahren.

Richtig, ich wollte das Rennen unbedingt beenden, selbst wenn ich die Hunde hätte tragen müssen.

* Sven Engholm, Sie sind Schwede aus dem Süden, was hat Sie veranlaßt im hohen Norden zu leben?

Es ist die Weite der Finnmarksvidda, die menschenleere Natur, das Outdoor-feeling. Hier kann ich das leben, was mir gefällt.

* Wie kamen Sie dazu Hundeschlitten zu fahren, also ein dogmusher zu werden?

Meinen ersten Hund hatte ich bereits Ende der 70er Jahre, doch den richtigen "Kick" bekam ich in Grönland. Anfangs luden wir unser Gepäck auf den Schlitten und meine Frau Ellen und ich fuhren mit den Ski, doch 1978 schon stand ich selbst hinten auf dem Schlitten.

* Wieviele Hunde halten Sie im Kennel?

Momentan sind es 56, darunter 16 Junge, die im letzten Jahr geboren wurden.

Norwegen052.jpg (18329 Byte)

* Wie lange werden die Husky als Schlittenhunde benutzt?

Wenn sie gesund sind können sie lange den Schlitten ziehen. In Skandinavien dürfen die Hunde allerdings nicht älter als neun Jahre sein, in Deutschland oder den USA gilt diese Regel nicht. Ich trainiere die Hunde in den ersten zweieinhalb Jahren und verkaufe einen erfahrenen Schlittenhund dann mit etwa sieben Jahren.

* Alle Ihre Blockhütten für die Besucher hier in Karasjok sind sehr liebevoll eingerichtet und persönlich dekoriert.

Ja, Ellen und mir ist es wichtig, das die Besucher sich bei uns wohl fühlen. Manche Gegenstände stammen aus Sibirien. Das war 1995 eine sehr außergewöhnliche Tour für mich.

* Wie sind Sie dazu gekommen?

Mehr durch Zufall. Die Expedition durch Sibirien war bereits einige Zeit unterwegs, dann hatte sich ein musher so schwer verletzt, daß er nicht weiterfahren konnte. Sie hatten mich gefragt, ob ich für ihn einspringen kann. Ich mußte mich schnell entscheiden, meine Sachen packen und starten. Sibirien ist schon ein ganz spezielles Land, das Problematischste war die Versorgung. Da waren die Sowjets schon in den 50er Jahren in der Lage den Mond von der Rückseite zu fotografieren, doch in Sibirien ist bis heute kein Toilettenpapier aufzutreiben.

* Was würden Sie Interessenten empfehlen, die eine Tour mit den Schlittenhunden in der Finnmark erleben wollen?

Ich biete zwei Möglichkeiten an: entweder warm eingepackt in einem Schlitten mitzufahren, der von einem musher gesteuert wird, oder nach kurzer Einführung selber ein Team von 4-8 Hunden zu führen. Letzteres wird besonders von Deutschen und Österreichern bevorzugt.

* Welche Zeit halten Sie für die schönste?

Für mich ist die schönste Zeit die "Mørketide" um Weihnachten. Das ist etwas ganz Spezielles, obwohl oder gerade weil es nicht hell wird. Doch durch die Reflexion vom Mondlicht und den Sternen im Schnee wird es nie stockfinster. Wenn dann noch die Nordlichter am Himmel flackern - und das passiert sehr oft, dann ist es faszinierend. Anfängern macht allerdings die extreme Kälte sehr zu schaffen. Die andere Zeit beginnt nach Ostern, wenn es schon länger hell ist als im Süden und die Schlitten über den Firn gleiten. Bei den Standardtouren übernachten wir in einfachen Berghütten. Bei der zwölf Tage dauernden Fahrt zum Nordkap, die zu meinem extremsten Tourangebot gehört, müssen wir in Zelten schlafen und essen, weil die Tour teilweise tagelang durch einsame Gebiete führt. Für den, der diese außergewöhnliche Urlaubsvariante in Lappland erst einmal testen möchte, bieten wir auch kurze Touren mit ein oder zwei Übernachtungen an.

* Nun kommen die meisten Urlauber allerdings im Sommer in den Norden, um die Zeit der Mitternachtssonne zu erleben und das Nordkap zu sehen. Haben Sie dann auch ein Angebot?

Ja, Sie können jederzeit unseren Kennel besuchen und bei uns in den Hütten übernachten, um zu sehen, wie die Hunde trainiert werden. Zu meinen Sommeraktivitäten gehören Wanderungen über die Vidda, wobei die Hunde einen Großteil des Gepäcks tragen. 15 Kilogramm pro Hund ist eine ganze Menge, wenn Sie bedenken, daß die Tiere nur etwa 20-25 Kilogramm wiegen. Wir bieten aber auch Fahrten mit dem Kanu an, womit wir hinaus zum Goldwaschen fahren, dafür ist Lappland bekannt.

* Was sind ihre persönlichen Pläne und Ziele?

Mir macht die Arbeit mit den Touristen viel Spaß und ich möchte weiterhin spannende Touren ausarbeiten. Die Rennen sind mein Hobby und ich hoffe noch einmal einen Sponsor zu finden, um in Alaska einen besseren Platz zu erreichen. Doch das ist schwer in Skandinavien.

Sven Engholm, vielen Dank für das Interview.

Reiseveranstalter Norwegen




 

Twitter
RSS