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Reiseführer Bergen

Tour 4: Ein Besuch bei Edvard Grieg und Ole Bull (Teil 3)

Ein Mekka des traditionellen Bootsbaus

Ein Mekka des traditionellen Bootsbaus ist Os mit den Oselvarverkstaden. Bis heute werden hier die traditionellen Boote – genannt Oselvar – gebaut. Es sind windschnittige Holzboote, die bereits die Wikinger herstellten. Sie können mit Riemen gerudert werden oder aber mit einem Bermudasegel in See stechen. Die ältesten Funde derartiger Boote gehen auf das erste bis sechste Jahrhundert zurück. Die Tradition des Bootsbaus in Os und Sunnhordland lässt sich bis auf das 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Bis zu den Napoleonischen Kriegen blühte der Export dieser Boote auf die Shetland- und Orkney-Insel, wo sie in der Fischerei zum Einsatz kamen. Seit 1977 knüpft man in den Oselvarverkstaden an die alte Tradition des Holzschiffsbaus wieder an. Nach wie vor ist die Bootselle das Maß für den Bau. Dabei entspricht eine Bootselle 55 Zentimeter. Unterschiedliche Bootstypen gab und gibt es, so das mit vier Riemen ausgestattete „færing“ mit einer Größe von neun bis elf Bootsellen, sprich 4,95 bis 6,05 Metern Länge. Aber es werden auch solche mit sechs Riemen und größerer Länge gebaut. Schiffe zum Lastentransport hatten eine Länge von elf Metern. Das færing wurde insbesondere im Sommer für den Fischfang auf hoher See eingesetzt, sonst nur für die küstennahe Fischerei mit Handleinen. Nicht nur in der Fischerei fand das Boot Verwendung, sondern auch als schnelles Regattaboot. Ende des 19. Jahrhunderts wurden erstmals einmal im Jahr Rennen mit Oselvar ausgetragen. Im Hafen des Solstrand-Hotels dümpeln derartige Boote im Wasser.

Solstrand-Hotel, Norwegen

Wohnen mit Stil: Solstrand Hotel

Ein Hotel mit Stil

Ohne die Dampfschifffahrt und die Eisenbahnverbindung von Bergen nach Os hätte das Solstrand Hotel nie den Erfolg gehabt, den es hatte. Als das Hotel 1896 fertiggestellt war – man hatte es in einfachem schweizer Landhausstil an einer Bucht des Bjørnefjords erbaut und es in helles Gelb getaucht – strömten die Bergenser und andere Gäste hierher. Charles W. Wood veröffentlichte 1903 in London seine norwegischen Reiseimpressionen und lobte das Hotel in höchsten Tönen. Mit der Bahn fuhr Wood nach Os und begeisterte sich an dem sich bietenden wundervollen Blick auf den Fjord. Weder Molde noch irgendein anderer Flecken in Norwegen, so der Autor, komme diesem romantischen Plätzchen am Bjørnefjord nahe: „It was romantic his highest degree“, sind die Zeilen, die Wood schrieb. Wie begehrt die Gegend am Fjord für wohlhabende Bergenser war, unterstreicht die Tatsache, dass sich auch der Reeder und spätere norwegische Staatsminister Johann Ludvig Mowinckels in der Gegend eine Sommerresidenz hat errichten lassen.

Die ersten Gäste des  Hotels – es bestand aus vier zusammenhängen Giebelhäusern, die zur Seeseite mit Balkons ausgestattet waren –, waren norwegische Großstädter und einige Engländer, die besonders hofiert wurden, waren sie doch seltene Gäste in Norwegen. Gleich zu Beginn des Hotelbetriebs war die kurze Saison mit Sonntagsgästen ein finanzielles Fiasko. Doch das Haus wurde immer populärer, wenn auch kaiserlicher Besuch wie in Balestrand ausblieb. Die Nähe zu den Villen von Grieg und Bull zog mehr und mehr Städter hierher.

Heute erstrahlt das historische Hotel in neuem Glanz und ist um Neubauten ergänzt worden, die die Schweizer Landhausarchitektur modern aufgreifen. Mit einem Wellnessangebot und Fitnessbereich – verschiedene Saunen und ein großer Pool sind vorhanden – zieht man Gäste an, die sich verwöhnen lassen wollen. Allerdings behält sich die heutige Hotelbesitzerin, die auf Exklusivität Wert legt, vor, welche Gäste sie aufnimmt. Eine Preisliste sucht man vergeblich. Nur die Zimmerauswahl von Standard bis Suite ist möglich.

Bootshäuser am Björnefjord, Norwegen

Bootshäuser am Bjørnefjord

Wer sich sportlich betätigen will, kann in ein Oselvar steigern und sich in die Riemen legen oder das Kajakfahren auf dem Bjørnefjord erlernen. Aber auch einfach nur vor dem Hotel im Liegestuhl zu liegen, den Sonnenaufgang zu erleben oder in Ruhe ein Buch lesen, sind Optionen.


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