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Reiseführer Bergen

Tour 4: Ein Besuch bei Edvard Grieg und Ole Bull (Teil 2)

Troldhaugen – hier war Norwegens bekanntester Komponist zuhause

Die Villa des Komponisten Edvard Grieg ist im ausgehenden 19. Jahrhundert im Schweizer Landhausstil errichtet worden. Lindgrün sind die Fensterlaibungen und die Kanten und Dachgiebelbretter gehalten, während die übrige Fassade cremefarben erscheint. Auf dem Belvedere ließ Grieg eine Hose flattern, wollte er mit seinem Freund, dem Advokaten und Musiker Frants Beyer, in die Berge ziehen. Vor allem der Hardangervidder hatte es dem nur 1,52 Meter großen Komponisten angetan. Hierher zog sich der melancholische und kränkliche Grieg häufig zurück. Hut, Umhängetasche und Spazierstock nahm er dazu mit. Sie sind nun im Grieg-Museum ebenso zu sehen wie eine Locke des Schöpfers von „Peer Gynt“.

Troldhaugen, Grieg, Norwegen

Betritt man die Grieg-Villa, so steht man zunächst in der heute zum Erinnerungszimmer umgestalteten Küche. Neben Zeichnungen, die Grieg mit seinem buschigen Haar und seinem breiten Schnauzer zeigen, ist auch ein Porträt von Hendrik Ibsen zu entdecken. Die Zeichnungen stammen alle von Erik Werenskold, der für die Illustration norwegischer Volksmärchen bekannt ist. Auf einem Foto sieht man Edvard Grieg am Flügel und seine Frau Nina neben ihm.

Das anschließende Esszimmer strahlt den ländlichen norwegischen Stil aus, wie er sich in der mit Hardanger-Mustern verzierten Tischdecke widerspiegelt. Das Gemälde „Spielende Kinder“ erinnert daran, dass das Ehepaar Grieg ihre einzige Tochter Alexandra mit 13 Monaten verloren und sich so sehr weitere Kinder gewünscht hatte. Doch dieser Wunsch blieb unerfüllt. Schaut man sich weiter um, so sieht man ein Porträt von Nina Grieg, einer begnadeten Sängerin, die zusammen mit ihrem Mann oft auf Reisen war. Während eines Romaufenthalts trafen sie den Malerfürsten Franz von Lenbach, der nicht nur Nina zeichnete, sondern auch von Edvard Grieg ein Porträt schuf, dass allerdings skizzenhaft und unvollendet erscheint. Dieses Porträt befindet sich mit anderen Exponaten im eigens eingerichteten Grieg-Museum.

Anhand einer Zeitleiste vor der eigentlichen Ausstellung kann man im Grieg-Museum den Werdegang des Komponisten verfolgen und sie mit anderen Daten der Zeitgeschichte in Beziehung bringen. Man erfährt zum Beispiel, dass Grieg in Rom nicht nur von Lenbach getroffen hat, sondern auch Franz Liszt. Neben seinen Bergwelttouren mit Frants Beyer unternahm Grieg 1886 eine Tour mit dem Dichter Holger Drachmann nach Jotunheimen. Von ihm hatte Grieg sechs Gedichte vertont, darunter „Julesne“.

Aus Grieg Zitaten entnehmen wir, dass er nie die Absicht hatte, sich mit Bach, Mozart und Beethoven auf eine Stufe zu stellen, die Werke für die Ewigkeit geschaffen haben. Grieg sagte über seine Arbeit: „Ich habe Stücke für meine Zeit und für meine Generation geschrieben.“

Während der Besucher durch die Ausstellung geht, erklingt Musik von Grieg, so auch die Holberg-Suite. Das Taufkleid Griegs ist ebenso zu sehen wie der Taufeintrag in einem Kirchenbuch. Thematisiert wird in der Schau die Zeit Griegs in Leipzig, wo er gemeinsam mit seinem Bruder ab 1858 für vier Jahre lebte und studierte, sowie die Jahre in Kopenhagen von 1863 bis 1865. Neben dem Foto von Nina mit der Tochter Alexandra auf dem Schoß sind Griegs Reiseeindrücke zu sehen, allesamt Schwarz-Weiß-Fotos unter anderem vom Schiefen Turm von Pisa und von Florenz.

Dass Grieg nicht frei von Marotten war, belegen die Maskottchen, ein roter Troll und ein Schweinchen, denen Grieg vor dem Zubettgehen Gute Nacht sagte. Der silberne Lorbeerkranz, den Grieg bei einem Pragaufenthalt 1903 erhielt, ist ebenso ausgestellt wie das Schreibset, das ihn auf Reisen begleitete.


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