Endlich Galicien und endlich wieder Regen! Das saftige Grün der Hügel lässt kaum auf trockene Zeiten hoffen. Eine letzte Übernachtung im Streckendorf Gonzar, Dutzende von Senken und Hunderte von beschwerlichen Buckeln trennen uns von Santiago. Kurz vor dem Ziel ist es vorbei mit frischem Eukalyptusduft, im Verkehrsstrom schlucken wir Abgase und thronen plötzlich, auf dem Gozo-Berg, über dem reichlich provinziell wirkenden Santiago de Compostela. An dieser Stelle sanken viele Wallfahrer einst in die Knie und zogen hinunter, das Pilgerlied »Ultreia« singend, in die Stadt, die neben Rom und Jerusalem wichtigstes Pilgerziel im Abendland war. Nach der Hinrichtung Jakobus' (Santiago) im Jahre 44 gelangte sein Leichnam in einem Boot nach Galicien und wurde dort bestattet - so ist es überliefert. Die Kunde vom Fund des Apostelgrabes verbreitete sich zu Beginn des neunten Jahrhunderts wie ein Lauffeuer in Europa; die Mönche von Cluny organisierten erste Pilgerfahrten.

Pilger mit dem
Rad auf dem Kathedralvorplatz in
Santiago de Compostela
Heute laufen in Santiago alle Fäden auf dem Kathedralvorplatz zusammen. Wir steigen vom Rad und lassen uns im Schein der Nachmittagssonne nieder. Ein versöhnlicher Abschluss. Es herrscht babylonisches Sprachgewirr, Devotionalienhändler schwirren umher, überall Fußpilger, einige Fahrräder. Dann der Eintritt ins prachtvolle Gotteshaus. Romanische Rundbögen, Kapellen mit reichgeschmückten Altären, Spendendosen und Blumengebinde. Blitzlichter zucken, Wallfahrer treten ein mit geschulterten Rucksäcken. Es riecht nach Schweiß und Weihrauch.

Apostel-Figur
in der Kathedrale von
Santiago de Compostela
Abstieg in die Krypta zum Apostelgrab und hinauf zum thronenden Jakobus am Hochaltar. Den Rücken der Heiligenfigur darf man berühren und küssen. Unter den gestrengen Blicken des Wachpersonals.
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