
Text und Foto: Andreas Drouve
Eine Vielzahl von Höhlen durchlöchert das Baskenland beidseits der spanisch-französischen Grenze. Die Grotte von Zugarramurdi war vor Jahrhunderten Schauplatz von akelarres, den nächtlichen Zusammenkünften von Hexen.
Unter Blätterdächern von Buchen führt die Steintreppe geradewegs hinab in die »Kathedrale des Teufels«. So nennt der Volksmund die Höhle von Zugarramurdi, ein verschlafenes spanisches Bauerndorf 25 km südöstlich des französischen Küstenstädtchens St-Jean-de-Luz.

die Höhle von Zugarramurdi
Auf schlüpfrigem Boden folgt man dem Weg hinein in den schwarzen Schlund: die Hauptgrotte, ein gigantischer Tunnel durch Karstgestein, 120 Meter lang und bis zu 12 Meter hoch, durchzogen vom Bachlauf Arotzarena. Es gurgelt und gluckst und riecht nach Moder. Ein treffender Rahmen für den Blick ins Buch der Geschichte...
Wir schreiben das Jahr 1610. In Europa grassiert der Hexenwahn. Unschuldige Frauen verlieren ihr Hab und Gut, werden eingekerkert, gefoltert, verbrannt, ertränkt oder geköpft. Das Baskenland bildet keine Ausnahme. Als Vertreter des Tribunals von Logroño trifft in jenem Jahre der Inquisitor Juan del Valle Alvarado in Zugarramurdi ein. Über Denunziationen geht er den vermeintlichen Hexenversammlungen, den akelarres, in der örtlichen Höhle nach und häuft Daten und »Fakten« zu 300 beschuldigten Personen an. Von den 40 vorläufig als schuldig befundenen verurteilen die Richter beim Hexenprozess von Logroño im November 1610 zwölf zum Tod auf dem Scheiterhaufen - vor 30 000 Schaulustigen auf dem zentralen Platz. In den Anklagen tauchen nicht nur Teufelsbuhlschaft und schwarze Messen, sondern selbst die Verzauberung des Meeres auf. Man legt ihnen den Einfluss auf atlantische Stürme zur Last, bei denen die Boote nicht den Weg zurück in den nahen Hafen von St-Jean-de-Luz gefunden hatten.
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