Obwohl vor den Toren Belfasts gelegen ist Antrims Küste - selbst als die sogenannten Troubles noch täglich mit Autobomben und Heckenschützen Schlagzeilen machten - Lichtjahre vom Nordirlandkonflikt entfernt. Entlang der Klippen und Buchten regierten niemals IRA (Irisch Republikanische Armee) noch die loyalistischen UFF (Ulster Freedom Fighters) und UDA (Ulster Defense Armee), sondern einzig die Elemente: Feuer, Wind, Wasser und Eis. Lava speiende Vulkane und eiszeitliche Gletscher schufen und gestalteten einst die rund 100 Kilometer lange Küste und ihre neun Täler, die legendären Glens of Antrim.

Blick auf einen Teil der
Glens of Antrim
Heute sind die Glens of Antrim das Juwel unter den Naturschätzen Irlands und ein ideales Wandergebiet. Ihre Namen, Glenarm, Glencloy, Glenariff, Glenballymon, Glenaan, Glencorp und Glendun sowie Glenshesk und Glentaisie im Norden sind gälischen Ursprungs. Jedes Tal hat sein Küstendorf und seinen kleinen Hafen. Dennoch gleicht kein Glen dem anderen. Das schönste von ihnen mit der perfektesten glazialen U-Form ist Glenariff, das Tal der "pflügbaren Erde". Es ist eingefaßt von einer Reihe schroffer, steil vom wilden Hochmoor abfallender Felsen. Kräftig gelber Stechginster leckt zu ihnen hinauf, während die flacheren Hänge und der sich zum Meer hin weitende Talgrund vom grünen Schachbrettmuster der Schafweiden geprägt ist. Trockene Steinmauern und Hecken umsäumen die grünen Wiesen.

Am bewaldeten Ende von Glenariff im Südwesten entspringen dem Hochplateau zwei Bäche. Sie bilden die herrlichen Glenariff-Wasserfälle und vereinigen sich später zum Fluß Ariff, der das Tal in der Mitte teilt.
Eigentlich gruben die Eiszeitgletscher noch ein zehntes U-Tal in die Hochebenen und Berge von Antrim. Doch Glenravel, das "Tal der Wurzeln", zählt traditionell nicht zu den berühmten Glens, weil es sich nicht nach Osten oder Norden hin zum Meer, sondern landeinwärts nach Westen entwässert. Schließlich war über Jahrtausende hinweg das Leben an der Küste von Antrim generell nach Osten, nach Schottland hin ausgerichtet. An der engsten Stelle ist Antrim nur etwa zwanzig Kilometer vom Mull of Kintyre entfernt.
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