Reisemagazin schwarzaufweiss

Texel-Schafe, Dünensand und Strandgutsammler

Ein Wochenende auf Texel

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Die Marinestadt Den Helder mit ihren historischen Kasernen, die nun das Marinemuseum beherbergen, liegt hinter uns. Die „Seereise“ mit der Fähre war kurz, begleitet von einigen kreischenden Möwen, die im Aufwind neben der Fähre in den Lüften segelten. Schon von Weitem sieht man den weiten Sandstrand an der Westküste der Insel und erkennt die sanften „Höhenzüge“ der Dünen. Angelandet kann man gleich aufs Fahrrad steigen, um die Insel zu erleben. Ja, bereits am Fährhafen reiht sich Leihfahrrad an Leihfahrrad. In den Sattel geschwungen und dann in die Pedale getreten – mit Gangschaltung ein Kinderspiel –, so kann man nun jeden Winkel der Insel erkunden. Den Burg, den Hoorn, der Nationalpark Dünen von Texel, aber auch Ecomare oder das Museum der Strandräuber und Seefahrer warten auf uns. Na dann, das Hollandfahrrad gesattelt und los geht es!

Keine Burg weit und breit

Niederlande - Texel

Beginnen wir mit unserer Erkundung in dem Ort Den Burg (1), wo wir weit und breit keine Burg, aber einen mittelalterlich anmutenden ringförmigen Straßenverlauf vorfinden. Doch von einer Stadtmauer oder gar einem Graben zum Schutz des Ortes vor Angriffen, ist nichts zu sehen. Kern der Gemeinde ist der Groeneplaats, der Marktplatz. Steht da nicht auch eine kleine Markthalle am Rande des Platzes? Nein es ist keine Markthalle, sondern die alte Waage, in der Waren wie Käse gewogen und dann nach Gewicht besteuert wurden. Ins Auge springt auch das Polderhaus, im Stil der sogenannten Amsterdamer Schule erbaut. Das Haus diente ursprünglich als Genossenschaftsbank. Eine Kuh, ein Schaf und das Wappen von Texel sind der Zierrat des Hausgiebels. Das am Rande des Platzes stehende Het Schoutenhuys ist wegen seines im 17. Jahrhundert erbauten Treppengiebels und den Wappen von Texel und Burg nicht zu übersehen. Das heute als Restaurant genutzte Haus gilt als eines der ältesten Häuser auf Texel. Carpaccio von geräuchertem Rinderrumpsteak mit hausgemachtem Pesto, Salat mit Räucherlachs und Krabben oder Salat aus „vergessenen Gemüsesorten“ sowie gebackenen Texel-Shitake-Pilzen sind nur einige Gaumenfreuden, die man im „Schulzenhaus“ serviert. Und wie schaut der Hauptgang aus? Heilbutt in Senfkruste vielleicht? Oder soll's doch Schweinefiletspieß in Erdnusssoße mit Kroepoek sein? Gibt es etwa nicht das Nationalgericht unserer Nachbarn? Pfannkuchen süß oder deftig? Traditionell isst man hier Texeler Pfannkuchen mit Texeler Käse und Lammschinken. Dazu ein bernsteinfarbenes Bier aus Texel gefällig?

Dass man auf Texel mehr Schafe hält, als es Einwohner gibt, kann man kaum glauben. Doch es ist wahr. In zahlreichen Geschäften findet man kleine und große Texel-Schafe, von Schafsfellen mal ganz abgesehen. Überhaupt, Shopping scheint in Den Burg ein Thema zu sein, auch und gerade jenseits von gängigen Modeläden wie Bonita oder C&A.

Niederlande - Texel - Den Burg

Schlendert man durch die schmalen Gassen, drängt sich zudem der Eindruck auf, dass man in jedem zweiten Haus an Lukullusjünger gedacht hat. Bei schönstem Sonnenschein sind kaum noch Plätze vor den Cafés des Städtchens zu bekommen. Een Kopje Koffie oder Koffie verkeerd und dazu Hoornderring – das wär's doch, oder? Und was ist Hoornderring? Eine Art Butterkuchen mit Spekulatiusgewürzen und Mandelsplittern!

Niederlande - Texel - Den Burg

Wer durch Den Burg bummelt, wird Kurioses entdecken, so einen goldenen Frosch als Hauszeichen – hier zeigt man heute das aktuelle Kinoprogramm der Insel. Nicht zu übersehen ist die backsteinerne, neogotische katholische Kirche. Das auffällige backsteinerne, dreiachsige Herrenhaus in der Weverstraat gehörte einst drei ledigen Schwestern aus einer überaus reichen Bauernfamilie. Es wird berichtet, die drei Damen hätte von Den Burg nach De Koog laufen können, ohne fremden Boden zu betreten.

Wenn die Sonne scheint, dann ist es aber nach dem Stadtbummel unbedingt Zeit, eine Eisdiele aufzusuchen. Vielleicht den Ijssalon Parelinos, der Zucker und Kuhmilch freies Eis anbietet? Allerdings Eis mit Sanddorn auf Schafsmilchbasis wird vom starken Geschmack der Schafsmilch dominiert, sodass die fein-herbe Sanddornnote zu kurz kommt. Aber wie wäre es denn mit Kokos- oder Karamell-Eis? Völlig abgedreht ist allerdings die Note Meerrettich, die der Eismacher Willem Roeper auch in seinem Speiseeisangebot hat.

Kühe wie aus der Designerwerkstatt

Niederlande - Texel - Kühe

Verlassen wir Den Burg und radeln in südwestlicher Richtung nach Den Hoorn (2), dann durchqueren wir eine sattgrüne Polderlandschaft. Hier und da stehen Bauerngehöfte, die durch ihre hohen Pyramidendächer auffallen, sich aber ansonsten tief in die Landschaft ducken. Weiße und braune Texel-Schafe grasen friedlich inmitten der sattgrünen Polder. Vor dem Wind schützen sie sich, indem sie die Ostseite der Schafställe aufsuchen. Diese mit Reet gedeckten Stallungen stehen in West-Ostrichtung. Die verschalte Stallseite ist die Ostseite, während sich das mit Reet gedeckte Dach gen Westen richtet. Doch was sind das denn für gestreifte Wiederkäuer? Sie sehen wie modische Designerkühe aus. Wüsste man es nicht besser, so meinte man, diese Kühe hätte eine künstliche Tricolore-Fellfärbung erhalten: Schwarz-Weiß-Schwarz und Braun-Weiß-Braun ist das Fell der Lakenvelder Rinder, einer bedrohten Haustierrasse, die man in kleinen Herden auf Texel antrifft.

Vorhang auf für Den Hoorn

Niederlande - Texel - Klifhanger

Kunstsinnig ist Den Hoorn, gibt es doch hier alle zwei Jahre ein Kunstfestival mit Kunst im öffentlichen Raum, Klifhanger genannt. Zudem ist Den Hoorn der einzige Inselort, in dem gleichfalls alle zwei Jahre „Wohnzimmer-Theater“ gespielt wird. Drei Tage lang öffnen Einwohner des Ortes ihr Haus, damit es zur Theaterbühne gemacht werden kann.

Niederlande - Texel - Den Hoorn

Und was entdecken wir sonst in Den Hoorn? Die weiß getünchte Schmiede mit dem tannengrünen Holzgiebel war einmal eine Schuhmacherei, ehe Gijsbert Kiljan hier Eisen schmiedete. Das ebenso in der Straße Diek gelegene und um 1700 errichtete Gehöft „De Ark“ wurde 1970 in Ferienwohnungen umgebaut. Dass ein Mitglied der Besitzerfamilie im Jahr 1870 in die Garde des damaligen Papstes eintrat, scheint eine historische Kuriosität in den überwiegend protestantischen Niederlanden. Nahebei stößt man auf das ehemalige Gehöft „Op Diek“ (1739), das unterdessen als Hotel genutzt wird. Hinter einem gelblich-braunen Backsteinbau aus dem Jahr 1624 verbargen sich einst Armenwohnungen, aber das ist lange her. Auch ein Institut zur Werbung für Flaschenpost finden wir in der Straße Diek. Auf das 15. Jahrhundert geht der Bau der Kirche zurück, die 1571 durch Seeräuber zerstört wurde. Seit 1602 dient der Kirchturm als Seezeichen; kein Wunder, ist doch der weiß getünchte Turm mit seiner Galerie unter dem Spitzhelm weithin sichtbar.

Niederlande - Texel - Kirche in Den Hoorn

Schon wieder Appetit? Na dann sollte man in „Klif 23“ einkehren und vielleicht Lammeintopf genießen. In der Nachbarschaft zu diesem Restaurant stehen einige Lotsenhäuser mit tannengrünen Holzgiebeln. Im 17. und 18. Jahrhundert, während der Blütezeit der niederländischen Seefahrt, lebten in Den Hoorn 99 Lotsen. Mit der Einrichtung eines staatlichen Lotsendienstes verschwanden die einheimischen Lotsen mehr und mehr. Übrig geblieben sind nur die ehemaligen Wohnhäuser dieser Lotsen.

Geschützte Dünen an der Westküste

Zwischen Robbengat und dem roten Leuchtturm am Rande der Eierlandsche Duinen im Norden und Molengat im Süden erstreckt sich eine kilometerlange sandige Landschaft, teilweise durchzogen von Strauchheideflächen und von Wasserflächen, auf denen bisweilen Brandgänse zu sehen sind. Spärlich bewachsene Dünen türmen sich vor unseren Augen auf. Sie sind Teil des Nationalparks Duinen van Texel. In dem als Bollenkamer (3) bezeichneten Teil des Nationalparks ragen Bunkeranlagen aus dem Sand auf. Sie sind Zeugnisse des Kriegsgeschehens des Zweiten Weltkriegs. Im Übrigen weiß kaum jemand davon, dass auf Texel der Krieg noch nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 fortgesetzt wurde. Als Russenkrieg ging das Ereignis in die Geschichte ein und handelt von Kampfhandlungen zwischen den auf Texel internierten Georgiern und deutschen Soldaten, die bis zum 20. Mai 1945 andauerten. Dies jedoch ist eine ganz eigene Geschichte, die an anderer Stelle zu erzählen wäre.

Niederlande - Texel - Bollenkamer

Eine Besonderheit innerhalb des Nationalparks ist De Slufter (4), ein Gebiet, das ständig vom Wasser der Nordsee überflutet wird. Daher gedeihen hier vor allem ganz besonders salztolerante Pflanzen wie rosa-violetter Strandflieder. Im meist seichten Wasser findet man Krabben, Garnelen und Plattfische. Im Nordteil von De Slufter sind Eiderenten und Brandgänse zu Hause. Ohne Fernglas allerdings wird man sie wohl kaum sehen. Löffler hingegen kann man manchmal in De Muy beobachten, obendrein noch Blaukehlchen und Nachtigallen.

Texel - De Slufter

Teilweise ist der binnenländische Rand der Dünenlandschaft bewaldet, wachsen dort dicht an dicht Birken und Weiden. Auch Fichten hat man am Dünenrand angepflanzt. Hier und da finden Sanddornsträucher Halt im sandigen Untergrund der Dünenflanken. Auch Fleischfarbenes Knabenkraut, Dünenrose und Strandnelke gedeihen in dieser welligen Landschaft, die vom Wind geformt und verändert wird, wenn auch durch den Bewuchs mit Strandhafer das Wandern der Dünen eingeschränkt wurde.

Graureiher bewegen sich in den Flachgewässern der Dünenlandschaft auf ihrer Nahrungssuche. Heringsmöwen gleiten im Aufwind über unsere Köpfe. Aufgeregt meldet sich der Kiebitz zu Wort.

Niederlande - Texel - Schottisches Hochlandrind

Texel-Schafe, aber auch Schottische Hochlandrinder und Wildpferde sind die Landschaftspfleger der Dünen. Sie trifft man nicht nur in De Muy (5), sondern auch westlich von Den Hoorn. Längs der Westküste existieren bewachte Strände, die zum Baden einladen. Wer es hüllenlos mag, der findet auch ausgewiesene Nacktbadestrände.

Texel mit Kindern

Der Strand der Westküste ist eine riesengroße Sandkiste, die sich bestens für Kleinkinder zum Spielen eignet. Ab und zu lockt das kühle Nass der Nordsee. Man sollte allerdings nur an bewachten Stränden, vor allem südlich von De Koog ein erfrischendes Bad in der Brandung nehmen. Das gilt für Groß und Klein! 

Niederlande - Texel -Strand

Mal auf einen Leuchtturm (6) zu klettern und aus 35 Meter Höhe über Texel zu schauen, ist für manchen Steppke ein Abenteuer. Wie viele Treppenstufen man meistern muss, das können Eltern ihren Jüngsten als Quiz-Frage mit auf den Weg geben. Wer mit Kindern auf Texel weilt, der sollte neben Ecomare, dem Zentrum des Nationalparks und zugleich Auffangstation für Heuler außerdem den Erlebnislandhof De Bonte Belevenis und das Museum der Seeleute und Strandräuber in Oudeschild besuchen.

Schweinswale, Plattfische und Seehunde: Naturerlebniszentrum Ecomare (7)

Ganz stolz zeigt uns der Konservator des Hauses, Herr Arthur Oosterbaan, den Pottwal, der gerade im Haus präpariert wird. Wir fragen uns. „Warum gibt es denn einen solchen Pottwal überhaupt auf Texel?“ Sehr häufig stranden männliche Wale auf Sandbänken oder am Strand der niederländischen Küste, so Arthur Oosterbaan. Den Pottwal, der demnächst ausgestellt wird, fand man auf einer Sandbank zwischen Den Helder und Texel. Dieser Wal hatte sich in die Nordsee verirrt, die viel zu flach für einen solchen Meeressäuger ist, der seine Nahrung in einer Tiefe von 300 Metern und tiefer sucht. Der Ecomare-Pottwal wurde am 15. Dezember 2012 tot angetrieben und erhielt nie die sonst übliche Medienaufmerksamkeit. Alle Aufmerksamkeit galt in jenen Tagen einem gestrandeten lebenden Buckelwal, den man allerdings auch nicht mehr retten konnte.

Das Besondere an dem 14 Meter großen Pottwal von Texel ist der Tatbestand, dass er 80 kg Amber enthielt, der im Verdauungstrakt des Meeressäugers gebildet wird. „Nur einer von hundert Pottwalen entwickelt das“, so Arthur Oosterbaan. Amber ist ein wertvoller Rohstoff für die Parfümindustrie. Doch darüber erfuhr man aus der Presse kein Sterbenswörtchen. Nun steht der Amber zum Verkauf und man darf gespannt sein, wie hoch die Gebote sein werden.

Schauen wir uns im Haus um, dann entdecken wir die Fauna von Texel: „präparierte“ Löffler, emsig arbeitende lebende Ameisen und ihren Bau, aber auch einen präparierten Bockkäfer und eine Schneeammer. Außerdem bekommt man in den Dünen von Texel beheimatete Perlmuttfalter zu Gesicht.

Themen wie „Meer“ und „Meeresverschmutzung“, die seit den 1960er Jahren ein massives Problem in den Niederlanden darstellen, werden behandelt. Man erfährt Wissenswertes über den Fischfang, ob von Grauem Knurrhahn oder Wittling. In den Fischbecken im Untergeschoss des Hauses schwimmen Hundshaie, Rochen und Plattfische sowie Seesterne und das giftige Petermännchen.

Niederlande - Texel - Schweinswal im Ecomare

Im Außengelände befinden sich nicht nur zwei kleine Schweinswale in ihrem Bassin, sondern auch Graue Seehunde sowie Baßtölpel. Zart orange ist die Kopffärbung, strahlend blau sind die Augen, dieses sich an Land ein wenig tölpelhaft fortbewegenden Vogels. Unaufhörlich schwimmen die beiden Wale ihre Runden, pressen Luft aus ihrem Blasloch und tauchen dann wieder ab. Sie wurden nicht etwa extra gefangen, sondern kamen als verwaistes bzw. als verletztes Jungtier ins Naturerlebniszentrum. Einer der beiden Wale wurde vor Norderney gefunden. Möwen hatten den Wal attackiert und sein Blasloch verletzt, sodass es nicht mehr richtig schloss. Das andere Tier wurde mit acht Wochen am Strand aufgelesen. Normalerweise bleiben Schweinswale zehn Monate bei der Mutter. Beide Tiere wären ohne die Inobhutnahme nicht mehr am Leben.

Niederlande - Texel - Seehund im Ecomare

Auch die Ecomare-Seehunde sind Pfleglinge, die man nicht auswildern konnte. Einige sind unterdessen 40 Jahre oder älter und leiden an Linsentrübung. „Wir sind ein Altersheim für alte Seehunde“, meinte einer der am Beckenrand stehenden Tierpfleger. Doch aufgepasst, die Seehunde kommen spielend an Land und sind nicht etwa harmlos, sondern Raubtiere mit scharfen Zähnen. Kein Wunder also, dass die Tierpfleger aufpassen und die Biester mit einem Besen auf Abstand halten. Nachdem wir Texels Natur ein wenig besser kennengelernt haben, machen wir uns auf, um mehr über die Inselgeschichte zu erfahren. Was, so fragen wir uns, hat es eigentlich mit der legendären Reede von Texel auf sich? 

Mehr als die Reede von Texel: Kaap Skil Museum van Jutters en Seelui (8)

Um der Frage nach der Reede von Texel auf den Grund zu gehen, fahren wir nach Oudeschild. Allein das Design des mit einem internationalen Architektenpreis ausgezeichneten Strandräuber- und Seeleute-Museums ist ein Hingucker. Eine rhythmisierte Dachlandschaft mit schmaler Lattenverschalung als vorgehängter Fassade macht den architektonischen Reiz des Museums aus.

Niederlande - Texel - Kaap Skil Museum

Anziehungspunkt im Museum ist das 18 Meter lange maritime Modell der Reede von Texel. Hier lagen die Segelschiffe der Vereinigten Ostindischen Compagnie (VOC) vor Anker, brachten ihre Waren aus dem fernen Batavia und anderen fremden Ländern ins Niederländische Königreich oder warteten auf günstigen Ostwind, um wieder in See zu stechen. Hier gingen Männer an Bord, die das Anheuern als letzte Chance sahen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Unter diesen waren auch Männer aus Flensburg, Hamburg und Dithmarschen, so laut Mannschaftsliste der „De Drie Papegaaien“ auch ein gewisser Barend Vroom und ein gewisser David Waaijer, der wohl eigentlich Weiher hieß.

Niederlande - Texel - Reede von Texel im Kaap Skil Museum

Zwischen 1500 und 1900 erblickte man vor Texel einen Wald aus hohen Masten, hörte das Knarren der Schiffsplanken und Flattern der Segel. Hundert dieser Segler hat man in dem Modell vereint. Zudem zeigt man das historische Oudeschild, zu dem auch eine komplette Bastion gehörte, die teilweise bis heute noch am Ortsrand der Gemeinde vorhanden ist.

Ansprechend inszeniert wurden rund um das Modell in kleinen „Schiffskojen“ einzelne Lebensgeschichten wie die des Marinemalers Willem van de Velde de Oude. Wie man mit Getreide aus dem Ostseeraum sein Geld machen konnte, erzählt uns der Kaufmann Roemer Visscher. 1593 verlor er bei Sturm auf der Reede von Texel seine gesamte Ladung Getreide, doch nicht seinen Lebensmut. Wir hören von wagemutigen Männern, die der Fisch- und Walfang ins Nordmeer trieb, wo sie dem Kabeljau und wegen des Trans auch Walen nachstellten. Umgeben von tickenden Wanduhren meldet sich Neeltje Schouten zur Wort, deren Mann im Dienste der Vereinigten Ostindischen Compagnie stand. Er war Steuermann auf dem Schiff „De Drie Papegaaien“ und verdiente mit 32 Gulden im Monat gutes Geld. Doch der Preis dafür war hoch, war Jan Zacharias Naumann doch zwei Jahre fern von Frau und Kindern.

Niederlande - Texel - alte Bäckerei im Kaap Skil Museum

Für Kinder ist vor allem das Freilichtmuseum im Außengelände interessant. Dort stehen eine alte Schmiede, in der mittwochs geschmiedet wird, eine historische Bäckerei und einige Häuser von Seeleuten und Fischern, die im Original 1902 erbaut und im Museum so eingerichtet wurden, als wäre die Zeit um 1900, um 1930 und 1950 stehen geblieben.

Gilles van Mil, die „Seele des Museums“, erzählt beim Rundgang, woher der Begriff des „untergeschobenen Kindes“ stammt. Dazu besuchen wir eines der Häuser mit Alkoven, mit einem Schrankbett, in dem deutlich hörbar jemand ein Nickerchen hält. Die nicht ehelichen Kinder wurden, so Gilles van Mil, zu den Kartoffeln unter dem Ehebett gelegt – daher „untergeschobene Kinder“ –, die ehelichen in Ablagen über dem Ehebett.

An Aktivitätstagen werden auf dem Gelände des Museums Taue gedreht und Netze geknüpft. Frauen sieht man beim Spinnen und der Hammer des Schmiedes saust auf den Amboss. Verführerisch ist dann auch der Duft von geräuchertem Fisch, der in die Nase der Besucher steigt.

Einem Abenteuerspielplatz gleicht die Sammlung des Strandguts. 3500 Flaschen, die einst Meyert Spigt zusammengetragen hat, damit seine Gattin Beerensaft abfüllen konnte, gehören ebenso zum gesammelten Strandgut wie eine Plastikkiste Holsten-Bier, Taue, Seile, Planken, Plastikspielzeug, Schwimmer, Rettungsringe, Kanister, Treibholz und Seeminen – aber zum Glück ohne Sprengkraft.

Niederlande - Texel - Kaap Skil Museum

Übrigens, während sich Eltern vielleicht noch für Unterwasserarchäologie begeistern, können deren Sprösslinge im Museum auf „Schatzsuche“ gehen und insgesamt zehn Fragen lösen. Entsprechendes Material gibt es an der Museumskasse, auch einen Fragebogen für Kinder, die noch nicht lesen und schreiben können. Na dann, viel Spaß.

Kekse backen, Seife machen und Kerzen ziehen: Landgoed De Bonte Belevenis (9) 

Nein ein Kinderbauernhof im engeren Sinne ist De Grote Belevenis nicht, auch wenn Perlhühner, ein Goldfasan, einige Truthähne, Texel- und Drenther Heide-Schafe ein Zuhause haben. Auch einen Abenteuerspielplatz findet man vor den Toren von den Hoorn nicht, wenngleich es ein Klettergerüst gibt und auch Tretautos für eine kleine Rundtour bereitstehen. Was jedoch das Landgut bietet, das sind Aktivitäten wie Kekse oder Brötchen backen, Seife machen, Papier schöpfen oder Kerzen ziehen. Bier brauen, Genever brennen und Likör ansetzen, das ist allerdings nur etwas, was Joscha mit Passion betreibt und gerne auch erklärt, aber nicht als Aktivität für Besucher angeboten wird. Das überrascht wenig, denn das Brauen und Destillieren braucht viel Zeit.

Niederlande - Texel - Landgoed De Bonte Belevenis

10000 Liter Gerstensaft mit „Windstärke 10“

10 000 Liter Bier im Jahr, so Joscha, werden aktuell gebraut, so auch das untergärige Bräu mit Honig. Das bisher stärkste Bier mit Namen „Windkracht 10“ wird wahrscheinlich im Winter von „Windkracht 12“, also ein Bier mit 12 % vol. alc. abgelöst werden. Ein weiteres besonderes Bier ist eines mit zugesetzten herben Sanddornbeeren und Johannisbeeren sowie Honig, sodass das Bier einen runden herbsüßen Geschmack bekommt. Für 400 Liter Bier braucht man 30 Kilo Früchte und 10 Kilo Honig. Dieses Bier hat dann einen Alkoholanteil von 7%. Und zum Bier kann man dann den mit einer örtlichen Käserei produzierten Bierkäse genießen. Zutaten für den Käse sind Ziegenmilch und „Windkracht 10“-Bier.

Niederlande - Texel - Bier auf dem Landgoed De Bonte Belevenis

Darüber hinaus werden auch Genever und „Kräuterbitter“ auf dem Landgut gebrannt, wie Joscha hinzufügt. Es ist nun aber höchste Zeit für eine Kostprobe, oder? Im angeschlossenen Café gibt es dazu Gelegenheit, derweil der Nachwuchs auf dem Gelände herumtollt. So kann Eltern-Kind-Urlaub eben auch aussehen: Die Eltern verwöhnen sich kulinarisch und die Kinder gehen ihrem eigenen Vergnügen nach – und das geht auch an einem Wochenende.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

Das könnte Sie auch interessieren

.

 

Reiseführer Amsterdam

Es gibt, daran zweifeln selbst eingefleischte Skeptiker nicht, keine andere Stadt in Europa, die sich so häufig und konsequent neu erfindet wie Amsterdam. Würde man die jüngste Entwicklung der Stadt an der Amstel im Zeitraffer betrachten, käme ihr Wandel einer großartigen Kulissenschieberei gleich. Weg vom Schmuddelimage, hin zur Kunst-, Architektur- und Ausgehmetropole par excellance. Ohne dabei jedoch ihren individuellen Charme hinter hochglanzpolierten Sujets leugnen zu wollen.

Reiseführer Amsterdam

Mehr lesen ...

Kurzportrait Niederlande

Windmühlen, Holzschuhe, Käse, Tulpen und Fahrräder; legale Drogen, Coffeeshops, Prostitution und Homo-Ehe - Klischees gibt es viele über die Niederlande, und sie ergeben ein ziemlich widersprüchliches Bild von unserem westlichen Nachbarn. Dementsprechend zieht das Polderland auch sehr unterschiedliche Urlaubertypen an.

Zeeland

Mehr lesen ...

 

Besuch in Flevoland

Kaum irgendwo stimmt der Slogan 'Neuland entdecken' so wie hier, in oder besser auf Flevoland, der neuesten Provinz der Niederlande. Sie entstand ab 1939, als man begann, die Zuidersee trocken zu legen. Ein Jahrhundertprojekt, das erst 1968 seinen Abschluss gefunden hat. Die Siedler, die es auf die neu gewonnenen Polder und die neuen Städte zog, waren Pioniere.

Flevoland

Mehr lesen ...

Die Hafenmetropole Rotterdam erfindet sich neu

New York, Las Palmas, Montevideo. Begriffe, die Fernweh wecken, die an Amerika, Uruguay oder Spanien denken lassen. Doch weit gefehlt – das Hotel New York, das Restaurant Las Palamas und der 152,3 Meter hohe Montevideo-Wolkenkratzer, der im Jahr 2005 eröffnet wurde, befinden sich allesamt im niederländischen Rotterdam – und zwar in einem Gebiet, das lange Zeit zum Rotterdamer Hafen gehörte, ab den 60er Jahren aber zu verfallen drohte.

Rotterdam

Mehr lesen ...