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Niederlande im Überblick

Windmühlen, Holzschuhe, Käse, Tulpen und Fahrräder; legale Drogen, Coffeeshops, Prostitution und Homo-Ehe - Klischees gibt es viele über die Niederlande, und sie ergeben ein ziemlich widersprüchliches Bild von unserem westlichen Nachbarn. Dementsprechend zieht das Polderland auch sehr unterschiedliche Urlaubertypen an: Familien, die an den Nordseestränden, am Ijsselmeer oder im Naturschutzgebiet Hoge Veluwe Erholung suchen; Städtereisende, die Museen besuchen, shoppen und durch Grachten spazieren wollen, und nicht zuletzt Partytouristen, die nach Amsterdam fahren, um mal so richtig auf den Putz zu hauen.

Amsterdam

Die Sonne genießen in Amsterdam

Bereits seit Jahrhunderten konzentriert sich das politische, wirtschaftliche und kulturelle Leben der Niederlande auf die beiden Provinzen Nord- und Südholland, während der Rest des Landes ständig gegen die Vormachtstellung der "Randstad", also der extrem dicht besiedelten Region zwischen und , ankämpft. Holland ist - sehr zum Leidwesen der anderen Provinzen - zum Synonym für die Niederlande geworden.

"Eine schöne Stadt, Amsterdam. Auch der Verbannte bewundert die nobelschlichte Architektur der alten Patrizierhäuser, spürt den etwas verwunschenen Reiz der Grachten", schrieb Thomas Mann 1935 über die Hauptstadt der Niederlande. Die verträumte Atmosphäre beschränkt sich allerdings inzwischen auf das Viertel Jordaan mit seinen und pittoresken Brücken. Im Großteil der Grachtenstadt hat sich dagegen eine wuselige, multikulturelle Betriebsamkeit breitgemacht. In Amsterdam hat man wenig Angst vor Kommerz, vor dem Aufeinandertreffen von alt und neu - wie die allgegenwärtigen Leuchtreklamen beweisen, die ohne Scheu an gotische Treppengiebel gehängt werden. Im Sommer hat die Stadt ein fast mediterranes Flair, wenn die Bars ihre Stühle auf den Gehweg stellen, der Leidseplein vor Leben brummt und die Fischhändler auf dem Albert-Cuyp-Markt ihre Ware lauthals auf spanisch anpreisen.

Zu den Hauptattraktionen von Amsterdam gehören zweifellos die Museen. Vor den Eingängen der großen Institutionen am Museumplein, also des Van Gogh, Stedelijk und Rijksmuseums, stehen stets lange Schlangen von kunstbegeisterten Touristen, die sich Rembrandts "Nachtwache" und Van Goghs "Sonnenblumen" nicht entgehen lassen wollen. Etwas Abseits des Trubels gibt es aber noch zahlreiche kleinere Kunsthorte zu entdecken, wie das Fotomuseum Huis Marseille oder das kuriose Amstelkring-Museum, ein altes Grachtenhaus mit Geheimkirche unter dem Dach.

Wen es an die Nordsee zieht, der ist von Amsterdam aus am schnellsten im Seebad Zandvoort. An warmen Sommertagen wähnt man sich hier angesichts der Appartmenthochhäuser und lärmenden Teenager beinahe in Benidorm - wäre da nur nicht der allgegenwärtige Geruch von Fritierfett, der aus den Fischbuden am Strand strömt. Es herrscht ausgelassene Partystimmung inklusive Technomusik und Corona Bier. Bei kühlerem Wetter ist Zandvoort allerdings nicht wiederzuerkennen. Bis auf den einen oder anderen Spaziergänger ist man dann beinahe alleine im hügeligen Dünenreservat und am endlosen Sandstrand, der sich von den Inseln im Delta von Maas, Rhein und Schelde in Zeeland bis Den Helder die gesamte holländische Küste hinaufzieht.

Amsterdam

Je weiter man sich aus dem Dunstkreis von Amsterdam entfernt, desto ruhiger werden die Küstenstädtchen. Bergen und Egmont an Zee sind vor allem bei Deutschen als Orte für Familienurlaub beliebt. Und wenn das wechselhafte holländische Wetter wieder einmal keinen Strandtag erlaubt, bieten sich von hier aus viele Ausflugsmöglichkeiten. Das nahe , begehrtes Ferienziel für Segelfans, ist von zahlreichen historischen Städtchen wie Hoorn, Edam oder Monnickendam gesäumt. Sie alle kamen im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter der Niederlande, als das inzwischen zum See gewordene Ijsselmeer noch Zuiderzee hieß und Teil der Nordsee war, zu Reichtum und leisteten sich beeindruckende Rathäuser, Stadtwaagen, Marktplätze und Kirchen.

Weiter im Norden vor der nordwestlichen Küste der Niederlande liegen die "Waddeneilanden", die Wattinseln. Die fünf westfriesischen Inseln sind vor allem bei gestressten Großstädtern als Ort zum Ausspannen beliebt, und obwohl die meisten der Eilande, vor allem und Terschelling, durchaus ähnlich lebhaft sind wie die Küstenorte auf dem Festland, findet man auch noch unberührte Natur. So ist zum Beispiel ganz Schiermonnikoog, die östlichste der Inseln, ein Naturschutzgebiet und dient zahlreichen seltenen Vogelarten als Nistplatz.

Der größte Nationalpark des Landes ist jedoch die Hoge Veluwe, eine weitläufige Wald- und Heidelandschaft zwischen Apeldoorn und Arnhem, die man mit Hilfe kleiner weißer, umsonst zu leihender Fahrräder erkunden kann. Die Gegend widerspricht jeglichem Klischee von den platten, grünen Niederlanden: Sie ist hügelig, waldig und sandig. Mitten im Nationalpark liegt das Kröller-Müller-Museum, das in den 1930er Jahren von einer deutschen Industriellen-Gattin gegründet wurde und eine der bedeutendsten modernen Kunstsammlungen der Niederlande beherbergt, mit Werken von Picasso über Dubuffet bis hin zu Dan Graham. Der Stolz des Museums ist jedoch die kleine, aber feine Sammlung mit Gemälden Van Goghs, die mit der des Amsterdamer Van Gogh Museums problemlos konkurrieren kann.

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Je weiter man nach Süden vordringt, desto weniger niederländisch wirken die Niederlande. Maastricht, im letzten Zipfel zwischen Deutschland und Belgien gelegen, scheint beinahe südeuropäisch. Hier findet man keine protestantische Backsteinarchitektur mehr, statt dessen sind die Häuser verputzt und nicht selten mit Bildnissen katholischer Heiliger verziert. Zur Touristenattraktion machen die älteste Stadt der Niederlande nicht nur ihre historischen Bauten, sondern auch das Bonnefantenmuseum. Wer dem Strom der Tagestouristen entkommen will, der sollte sich vielleicht einmal in den Untergrund wagen: Im zehn Kilometer langen Sint-Pieter-Höhlensystem im Westen der Stadt, das im 18. und 19. Jahrhundert bei der Mergelgewinnung entstand, kann man mit 20 000 Wandinschriften und -malereien verzierte Gänge erkunden.

Amsterdam

Fragt man einen Liebhaber zeitgenössischer Kunst und Architektur nach der interessantesten Stadt Hollands, dann nennt er meist keineswegs Amsterdam, sondern Rotterdam - sehr zum Erstaunen der meisten Touristen, die es zum ersten Mal in die Hafenstadt an der Maas verschlägt. Auf den ersten Blick wirkt Rotterdam nicht gerade einladend. Die deutschen Bomber ließen im Zweiten Weltkrieg nichts von der historischen Bausubstanz übrig, und das Resultat ist eine weitläufige Nachkriegsstadt mit hohen Arbeitslosigkeits- und Kriminalitätsraten. Aber spätestens seit es Europäische Kulturhauptstadt 2001 war, tut sich etwas in Rotterdam. Weil es hier, im Gegensatz zum Rest der Randstad, noch immer billige Atelierräume zu mieten und leere Flächen zu bebauen gibt, hat sich in letzter Zeit eine lebhafte Kunst- und Architekturszene entwickelt. Man muss nur ein wenig danach suchen. Ein guter Ausgangspunkt ist der Museumplein mit der von Rem Koolhaas gebauten Kunsthal und dem Niederländischen Architekturinstitut sowie die Witte de Withstraat, in der mehrere Galerien und Kunstzentren sitzen.

Ein prototypisches historisches Städtchen ist dagegen das nahegelegene , Heimat des Malers Vermeer. Eigentlich hat sich in der kleinen Stadt mit ihren Backsteinhäusern, Treppengiebeln und wuchtigen Kirchtürmen seit dem Goldenen Zeitalter wenig verändert; das Zentrum sieht noch beinahe genauso aus wie auf den Gemälden aus dem 17. Jahrhundert. Aber gerade deshalb zieht Delft jährlich abertausende Touristen an - vor allem Japaner und Amerikaner, die ihre Euros willig in Delfter Blau, das berühmte blau bemalte Porzellan, umsetzen. Wer das Holland der Holzschuhe und Poffertjes sucht, der ist hier richtig: Hier sind die Niederlande noch genau so, wie man sie sich vorstellt.

Anneke Bokern
Fotos: © Niederländisches Büro für Tourismus

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