DAS PORTAL DEUTSCHSPRACHIGER REISEJOURNALISTEN

Heiß auf Eis

Westland Nationalpark:
Gletscher-Touren auf der Südinsel Neuseelands

Text und Fotos: Sissi Stein-Abel

Neuseeland Westland Treppenhauer

Mike Lundin ist Treppenhauer. Hauer, nicht –bauer. Jeden Morgen, ob es regnet, stürmt oder hagelt, schultert er seinen Pickel und marschiert im Eilschritt eine halbe Stunde über Stock und Stein, über Geröll und Felsbrocken, durchs Unterholz und Bäche. Dann hat er seinen Arbeitsplatz erreicht: den Franz-Josef-Gletscher. Er haut Treppen ins Eis, damit Touristen gefahrlos auf und in der gefrorenen Pracht umherwandern können, auf Firn und Eis, über schmutzig-graue Zacken und durch enge Spalten. Wer Glück hat oder auch nicht, falls er unter Platzangst leidet, kriecht durch blau schimmernde Eisröhren - das spektakuläre blaue Gletschereis.

Nirgendwo sind solche Abenteuer einfacher zu verwirklichen als an der Westküste von Neuseelands Südinsel, im Westland-Nationalpark. Dort bahnen sich die beiden Gletscher Franz Josef und der 25 Kilometer südlich davon gelegene Fox unterhalb der Gipfel der Südalpen den Weg bis in den Regenwald hinab, auf nur 240 Meter über dem Meeresspiegel, mitten hinein in eine grüne Landschaft mit Baumfarnen und Vogelgezwitscher. Das gibt es sonst nirgendwo auf der Welt.

Neuseeland Westland Wegbereiter
Wegbereiter für die Touristen

Die einzige Straße, der State Highway 6, führt fast direkt an den beiden weißen Riesen vorbei. Zu den Parkplätzen sind es nur zwei, drei Kilometer, und die Wanderung durch die Moränenfelder zu den Gletscherzungen dauert am Franz Josef vierzig bis fünfzig, am Fox dreißig Minuten. Ohne Tourenführer und Steigeisen sollte sich niemand auf die Eismassen wagen, die dem Klimawandel zum Trotz derzeit nicht schrumpfen, sondern stetig weiter ins Tal vorrücken. In den vergangenen zehn Jahren ergab sich trotz zwischenzeitlicher Rückzüge ein Plus von ungefähr 600 Metern.

Neuseeland Westland Anreise
Anreise zum Gletscher

Heute ist Mike Lundin für die zweite Schicht eingeteilt. Abmarsch um 8.15 Uhr. Die Vorhut ist schon eine Stunde früher losgezogen. Die Zugangstreppe, ziemlich nahe der Höhle in der Mitte der Gletscherfront, ist fast glatt geschaufelt, dicke Halteseile sind mit Eisschrauben in die hohen Seitenwände montiert. Bei Sonnenschein müssen die Schrauben alle halbe Stunde versetzt werden, weil die Wärme das Metall erhitzt und die Bohrlöcher weitet.

Seite 1 / 2 / 3 / 4 / 5 (Infos) / zur Startseite



Reiseinformationen zu diesem Reiseziel

Reiseveranstalter Neuseeland





 

Twitter
RSS