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Das Herz Nepals - Kathmandu

Text: Evelin Juen
Fotos: Evelin und Peter Juen

Bis vor 1 ½ Jahrhunderten, als sich die Malla-Herrschaft dem Ansturm der kämpferischen Gurkha unter der Führung ihres Prinzen Prithvi Narayan Shah beugen musste, bezeichnete man mit dem Namen ´Nepal´ noch ausschließlich das Kathmandu Tal. Noch heute sprechen manche der Bewohner des Landes davon, dass sie nach ´Nepal´ reisen, wenn sie sich in die Hauptstadt aufmachen, um Handel zu treiben oder um Verwandte zu besuchen. Hier hat einst ihre Geschichte begonnen. Ihr Ursprung verliert sich in Mythen und Legenden, in denen sich, ohne von Fakten und Daten beengt zu sein, die Seele dieses so facettenreichen Landes und seiner ebenso mannigfaltigen Bevölkerung erspüren lässt.
Die österreichische Autorin Evelin Juen erzählt auf ungewöhnlich einfühlsame, poetische Weise von der Faszination Kathmandu.

Kathmandu / Straßenszene
Straßenszene am Durbar Square, dem ehemaligen
Palastbezirk der Malla-Herrscher

"Nach langem Fasten und vielen Gebeten wurde König Gunakamadeva I. im Traum von der Göttin des Glücks und Wohlstandes besucht. Göttin Mahalakshmi bestimmte, dass am Zusammenfluß des Bagmati und des Vishnumati eine neue Stadt entstehen sollte. Schon seit jeher galt diese Stelle als heiliger Ort und als Platz göttlicher Spiritualität. Die Siedlung wurde in Form eines Kharg, des heiligen Schwertes der Göttin angelegt und sie selbst wollte dort wohnen, um durch ihren Segen die Stadt erblühen zu lassen." Im Sanskrit wird Kathmandu "die schöne Stadt" genannt, und sie trägt diese Bezeichnung trotz der Veränderungen, die die Zeit und die Touristen mit sich gebracht haben, immer noch zu Recht. Dieser Zuname ist seit dem 16. Jahrhundert zunehmend in Vergessenheit geraten, gehört aber heute dennoch zum täglichen Leben, denn die größte nepalesische Tageszeitung trägt stolz den Namen aus der Vergangenheit in die Gegenwart.

Kathmandu / Straßenszene

Wenn du wach liegst und hinter dir dringt durch das offene Fenster die Musik Kathmandus, dann bist du angekommen. Sie weht herein durch die leichten Vorhänge und gesellt sich zu dir ins Zimmer. Sie bettet dich ein, gibt dir eine andere Zeit. Alle haben eine Stimme und jede ist unentbehrlich. Das Gurren der Tauben und das Rufen der Greifvögel, das Bellen der Hunde und das Gackern der Hühner. Das Knattern der Tuc Tucs (dreirädrige, überdachte Motor- Riksha) und das Hupen der Rauch speienden Autos ebenso wie die vielen verschiedenen Sprachen, die in den Gassen leben.

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