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Nepal im Überblick

Man würde der Attraktivität des Landes nicht gerecht werden, hielte man es nur für ein Eldorado der Bergsteiger und Trekkingbegeisterten. Längst haben auch Kulturinteressierte und Kunstliebhaber den Vielvölkerstaat für sich entdeckt und beschäftigen sich fasziniert mit seinen uralten Traditionen und religiösen Bräuchen, dem Reichtum an Architektur und Dekor, an Farben und Formen. Ob Wanderer oder Kunsthistorikerin: jeder Besucher wird Nepal als ein Land der Kontraste erleben.

Nepal

Foto: © nevenm, Fotolia

Man würde der Attraktivität des Landes nicht gerecht werden, hielte man es nur für ein Eldorado der Bergsteiger und Trekkingbegeisterten. Längst haben auch Kulturinteressierte und Kunstliebhaber den Vielvölkerstaat für sich entdeckt und beschäftigen sich fasziniert mit seinen uralten Traditionen und religiösen Bräuchen, dem Reichtum an Architektur und Dekor, an Farben und Formen. Ob Wanderer oder Kunsthistorikerin: jeder Besucher wird Nepal als ein Land der Kontraste erleben.

Nach Angaben der nepalesischen Regierung vom April 2016 wurden durch das Erdbeben am 25.4.2015 (Stärke 7,8) und am 12.5.2015 (Stärke 7,3) fast 9.000 Menschen getötet, ca. 22.000 verletzt und Hunderttausende Privathäuser zerstört. Etwa 750 historische, kulturelle und religiöse Stätten sind bei den Beben mehr oder weniger stark beschädigt worden, 133 wurden ganz zerstört. Auch die sieben zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Kulturdenkmäler in der Region um die Hauptstadt Kathmandu haben Schäden erlitten. Die Restaurationsarbeiten gehen nur schleppend voran. Es heißt, "Bürokratie und Streitigkeiten" seien der Grund dafür.

Eingezwängt zwischen den zwei Giganten Asiens, dem übermächtigen Indien im Süden und dem misstrauisch beäugten China im Norden, liegt das kleine Nepal mit seinen atemberaubenden Landschaften, seinen hundert Völkern und noch mehr Sprachen. Aus der subtropischen Schwüle der Gangesniederung steigt das Land auf kurzer Distanz zum „Thron der Götter“, den eisgepanzerten Gipfeln der Achttausender des Himalaya auf. Quert dabei Kulturzonen und Klimazonen, dicht besiedelte und menschenleere Landstriche, begleitet von einer anfänglich üppigen, dann spärlicher werdenden Vegetation, die endet, wo das ewige Eis beginnt. Seit Jahrhunderten sind die Nepalesen an das enge Miteinander ganz unterschiedlicher Kulturen gewöhnt und an eine Europäern kaum noch vertraute Bedeutsamkeit der Religion, die alle Lebensbereiche durchdringt. Das hat sie geprägt und lässt sie die widrigen Lebensumstände besser ertragen. Sie strahlen Ruhe aus und Gelassenheit. Sie sind freundlich und tolerant.

Kathmandu, Durbar Square

Kathmandu, Durbar Square
Foto: © jool-yan, Fotolia

Höhepunkte im Kathmandu-Tal

Das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum Nepals mit den alten Königsstädten Kathmandu, Patan und Bhaktapur bietet Besuchern eine Fülle von Eindrücken. Hier sind Traditionen lebendig und auch der schwierige Aufbruch in die Moderne kann besichtigt werden. Kathmandu dominiert das Tal, das sich 35 km von Westen nach Osten erstreckt und 30 km von Süden nach Norden. Die Altstadt der Millionenmetropole begeistert mit der Vielzahl ihrer wunderschönen Tempel, die als Pagoden, Sikharas und Stupas Plätze säumen oder auf Hügeln errichtet wurden und eigentlich in allen Ecken und Winkeln der Altstadt anzutreffen sind. Man hat sie mit kunstvollen Steinreliefs und Holzschnitzereien ausgeschmückt. Viele der Steinarbeiten stammen aus dem 11. oder 12. Jahrhundert und orientieren sich an indischen Vorbildern. Dagegen sind die Holzschnitzarbeiten überwiegend im 18. Jahrhundert entstanden. Sie dekorieren Säulen und Brüstungen, Tür- und Fensterrahmen und Stützbalken. Oft zeigen sie drastische erotische Szenen als Verkörperung Leben gebender Energien und Fruchtbarkeit in einer Welt, in welcher der Tod so dominant ist. Pagoden sind turmartige, mehrgeschossige Tempel auf quadratischem oder rechteckigem Fundament. Die einzelnen Geschosse (ihre Anzahl ist immer ungerade) und ihre vorkragenden Dächer verjüngen sich mit zunehmender Höhe. Im Fundament der Pagode wird ein Abbild des hier verehrten Gottes verwahrt. Auch Sikharas sind turmartige Bauten, bekrönt von einem Kuppeldach, das an eine verschlossene Lotosblüte gemahnt, wie der berühmte Krishna Mandir Tempel in Patan. Pagoden und Sikharas werden von Hindus und Buddhisten genutzt, Stupas aber nur von Buddhisten. Sie ähneln einer Halbkugel auf gewaltigen Fundamenten. Ein spitz zulaufender Turm krönt die Halbkugel. Von der Spitze flattern Gebetsfahnen in langen Reihen herab. An den vier Seiten unten am Turm wachen die Augen Buddhas über das Universum. Das Symbol zwischen seinen Augen ist das dritte Auge, das es einem erlaubt, sich selbst forschend zu betrachten und das Zeichen an der Nase symbolisiert die Nummer eins, um den Betrachter daran zu erinnern, dass nur e i n Weg zum Heil führt. Stupas verwahren die Reliquien berühmter Mönche. Sie werden im Uhrzeigersinn von den Gläubigen umkreist, die oft Gebetsräder zum Drehen bringen und dabei den bekannten heiligen Vers „Om mani padme hum“ wiederholen. Die sakralen Stätten sind nicht wie bei Christen und Muslimen Orte religiöser Versammlungen. Die Gläubigen bleiben für sich zum ganz persönlichen Gebet.

Nepal

Foto: © chunumunu, Fotolia

Schon früh hat die UNESCO die herrlichen Bauten im Kathmandu-Tal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Es sind insgesamt sieben Bauten, über die es in der Laudatio heißt, sie seien „ein außergewöhnliches Zeugnis der hochentwickelten Kultur des Tals“ und dokumentierten die „kulturellen Traditionen der multiethnischen Bevölkerung einer städtischen Gesellschaft (....) die eine der am höchsten entwickelten Fähigkeiten bei der Bearbeitung von Ziegeln, Steinen, Holz und Bronze weltweit besaß“ (....) „Die Koexistenz und Verschmelzung von Hinduismus und Buddhismus mit animistischen Ritualen und Tantrismus gilt als einzigartig“.

Die zentralen Plätze (Durbar Squares) der Städte Kathmandu, Patan und Bhaktapur mit ihren Palästen, Schreinen, Tempeln, Klöstern, Skulpturen und viel öffentlichem Raum waren das prachtvolle Aushängeschild der Königsresidenzen. Zu diesen drei Welterbestätten kommen vier Sakralbauten hinzu, heute populäre Pilgerziele: Swoyambhunath im Westen Kathmandus, einer der weltweit ältesten buddhistischen Stupas und Bouddhanath, Nepals größter, vermutlich im 14. Jahrhundert entstandener Stupa am östlichen Stadtrand von Kathmandu. Weiter östlich, am heiligen Bagmati-Fluss, liegt die für Hindus wichtige Tempelanlage von Pashupatinath. Es ist eine Verehrungsstätte des Glück verheißenden Gottes Shiva. Am Flussufer befindet sich eine Verbrennungsstätte für die Toten höherer Kasten und davon getrennt eine weitere für niedere Kasten. Schließlich Changu Narayan nördlich von Bakhtapur in über 1.500 m Höhe gelegen, ein der Gottheit Vishnu, dem Bewahrer, geweihter Tempel in Form einer zweistufigen Pagode.

Bhaktapur

In Bhaktapur
Foto: © Freesurf, Fotolia

Außer den Monumenten am Durbar Squaresind in Patan eine Reihe interessanter Tempel, Pagoden, Klöster und uralte steinerne Wasserleitungen zu besichtigen. Bei einem Gang durch die Straßen erlebt man das offenbar harmonische Miteinander verschiedener ethnischer und religiöser Gemeinschaften, für das Patan gerühmt wird. Bhaktapur, die „Stadt der Frommen“, erfreut die Gläubigen mit mehr als 170 Tempeln und herrlichen Beispielen der hier florierenden Holzschnitzkunst.

Unterwegs in der Terai-Region

Nepals rühriges Department of National Parks and Wildlife Conservation berichtet auf seiner Website ausführlich über die Aktivitäten zum Schutz und Erhalt der Fauna und Flora des Landes. Nicht weniger als zehn Nationalparks, drei Wildreservate und weitere Schutzgebiete, zusammen eine Fläche von über 34.000 km² = 23 % der Landesfläche, werden von der Behörde betreut und einen der bekanntesten Nationalparks, den Chitwan, sehen wir uns jetzt genauer an. Dazu sind fast 200 km auf wenig einladender Straße zurückzulegen (man kann auch von Kathmandu fliegen!), bis das Areal im tropischen Terai-Gebiet erreicht ist. Der Nationalpark bildet mit seiner Südseite die Grenze zu Indien. Es ist feucht und heiß im Terai, das übersetzt „feuchtes Land“ heißt und im Einflussbereich des Monsunklimas liegt. Es ist ein fruchtbarer Landstrich. Er erstreckt sich entlang der indischen Grenze und 25 – 80 km landeinwärts. Viele arme Landsuchende hat er angezogen und beherbergt inzwischen rund 48 % der nepalesischen Bevölkerung auf einem Gebiet, das nur 17 % der Gesamtfläche des Landes ausmacht. Für die Tierwelt ein Desaster. So entstand die Idee eines Nationalparks, vor allem, um die hier noch verbliebene kleine Nashorn-Population vor der Wilderei zu schützen. 1973 wurde der Park gegründet, 1977 auf 932 km² erweitert, 1984 nahm ihn die UNESCO in ihre Weltnaturerbe-Liste auf. Seit 1996 umgibt den Park eine Pufferzone (Wälder und Äcker), die wirtschaftlich genutzt werden darf. Die einst für das ganze Terai typischen Salbäume (auf 70 % der Fläche des Nationalparks), Auwälder, Gesträuch, Grasland mit bis zu acht Meter hohem Elefantengras (rund 20 % der Fläche) und Flüsse bilden den Lebensraum für mehr als 700 Tierarten, darunter Panzernashörner, Bengalische Tiger, Leoparden und eine Reihe seltener Katzenarten, Lippenbären, Mangusten und Streifenhyänen, Gaure (die größten unter den Wildrindern), einige Hirsch- und Antilopenarten, über 540 Vogelarten, 19 Schlangenarten, das Sumpfkrokodil und der stark gefährdete Gangesgavial.

Chitwan Nationalpark, Panzernashörner

Chitwan Nationalpark, Panzernashörner
Foto: © Pierre-Jean DURIEU, Fotolia

Das Besucherzentrum in Sauraha hält umfangreiches Informationsmaterial bereit. Wer längere Zeit im Park verbringen will, kann zwischen sieben Lodges wählen. Safaris auf dem Rücken gezähmter Elefanten sind unter den Besuchern besonders gefragt, ebenso ein Blick hinter die Kulissen der Elefantenaufzucht-Station. Es werden Jeep-Safaris und geführte Vogelbeobachtungen angeboten und originelle Souvenirs gibt es auch.

Noch im Bereich des Terai, aber weit im Südwesten des Landes und umständlich zu erreichen, liegt mit dem 968 km² einnehmenden Bardiya einer der größten nepalesischen Nationalparks. Ein Aufgabenschwerpunkt besteht im Schutz des Bengalischen Tigers und seines Nachwuchses und der Bewahrung seines bevorzugten natürlichen Umfelds. Das Besondere am Park ist seine Topographie. Er zieht sich aus dem Flachland bis in Höhen von über 1400 m die Churia Range hinauf. Vegetation und Tierwelt ähneln dem Chitwan-Park. Es gibt einen regen (Tier)Austausch zwischen beiden Parks.

Vielleicht 120 km westlich des Chitwan Nationalparks liegt ein für Buddhisten heiliger Ort, in dem der Religionsstifter Siddhartha Gautama, genannt Buddha, „der Erwachte“, im 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr. geboren wurde. Der Ort heißt Lumbini. Er liegt nur wenige Kilometer nördlich der Grenze zu Indien. Für Jahrhunderte geriet die Bedeutung des Ortes in Vergessenheit. Erst 1896 wurde mit der Freilegung der sog. Asoka-Säule, die umgestürzt und im Erdreich versunken war, seine glorreiche Vergangenheit wiederentdeckt. Die Säule hatte König Asoka, ein wichtiger Wegbereiter des Buddhismus und Abkömmling der indischen Maurya-Dynastie, im Jahre 249 v. Chr. aufstellen lassen und mit der Inschrift versehen: „Er ließ ein Steinrelief und eine Steinsäule errichten, um anzuzeigen, dass hier der Erhabene geboren wurde“. Ruinen uralter Klöster, die wieder aufgerichtete Säule, der Maya Devi Tempel mit der Steinplatte, die genau die Stelle markiert, an der Buddha geboren wurde, ein Bassin, in dem die Mutter Buddhas vor der Geburt ein Bad nahm und der kleine Neugeborene gebadet wurde, liegen im Mittelpunkt des heiligen Gartens. Er bildet das spirituelle Zentrum der Gedenkstätte, weiträumig umgeben von den Klöstern der buddhistischen Glaubensgemeinschaften anderer Länder. Lumbini zählt zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Nach Pokhara und zum „Thron der Götter“

Von Lumbini nach Pokhara sind es gut 220 km über Stock und Stein. Im „local bus“ eine aufreibende Angelegenheit, mit Leihwagen und Chauffeur schon etwas angenehmer und so richtig komfortabel und natürlich entsprechend teurer wird die Tour mit dem Flugzeug via Kathmandu: 35 Minuten bis zur Metropole, knapp zwei Stunden Stopover, und dann noch 25 Minuten bis Pokhara. Und schon ist man am Fuß des Annapurna-Massivs in wunderschöner Landschaft, rund 1.000 m hoch am Ufer des Phewa-Sees. Pokhara ist nach dem Kathmandu-Tal mit seinen geballten Sehenswürdigkeiten Nepals zweitgrößtes Touristenzentrum und das ganzjährig. Man freut sich über immer mehr Busladungen aus Kathmandu und eine Menge Touristen aus China (mit dem Flugzeug) oder aus Indien (mit dem Bus von New Delhi). Für Zerstreuung ist gesorgt: Rafting, Kayaking, Trekking, Ultraleichtflüge, Paragliding, jede Menge Hotels und Restaurants, doch das alles übertrifft die majestätische, schneeweiße Gebirgskette der Achttausender, sie sich bei klarem Wetter am Horizont zeigt – ein unvergesslicher Anblick, der sich sogar noch steigern lässt, wenn man einen Panoramaflug bucht und dann fast auf Tuchfühlung an den Giganten in Weiß vorbei schwebt. Für jene, die eine anspruchsvolle Hochgebirgstour planen, ist ein Besuch im örtlichen International Mountain Museum angesagt, das kenntnisreich über die Berge und das Bergsteigen informiert und über Ökologie, Kultur und Lebensart der Bergvölker wie der Sherpas aufklärt.

Mount Everest

Mount Everest
Foto: © MaciejBledowski, Fotolia

Pokhara ist Ausgangspunkt zahlloser Trekkingtouren aller Schwierigkeitsgrade. Andere Touren beginnen in Kathmandu. Dauer 7 – 16 Tage, Übernachtung in Hütten oder Zelten. Hier einige Beispiele: Trekkingtour zum Everest-Basislager auf über 5.500 m. Eine andere Route führt zum Annapurna-Basislager in 4.130 m Höhe. Deutlich niedriger angelegt (bis 2.750 m) ist eine Wandertour, die auch hinunter in den Chitwan Nationalpark führt. Dagegen werden 6.000 m überschritten, wenn der Dhaulagiri umrundet wird.

Eckart Fiene

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