Reisemagazin schwarzaufweiss

Aus dem europäischen Sommer in den afrikanischen Winter

Mit dem Unimog in den Norden Namibias

Text und Fotos: Stephan Eigendorf

Sanft setzt der Airbus auf der Rollbahn auf und entlässt uns nach einem über neunstündigen Nachtflug in die frische Kühle eines namibischen Wintermorgens Anfang Juli. Meine Schläfrigkeit weicht bei dem kurzen Fußmarsch unter strahlend blauem wolkenlosem Himmel vom Flieger hinüber zur Ankunftshalle der Neugier darauf, was mich in den nächsten Wochen hier in Namibia wohl erwartet.

Mehr als 30 weitere Fotos vor allem zu Flora und Fauna von dieser Reise durch den Norden Namibias und Botswanas sehen Sie in einer Diashow.

Mit einem frischen Stempel im Reisepass wird mir während des Wartens auf mein Gepäck klar, dass die Entscheidung, einen Transfer in das rund 44 Kilometer vom Flughafen entfernte Windhoek und ein Zimmer zur Überbrückung der Stunden bis zu meiner rund 800 Kilometer langen nächtlichen Weiterreise im Intercape-Bus schon im Voraus buchen zu lassen, eine gute Idee war. Irgendwie stecken mir der lange Flug und die fast ebenso lange Anreise mit der Bahn zum Abflugflughafen doch mehr in den Knochen, als ich eigentlich zugeben möchte.

Namibia - Hotelzimmer

Nettes Ambiente für ein Erholungsschläfchen

Durch ein Missverständnis lande ich in den frühen Morgenstunden mit dem Bus nicht dort, wo ich mich mit meinem Reisebegleiter treffen wollte, sondern finde mich andernorts über Umwege ungeplant bei einem seiner hier lebenden Freunde in dessen Küche wieder. Bei einem wohltuenden Becher Kaffee schweift mein Blick durchs Fenster über den abschüssigen Garten und den dahinter gelegenen Fluss hinweg in die eintönig wirkende Ferne. „Da hinten auf der anderen Seite des Kavango, das ist schon Angola“, höre ich ihn hinter mir sagen, als sei er meinem Blick gefolgt. Dass Rundu, mit etwas über 80.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Namibias, nur einen Steinwurf von der Grenze zu seinem nördlichem Nachbarland entfernt liegt, hatte ich nun nicht gewusst. Genausowenig wie eine Antwort auf die Frage, warum sich eigentlich so wenig Deutsche für Namibia interessierten, Namibia sei schließlich ehemalige deutsche Kolonie und nach wie vor seien ja auch noch viele unter den Weißen mit deutschen Wurzeln hier. Erst ein Schulterzucken meinerseits, dann wage ich mich an einen Erklärungsversuch. Weite Teile auch der deutschen Geschichte finden im Schulunterricht heute offenbar keine Erwähnung mehr, darunter auch die Zeit, als das deutsche Kaiserreich sich als Kolonialmacht versuchte, so zumindest die Erfahrung aus der dreizehnjährigen Schulzeit meiner Tochter. So wie sie, werden viele Deutsche gar nicht wissen, dass das heutige Namibia von 1884 bis 1915 als Deutsch-Südwestafrika deutsche Kolonie war, vermute ich. Nach meiner Erfahrung fällt es vielen Deutschen ohnehin schon schwer, ohne vorher den Namen Namibia gelesen zu haben, den Finger auf die richtige Stelle auf dem Globus zu setzen. Und in der täglichen Berichterstattung in den Medien taucht das Land auch eher selten auf.

Ab in den Busch

Namibia - Unimog

Gefährt mit Kultstatus: der Unimog

Nach einem kräftigen Frühstück mit Bacon, Eggs, Toast und einem Kudu-Steak lande ich schließlich doch noch an unserem ursprünglichen Treffpunkt auf einem staubigen Parkplatz vor einem Store in Divundu an einer Abzweigung in den Busch. Schnell das Gepäck verstaut, noch ein kurzer Einkauf für die nächsten Tage, ein cool Drink zur Erfrischung und schon sitze ich auf dem Beifahrersitz des Unimogs, der für die nächsten Wochen unser Transportmittel sein wird. War die zweispurige Hauptstraße noch asphaltiert und tadellos in Schuss, rollt das Kraftpaket nun mit fünfzig Sachen über die breite schnurgerade Schotterpiste. Der unter einer Haube im engen Führerhaus laut dröhnende Diesel, die spartanische Ausstattung und der bescheidene Sitzkomfort passen dabei irgendwie zu der rauen Wirklichkeit der vorbeiziehenden Buschlandschaft. Zwischen Mai und September ist in Namibia Winter und die trockenste Jahreszeit. Jetzt, Anfang Juli, ist das Gras verdorrt und niedrig und die gut mannshohen nahezu entlaubten Büsche lassen den Blick weiter schweifen, als zu anderen Jahreszeiten. Mit etwas geübtem Auge sieht man links und rechts der Piste immer wieder Tiere hinter den ersten Buschreihen nach Fressbarem suchen, durch Fellzeichnung und -farbe gut an die Umgebung angepasst. Fast zu gut für meinen dafür noch untrainierten Blick, wie ich merke, nachdem ein paar Mal blitzartig von links ein Arm nur Zentimeter vor meiner Nase auftaucht ist, um meine Aufmerksamkeit während der Fahrt auf ein Kudu, einen Springbock oder eine andere Antilope im Busch zu lenken.

Namibia - Schotterpiste durch den Busch

Schnurgerade Schotterpiste durch den Busch

Wieder kommt uns ein voll bepackter Geländewagen mit Dachzelt mit Weißen auf Urlaubstour entgegen. Man grüßt sich, aber angesichts der nachfolgenden Staubwolke schließen wir kurzzeitig die Fenster. Das können die Einheimischen, die auf beiden Seiten des Weges in kleinen Siedlungen leben, nicht. Häufig stehen jeweils etwa zehn dieser hier traditionell strohgedeckten runden oder manchmal auch quadratischen Hütten aus Ästen und Lehm um einen zentralen Platz und in größerem Abstand zu der nächsten Ansammlung. Die Piste durch den Busch fungiert hier als Fußweg und Straße gleichermaßen, um Menschen, Haustiere und Waren von A nach B zu bringen, per Muskel- oder per Motorkraft, bei letzterem eben mit Staubwolke im Gefolge und jeder am Straßenrand bekommt ihn ab.

Namibia - Hütten

Traditionelle Hütten aus Naturmaterialien

„Da vorne, bei dem Funkmast müssen wir links ab.“ Funkmast? Tatsächlich, weithin sichtbar erhebt sich kurz nach der Abzweigung zur Mahangu Lodge ein fast neuer rot-weißer Mobilfunkmast. Zahlreiche Hütten und einige wenige kleine Steinhäuser stehen in unmittelbarer Nähe und wie zum Beweis, dass man hier mitten im Busch auch wirklich Empfang hat, zieht einer der jugendlichen Schwarzen am Wegesrand sein Mobiltelefon aus einer der Taschen seiner bunten Shorts und telefoniert. Und ja, es funktioniert. Gleich nach meinem Transfer vom Flughafen hatte ich meine SIM-Karte gegen eine Karte von MTC getauscht, die man in Namibia ebenso wie passende Karten zum Aufladen (Airtime) fast überall problemlos bekommt. Auch ich habe hier guten Empfang. Well done.

Flusspferdgrunzen in einer anderen Welt

Namibia - Stellplatz auf der Campside der Mahangu Lodge

Stellplatz auf der Campside der Mahangu Lodge

Noch eine Kurve auf dem holperigen Weg und vorbei am Willkommensschild, dann rollt der Unimog auf das Gelände der Mahangu Lodge - und in eine andere Welt, jedenfalls empfinde ich das so. Gerade noch karger Boden, vertrocknete Pflanzen, bescheidene Behausungen und nun plötzlich grün belaubte Büsche und Bäume und grüner Rasen, dank regelmäßiger Bewässerung. Der letzte Stellplatz auf der Campside, dem Teil der Lodge, wo Zelte und Wohnmobile ihren Platz haben, ist unser. Da mein Reisebegleiter schon vor mir hier war und mich nur am Treffpunkt eingesammelt hat, stehen Zelt, Tisch und Stühle schon. Zehn Meter vor uns fließt der Kavango, der wolkenlose Himmel ist knallblau, die trockene Luft angenehm warm und die Flusspferde (Hippos) grunzen laut und vernehmlich im Schilf beider Ufer.

Namibia - Flusspferde

Flusspferde - eine direkte Begegnung mit ihnen kann gefährlich werden

„Und?“, fragt er und sieht mich erwartungsvoll an. Ja, nun, ich bin zwar gerade erst angekommen, aber das Ambiente mit Blick über den Fluss und mit der Geräuschkulisse ist der Hammer. Bevor ich allerdings in die Reichweite meiner wenigen Gepäckstücke zum Auspacken komme, gibt’s noch schnell die eine oder andere praktische Verhaltensregel an die Hand. Kleidungsstücke zum Trocknen in Büsche oder Bäume zu hängen oder Schuhe nachts draußen stehen zu lassen, sind keine guten Ideen, angesichts der in Namibia vorkommenden Baum- und anderen Giftschlangen. Aus demselben Grund ist es sehr ratsam bei Dunkelheit mit einer Taschenlampe unterwegs zu sein. Und bei der unerwarteten Begegnung mit einem Hippo auf nächtlicher Futtersuche ist ruhiger geordneter Rückzug angesagt, schließlich kommen jedes Jahr mehr Menschen in Afrika durch die bis zu viereinhalb Tonnen schweren Pflanzenfresser ums Leben, als durch Krokodile.

Namibia - Hippo- Watching vom Fluss aus

Hippo watching vom Fluss aus

Vor dem Abend machen wir noch einen kleinen Rundgang über das Gelände, vorbei an gut ausgestatteten Chalets , Holzhäuser mit Grasdach, für Urlaubsgäste, die wenig an Wohnkomfort vermissen lassen. An der offenen Bar neben dem Bootssteg treffen wir den deutschstämmigen Betreiber der Lodge, der ein wenig mit dem Kavango hadert, wie er uns in dem kurzen Gespräch über die dunkle Holztheke wissen lässt, denn der Wasserstand sei bereits im dritten Jahr in Folge bedrohlich hoch. Der über 1600 Kilometer lange Kavango, der als Cubango in Angola entspringt, mit dem Grenzübertritt in das benachbarte Botswana abermals seinen Namen ändert und schließlich im Okavangodelta im Nordosten der Kalahari versickert, führt normalerweise in der regenarmen Winterzeit vergleichsweise wenig Wasser. Erst mit dem Einsetzen der Regenfälle füllt sich das Flussbett und lässt den Strom mächtig anschwellen und in weiten Bereichen auch regelmäßig über die Ufer treten. Steht das Wasser aber bereits im Winter hoch, steigt der Pegelstand umso höher und lässt zeitweise mehr von ihrer Habe in den Fluten versinken, als den Lodge-Betreibern lieb ist. Wenn die Höhe der Schäden dann die der Einnahmen übersteigt, ist Schluss mit lustig. Die Gäste, die in der einsetzenden Dämmerung auf einem der Boote auf Hippo-Beobachtungstour langsam auf dem ruhigen Fluss dahin schippern, wissen davon wahrscheinlich wenig.

Namibia - kurzer Besuch vor der Dämmerung

Ein Star auf Kurzbesuch vor der Dämmerung

Lange hält sich der Abend nicht mit der Dämmerung auf, die Sonne sinkt schnell und um halb sechs ist es dunkel oder besser gesagt finster. Die spärliche künstliche Beleuchtung in den wenigen Orten und Städten Namibias, das zweieinhalb Mal so groß ist wie Deutschland und von nicht einmal 2,2 Millionen Menschen bevölkert wird, lässt den dunklen Nachthimmel unbeeinträchtigt, sodass sich über unseren Köpfen der atemberaubende Anblick von Tausenden Sternen bietet. Ebenso rapide wie das Tageslicht abgenommen hat, so sinken nun die Temperaturen. Mit Graden bis knapp unter dem Gefrierpunkt kann es im namibischen Winter nachts empfindlich kalt werden. Aber ein Bündel Holz, dass man hier am Straßenrand für wenig Geld von den Einheimischen kaufen kann, liegt schon bereit und so breitet sich kurz darauf die wohlige Wärme eines prasselnden Feuers aus, über dessen Glut wir wenig später zartes Rinderfilet grillen und uns das eine oder andere Gläschen südafrikanischen Rotwein dazu gönnen.

Auf Safari

Namibia - Säbelantilope im Mahangu Park

Eine Säbelantilope, die zur Gattung der Oryxantilopen gehört

Nicht weit von der Mahangu Lodge entfernt liegt der Mahangu Game Park. Der 254 Quadratkilometer große Wildpark, der seit 1986 auch für Besucher geöffnet ist, liegt im Grenzgebiet zu Botswana. Gegen eine vergleichsweise geringe Eintrittsgebühr kann man zu beiden Seiten der Hauptstraße, die einige Kilometer weiter zur Grenze führt, auf jeweils eine Rundtour durch den Park abbiegen. Obwohl in dem Park auch Löwen und Elefanten leben, ist das Aussteigen nicht verboten, aber auf eigene Gefahr.

Namibia - Affe

Die Wildparks in Namibia haben auch sonst mit denen in Europa nur soviel gemein, dass Tiere relativ frei in ihnen leben. Wenn man Pech hat, sieht man auch während einer stundenlangen Rundfahrt nur sehr wenige von den hier lebenden Tieren wie Kudus, Gnus, Elefanten, Löwen, Säbelantilopen, Springböcken, Impalas, Straußen oder Pavianen, denn die Möglichkeiten sich im Busch zu verbergen, sind vielfach vorhanden, aber die Tiere dort aufzustöbern ist nicht empfehlenswert. Außerdem sollte man mit dem Wagen auf den vorgegebenen Wegen bleiben. Trotz längerer Touren durch den Park sind wir zwar überall auf die Hinterlassenschaften von Elefanten gestoßen, sind aber keinem der Tiere begegnet, schade.

Namibia - gigantischer Baobab im Mahangu Park

Gigantischer Baobab im Mahangu Park

Nicht verstecken können sich dagegen die Baobabs. Die Afrikanischen Affenbrotbäume gehören wohl zu den charakteristischsten Bäumen auf dem schwarzen Kontinent. Mit einem Stammdurchmesser von bis zu sieben Metern und einer Höhe bis zu 20 Metern, sind die oft ziemlich knorrig aussehenden Bäume eher Riesen in der Breite als in der Höhe, denn die Äste fangen an waagerecht zu wachsen, wenn die Bäume das Alter zwischen 30 und 40 erreicht haben und wirken daher etwas gedrungen. Trotz seines mächtigen Stamms können Elefanten dem Baum gefährlich werden, denn Boababs speichern im ihrem Inneren Wasser. Finden die Dickhäuter anderswo nicht genügend von dem lebenserhaltenden Nass, brechen sie die Baumrinde auf, fressen die wasserhaltigen Fasern und höhlen so den Baum aus, bis er daran eingehen kann. Andernfalls können die Bäume mehrere Hundert Jahre alt werden.

Ein Abstecher nach Botswana zu den Crocs

Botswana - Blick auf den Okavango von der Shakawe Fishing Lodge

Blick auf den Okavango

Diesmal biegen wir nicht von der Hauptstraße ab, um eine Rundtour zu machen, sondern fahren die Schotterpiste weiter bis zur Grenze zu Botswana. Die Formalitäten an den beiden Grenzstationen sind schnell erledigt und so geht es kurz darauf für ein verlängertes Wochenende etwa dreißig Kilometer in das Land hinein. Unser Ziel ist die Shakawe Fishing Lodge direkt am Okavango. Fischen kann man hier vor allem den Tigerfish. Dieser afrikanische Raubfisch erinnert mit seinem Maul vollen spitzer Zähne ein wenig an südamerikanische Piranhas, ist aber - je nach Unterart - deutlich größer und dann eine echte Herausforderung für den Sportangler. Deshalb finden hier auch häufiger Angelwettbewerbe mit überregionaler Beteiligung statt. Wir wollen allerdings nicht fischen, sondern unter anderem Krokodile beobachten und vielleicht Fischadler füttern.

Botswana - Krokodil

Irgendwie übrig geblieben aus einer anderen Zeit

Aber während wir auf den schon erwähnten Freund aus Rundu und seine Familie warten, schlägt mich erst einmal die Vogelwelt in ihren Bann. Rund sechshundert verschiedene Arten soll es in Botswana geben, zwar Zugvögel mit eingeschlossen, trotzdem ist das Terrain für Ornithologen bestens geeignet. Schnell habe ich die Kamera in der Hand und nehme einen Bee-eater ins Visier, der direkt vor mir auf einem Ast sitzt. Diese vielfarbigen Vögel kommen in verschiedenen Teilen der Welt in 26 Arten vor. Ihren Namen haben sie aufgrund ihrer Vorliebe für Bienen und Wespen, denen sie, bevor sie sie fressen, den Stachel und mit ihm das meiste Gift entfernen. Sie legen ihre Eier nicht in Baumnester, sondern in Erdhöhlen, die man vom Wasser aus in der Uferböschung zu Dutzenden sehen kann.

Botswana - ein Bee-eater mit seiner Beute

Ein Bee-eater mit seiner Beute

Mit etwas Abstand steht auf der Campside das Wohnmobil eines Rentnerpaares aus Südafrika neben uns. Seit Stunden ist der freundlich wirkende ältere Herr mit seiner Nikon mit 300er Zoom nun schon auf dem Gelände unterwegs und fotografiert alle Vögel, die ihm vor die Linse kommen. Als er sieht, dass ich auch einige Fotos mache, kommt er herüber, entschuldigt sich für die Störung, fragt auf englisch was ich fotografiere und zeigt mir stolz auf mein Stichwort „Birds“ seine wirklich schönen Aufnahmen eines Giant Kingfisher, die er am Morgen gemacht habe. Dieser bis zu 48 Zentimeter lange Vogel ist der größte der Art der Kingfisher und wie der Name schon sagt, fischt er, und zwar Krebse, Fisch und Frösche aus dem Wasser.

Botswana - Giant Kingfisher

Giant Kingfisher auf einem Ast

Kurz darauf geht’s auch für uns aufs Wasser. Eines der Motorboote mit Metallrumpf ist für uns reserviert und aufgetankt und nachdem wir endlich vollzählig sind, eilt es plötzlich ein wenig, denn wir wollen noch den Sonnenuntergang über dem Okavango vom Wasser aus erleben. Wir fahren ein Stück, dann verstummt der Außerborder, das Grunzen ferner Hippos, die Geräusche der Vögel und das Pläschern des Wassers am Bootsrumpf erfüllen die Luft, sonst gibt es keine Geräusche und dann versinkt Sonne rasant hinter den Swamps, den sumpfigen, dicht bewachsenen Uferzonen, und taucht den Himmel für einen Moment in satte Orangetöne, bevor es so schnell finster wird, als hätte jemand das Licht ausgeschaltet.

Botswana - Sonnenuntergang auf dem Okavango

Sonnenuntergang auf dem Okavango

Ich bin immer noch fasziniert von der Szenerie, als das Holz im Feuerkorb bereits knisternd anfängt zu brennen, nachdem wir wieder an Land sind. Wieder ist ein Braai angesagt, d.h., es wird gegrillt - bis auf das Holz ist allerdings alles aus Namibia mitgebracht. Sicher gibt es auch Salat und diverse Gemüse wie Möhren, Paprika und Gurke als Rohkost dazu, aber Fleisch ist einfach billig und leicht zu bekommen, weil es in Namibia viele Tiere gibt, deren natürliche Feinde fast ausgerottet wurden und sie sich besonders auf den Game Farmen gut vermehren. Ob Rind, Zebra, Giraffe oder Antilope, auf nahezu jeder Menükarte stehen vor allem Gerichte mit Fleisch. Das Gros an Obst und Gemüse wird (noch) aus dem benachbarten Südafrika importiert und ist entsprechend teurer. Wer also in Namibia als überzeugter Vegetarier unterwegs ist, hat es nicht unbedingt einfach.

Botswana - Eisvogel im Uferschilf

Eisvogel im Uferschilf

Nachdem unser Appetit befriedigt ist, steigen wir noch einmal ins Boot, um mit einem Scheinwerfer bewaffnet am Ufer und im Uferschilf dösende Tiere und dabei vor allem Vögel vor die Kamera zu bekommen. So dicht vorbei an einem Krokodil, dass wir es hätten anfassen können, steuern wir das Ufer an und dort sitzen auch schon einige Vögel im zwei Meter hohen Schilf. Geblendet von dem plötzlichen Licht bleiben die Tiere auf den Halmen sitzen, dennoch wollen wir nicht allzu lange stören.

Botswana - Fischadler

Fischadler in luftigen Höhen

Am nächsten Tag versuchen wir einen Fischadler mit kurz zuvor gekauftem Fisch aus luftigen Höhen zu locken. Aufgespießt auf Schilfrohrstücke schwimmen unsere Köder nach einem kurzen Flug durch die Luft auf dem seichten Wasser ohne unterzugehen, aber alles Warten ist zwecklos, der beeindruckende Raubvogel bleibt von unserem Angebot wenig beeindruckt und so tuckern wir gemütlich den Fluss auf und ab, schauen uns die Lodges am Ufer an und genießen den Sonnenschein.

Botswana - Lodge

Lodge am Okavango

 

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