Es gibt keine Industrie, also auch keine Verdienstmöglichkeiten auf dem Bazaruto Archipel, höchstens die Fischerei. Doch der Handel mit Trockenfisch auf dem Festland wird heutzutage aus den Produktionen international und mit Riesentrawlern operierender Firmen gespeist und darin ist kein Platz für Minierträge.
Aber ein Radio
zu besitzen oder Stoffe für ein paar neue Kleider wäre schon nicht
allzu viel verlangt. Ohnehin scheint auch die momentane Wirtschaftsentwicklung
Mosambiks an den kleinen Eiländern vorbeizugehen wie diese
schon immer unbeachtet und immer wieder vergessen, einfach nur dagewesen
waren, und keiner aus Maputo hatte hingeguckt. Selbst
der Krieg, der bis zum Friedensschluss 1992 drei Jahrzehnte lang als Freiheits
und anschließend als Bürgerkrieg das Land zerrissen hatte, war nie
bis zum Archipel vorgedrungen. Doch hatten alle Männer kämpfen müssen
- um am Ende allerdings nicht einen Metacal Abfindung zu erhalten.
Ihr Widerstand gegen diese Willkür trägt Züge zivilen Ungehorsams: Wenn die Naturschutzbehörde will, daß wir grobmaschige Netze zum Fangen benutzen, nehmen wir noch kleinmaschigere, daran kann uns auch der inselansässige WWF (World Wide Fund for Nature) nicht hindern, scheinen die Insulaner zu denken, und Souvenirs schnitzen oder weben für die paar Touristen tun wir erst recht nicht.
Leider fallen diesem Konflikt auch die letzten der hier lebenden Dugongs, Seejungfrauen zum Opfer. Vor fünfzig Jahren tummelten sich noch über tausend dieser vier Meter langen Säugetiere, mit ihren weiblichen, runden Hüften, Brüsten und dem spitz zulaufenden Schwanz aus der Familie der Sirenen vor der Küste Mosambiks. Bis zu vier Tonnen bringen die Meermädchen auf die Waage und weil ihr Fleisch so gut nach Schwein schmeckt, also anders als Fisch, wird kein Insulaner solche Beute wieder freilassen. Auch wenn der Fang eines Dugongs bei Gefängnisstrafe verboten ist. Doch kommen die Großkopferten aus Maputo nie auf die Inseln, was auch ein Vorteil ist, denn da sehen sie nicht, welchen Schatz sie da vor ihrer Küste im Dornröschenschlaf belassen. Obwohl Grundstücks- und Inselschiebereien zum Bau diverser Hotel Ressorts schon ruchbar geworden waren, wie Paul und sein einziger anderer Kollege von Bazaruto mit Argusaugen beobachteten. Doch dann hatten sie sich wieder zurücklehnen können, denn mosambikanischer Korruptionsfilz ist von jener Qualität, die alle Neuerungen auf Jahre hinaus im Keim erstickt.
Wie schön, denkt man da so beim Faulenzen, wenngleich politisch völlig unkorrekt, sollen doch diese Verwaltungssitten möglichst nie reformiert werden.
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